And So It Goes (2014)

And So It Goes (2014)

Das grenzt an Liebe
  1. , ,
  2. 94 Minuten

Filmkritik: Er bellt, sie singt

What?
What? © Impuls Pictures AG

Oren Little (Michael Douglas) ist ein richtiger Dreckskerl. Seit dem Tod seiner Frau und der für ihn unverzeihlichen Drogenvergangenheit seines Sohnes hat sich der Immobilienmakler verändert. Er ist verbittert, zynisch und stets schlecht gelaunt. Als Oren gerade versucht, sein leerstehendes Haus zu verkaufen, steht plötzlich sein Sohn mit Neuigkeiten vor der Tür. Er muss für ein paar Monate ins Gefängnis und hat eine neunjährige Tochter, die nun für diese Zeit ein Zuhause sucht. Obwohl Oren natürlich alles andere als begeistert ist, lässt sich sein Sohn nicht davon abbringen und lädt Sarah (Sterling Jerins) bei ihm ab.

Die Freundlichkeit in Person
Die Freundlichkeit in Person © Impuls Pictures AG

Zum Glück für Oren gibt es in seinem Wohnviertel auch Menschen wie die herzensgute Leah (Diane Keaton), die trotz seiner unfreundlichen Tonart gerne ihre Hilfe anbietet. Leah ist ebenfalls verwitwet und eine leidenschaftliche Sängerin, was sie in einem kleinen Dinner jeweils abends unter Beweis stellt. Sie greift dem völlig überforderten Oren unter die Arme und kümmert sich um seine Enkelin. Doch je mehr Zeit er mit ihr und mit seiner Nachbarin verbringt, desto mehr fängt er an, sich an die Gesellschaft zu gewöhnen, und dies scheint ihm richtig gut zu tun.

And So It Goes lebt von seinem schrecklich unanständigen Hauptcharakter und dessen Verkörperung von Michael Douglas. Der Liberace-Darsteller nimmt als Oren Little kein Blatt vor den Mund und unterhält das Publikum mit seiner unflätigen Art im Alleingang. Aus diesem simplen Grund kann Rob Reiners neuste Komödie, auch ohne wirklich was Neuartiges zu zeigen, ungemein gut unterhalten und lässt dabei sogar den ziemlich unbrauchbaren Musikkarriere-Plot um Heulsuse Diane Keaton nicht ganz so schlimm aussehen.

Der New-Yorker Schauspieler und Regisseur Rob Reiner (A Few Good Men) ist, nachdem er mit Morgan Freeman einen verzauberten Sommer erlebt hat, zurück mit einer weiteren Komödie mit Starbesetzung. Michael Douglas und Diane Keaton sind die zwei grossen Namen in And So It Goes. Und hauptsächlich miit ersterem traf Reiner ins Schwarze. Auch wenn Douglas' unfreundlicher Oren Little nicht die Tiefe eines Liberace aufweist, beweist er als alter, zynischer Dreckskerl mit eingerostetem Herz viel Spielfreude und legt eine Performance an den Tag, die den Zuschauer vor Lachen aus dem Kinosessel haut. Aber auch sonst ist And So It Goes meist sympathisches, freches und kitschiges Unterhaltungskino und muss sich keinesfalls verstecken.

Die Geschichte verspricht nicht viel Neues und bietet auch ein paar schlecht geschriebene Nebenplots, die entweder ziemlich eintönig sind (Musikkarriere von Leah), oder schlicht zu wenig erläutert wurden (Mutter von Sarah). Diese doch immer wieder negativ ins Gewicht fallenden Aspekte macht die Hauptstory um Oren Little aber beinahe wieder weg. Zwar bleibt auch die Figur von Michael Douglas nicht von Klischees verschont, doch zum Glück sind es auch genau diese, die den Mann und seinen eingefrorenen Charakter ausmachen. Diane Keaton muss sich da trotz viel Hingabe und ansprechender Singstimme hinten anstellen. Ihre Leah ist einfach zu uninteressant und zerrt mit ihrer weinerlichen Art auch ab und zu am Nervenkostüm.

Positiv im Gedächtnis bleibt dafür die junge und äusserst talentierte Sterling Jerins (The Conjuring), die als Enkelin Sarah einen zuckersüssen Eindruck hinterlässt. Trotz oder gerade wegen der zynischen Art des Hauptcharakters und haufenweise fiesen Sprüchen verbreitet And So It Goes ungemein viel gute Laune und macht in erster Linie einfach Spass. Dass Rob Reiner für seine Komödie keinen Preis für Originalität erhält, kann ihm im Anbetracht dieser Tatsachen völlig egal sein.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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