Words and Pictures (2013)

Words and Pictures (2013)

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  2. 111 Minuten

Filmkritik: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - NOT!

"Das ist ja super, was ich da geschrieben habe" *hicks*
"Das ist ja super, was ich da geschrieben habe" *hicks* © Praesens Film

Die erfolgreichen Zeiten des Autors und Dichters Jack Marcus (Clive Owen) sind schon lange vorbei. Heute schlägt er sich mehr als schlecht als recht als Lehrer an einem Internat durch seinen Alltag, nennt seine Schüler am liebsten "Droids" und nervt seine Berufskollegen immer wieder mit Wortspielchen. Sein grösster Wunsch ist es, mal wieder etwas Bedeutendes auf Papier zu bringen, doch seine Kreativität ist ihm abhanden gekommen. So versucht er sie jeden Abend mit dem Konsum von viel Wodka zurückzugewinnen - bisher ohne grossen Erfolg.

Bürostuhlkünstlerin
Bürostuhlkünstlerin © Praesens Film

Auch die Malerin Dina Delsanto (Juliette Binoche) steckt schon seit längerem in einer Schaffenskrise. Bei ihr hat dies vor allem mit ihrer Rheumaerkrankung zu tun - da kann jeder Pinselstich schmerzhaft sein. So nimmt sie einen Job als Kunstlehrerin an genau jenem Internat an, an dem auch Jack unterrichtet. Sie provoziert diesen gleich mit der Aussage, dass ein Bild mehr sage als tausend Worte und deshalb besser sei. Dies kann Jack nicht auf sich sitzenlassen, und er will der Frau das Gegenteil beweisen. Dies ist der Beginn eines kleinen Privatkrieges, der beide zu neuen Höchstleistungen anspornt.

Auf dem Papier hört sich Words and Pictures wie eine dieser unsäglichen Schnulzen Hollywoods an: Zwei einsame Menschen treffen aufeinander und helfen sich gegenseitig, ihre Tiefs zu überwinden. Auch wenn der Film vor allem gegen Ende hin immer mehr den altbekannten Weg beschreitet, hat er dank Clive Owen und Juliette Binoche genügend Klasse, damit man da auch ein Auge zudrücken kann.

Vor allem die Wortgefechte, welche sich die beiden Lehrer liefern, sind schon das Eintrittsgeld wert. Hier prallen zwei Egos aufeinander, und lange scheinen die beiden sturen Böcke nicht von ihren Vorstellungen abzuweichen. Dies ist höchst unterhaltsam, was vor allem an dem spielfreudigen Hauptdarsteller-Duo liegt.

Weniger gelungen ist dagegen eine Nebenhandlung mit Schülern, die Worte und Bilder verwenden, um einander zu verletzen. Zwar zeigen Regisseur Fred Schepisi und Drehbuchautor Gerald Di Pego damit auch die Schattenseiten der beiden Ausdrucksweisen. Doch dieser Handlungsstrang wird etwas gar schnell unter den Teppich gekehrt und spielt am Ende keine wirkliche Rolle mehr. Hätte sich der Film nur auf das sich zoffende Lehrer-Duo fokussiert und ihm noch mehr gepfefferte Dialoge in den Mund gelegt, wäre er um einiges spassiger geworden.

Fazit: Words and Pictures ist ein Feel-Good-Movie der Marke "Ok", das zwar nicht ohne Längen ist, aber dank Clive Owen und Juliette Binoche, zwischen denen die Chemie einfach stimmt, lange Zeit Spass macht. Da verzeiht man auch das Ende, bei dem mal wieder vor versammelter Menge Vorträge und Geständnisse gemacht werden. Denn dank gelungener Wortgefechte und Verweise auf Dead Poets Society ("Oh Captain, My Captain"), ist der Film immer noch besser als der Grossteil der unsäglichen Hollywoodschnulzen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 2

dufurkudu

Ein paar gute Momente und die schiere Ausstrahlung von J. Binoche halten den Film knapp am Leben. Das lustlose, überraschungsfreie Drehbuch lässt clicheehafte Figuren in einer amerikanischen Privatschule planlos aufeinander los. Weder Schule noch Figuren haben etwas besonderes. Clive Owen ist in dieser Rolle zum Einschlafen.

crs

Filmkritik: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - NOT!

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