After the Fall (2014/III)

After the Fall (2014/III)

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  2. 110 Minuten

Filmkritik: Irgendwo in New Mexiko

Frank und Bill hängen rum
Frank und Bill hängen rum © Studio / Produzent

Bill Scanlin (Wes Bentley) ist ein ganz gewöhnlicher Kerl. Er hat eine Frau, zwei Söhne und ein nettes Häuschen mit Pool. Alles wäre in Ordnung, hätte er nicht seinen Job als Versicherungsprüfer verloren, weil er den Kunden gegenüber zu ehrlich war. Die Hypothek für das Haus muss bezahlt werden, und Bill entgleitet langsam die Kontrolle über die Finanzen. Während seine Frau Susan (Vinessa Shaw) nichts von der Misere ahnt, sucht er nach neuen Verdienstmöglichkeiten.

Pool auf Raten. Bill ist pleite
Pool auf Raten. Bill ist pleite © Studio / Produzent

Als die Jobsuche aussichtslos bleibt, bringt ein Missverständnis ihn auf eine neue Idee. Von Existenzängsten getrieben, versucht Bill sich fortan als Dieb. Seine Opfer sucht er sich sehr genau aus: Es handelt sich dabei ausschliesslich um Menschen, die anderen in seinen Augen Unrecht getan haben. Auf diese Weise kann Bill zumindest einen Teil seiner Schulden bezahlen, aber er geht immer mehr Risiken ein, und auch Susan merkt, dass etwas mit ihrem Mann nicht stimmt.

Wes Bentley wird in diesem Jahr in Christopher Nolans heisserwartetem Science Fiction-Epos Interstellar zu sehen sein. Mit Things People Do schlägt der Schauspieler vorab ruhige Töne an. Seine Figur des Bill Scanlin ist ein echter Average Joe. Er lebt ein Mittelklasseleben in der Einöde des Mittelwestens und ist kein Typ, der negativ auffällt. Viel lieber möchte er es allen anderen recht machen. So behält er die Last der Kündigung für sich und versucht, die Situation wieder geradezubiegen, bevor seine Familie etwas davon mitbekommt. Dass ausgerechnet er in die Kriminalität abrutscht, ist nahezu tragisch, kommt oftmals aber auch erschreckend unspektakulär daher.

Regisseur Saar Klein erzählt die Geschichte langsam und mit viel Ruhe. Der für seinen Schnitt bereits zweifach mit dem Oscar nominierte Klein (The Thin Red Line, Almost Famous) setzt oft die Einöde New Mexikos in den Fokus. Zuweilen wirkt es so, als wären die Scalins die einzig Lebenden in einer Siedlung gespickt mit leeren Musterhäusern, die man inmitten der Wüste platziert hat. Lediglich in dem Polizisten Frank (Jason Isaacs) findet Bill einen Freund, mit dem er sich ein wenig die freie Zeit vertreiben kann. Ausgerechnet dieser erklärt dem stillen Amateurgauner, dass sich das Handeln der Menschen nicht in Tugenden und Sünden unterscheiden lasse. Stattdessen gebe es nur die Dinge, die wir eben tun, und jeder mache dabei den ein oder anderen Fehler.

Dass Bill mit seinen Raubzügen Unrecht tut, ist klar, aber genauso ist ihm Unrecht geschehen. Dabei ist er nur einer von vielen amerikanischen Bürgern, die einem System zum Opfer gefallen sind, das kein Netz oder doppelten Boden bereithält. Hier zeigt sich die Stärke, aber paradoxerweise auch die Schwachstelle von Things People Do. Bills Geschichte ist nicht aussergewöhnlich. Sie ist tägliche Realität in einem Land, das von der Immobilienkrise geprägt ist. So lässt sich Bills Handeln nur bedingt nachvollziehen und bleibt bis zum Schluss moralisch fragwürdig.

Im Ganzen ist Things People Do eine in schönen Bildern erzählte Parabel über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft. Auf Verfolgungsjagden oder grosse Action wird bewusst verzichtet. Stattdessen stellt Klein die Verzweiflung und Verunsicherung seiner Hauptfigur in den Fokus. Das überzeugt nur bedingt und nimmt der Geschichte ein wenig an Fahrt.

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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Trailer Englisch, 01:33