What If (2013/V)

What If (2013/V)

The F-Word: Von wegen gute Freunde!
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  3. 102 Minuten

Filmkritik: "Dörfs es bitzli meh sii?"

38th Toronto International Film Festival
"... und dann küsste Hermione einfach den Ron!"
"... und dann küsste Hermione einfach den Ron!" © Impuls Pictures AG

Medizinstudiumsabbrecher Wallace (Daniel Radcliffe) ist seit der Trennung von seiner Freundin ein kleines Wrack. Ohne jeglichen Antrieb wohnt er bei seiner alleinerziehenden Schwester Ellie (Jemima Rooper) und verlässt das Haus eigentlich nur, um mit seinem besten Freund Allan (Adam Driver) abzuhängen. Eines Abends während einer Party in Allans Wohnung macht Wallace die Bekanntschaft mit Chantry (Zoe Kazan). Beide geben zu, dass sie nicht gerade die Besten im Small Talk sind und verstehen sich deshalb sofort super. Sie quatschen den ganzen Abend lang und haben eine gute Zeit. Jedoch nur bis zu dem Moment, als Chantry vor ihrer Haustür ihrem Begleiter offenbart, dass sie einen Freund hat.

Wallace ist enttäuscht, lässt es sich aber nicht anmerken und ist einverstanden, dass er und Chantry lediglich gute Freunde werden. Als Chantrys Freund Ben (Rafe Spall) wegen eines Jobs für ein paar Monate nach Dublin ziehen muss, bleibt seine Freundin alleine in Toronto zurück. Laut Allan die ideale Gelegenheit für Wallace etwas zu wagen. Doch diesem ist bei diesem Gedanken nicht wohl, und er verheimlicht seine Gefühle weiterhin.

What If ist ein überdeutliches Indieprodukt, welches auf bewährte Elemente wie einen melancholischen Soundtrack und sympathische Schauspieler setzt. Dank des herrlichen Dialogwitzes und dem perfekten Timing der Darsteller ragt dieser richtig lustig-putzige Spass aber aus der Masse heraus.

Die Story ist aber definitiv ein alter Hut. Es geht darum, ob Männlein und Weiblein einfach nur gute Freunde sein können. Denn oft kommen irgendwann Gefühle ins Spiel und es muss entschieden werden, ob man einen Schritt wagt, der entweder glücklich machen oder die Freundschaft zerstören kann. Dass Regisseur Michael Dowse nicht ein allzu ernstes Filmchen aus dieser Prämisse gemacht hat, konnte man anhand seiner Vorgängers, der rüden Eishockey-Komödie Goon, erwarten. Sein What If schmückt das Thema mit aberwitziger Situationskomik aus, wobei das erste Treffen mit Möchtergernfreund und Wirklicher-Freund herrlich abrupt und zum-schief-lachen-komisch endet.

So ein Film steht und fällt aber natürlich mit seinen beiden Hauptdarstellern. Zum Glück stimmt die Chemie zwischen Daniel Radcliffe und Zoe Kazan, sodass man hofft, dass es zwischen ihren Figuren klappt. Der von Rafe Spall verkörperte Boyfriend bleibt hingegen den Beweis schuldig, wieso die nette Chantry überhaupt mit ihm zusammen ist. Ein Problem, das viele solche Filme haben, und Dowse leider auch nicht umschiffen konnte.

Doch die beste Waffe, die er gegen solche Klischees hat, ist der Humor. Angedeutet wurde die humorvolle Seite von Radcliffe schon in den Harry-Potter-Filmen. Doch hier kann er sie zum ersten Mal voll ausspielen. Vor allem seine Dialogpassagen mit Adam Driver sind Comedygold. Wenn sich diese beiden die Sätze regelrecht um die Ohren hauen, muss man schon gut aufpassen, um keinen Joke aufgrund des noch anhaltenden Lachens zu verpassen. Auch in den bereits angesprochenen Slapstickmomenten gefällt Radcliffe sehr gut, und der Brite beweist ein unglaubliches Talent für Timing.

Fazit: What If folgt von der Geschichte her zwar recht ausgelatschten Pfaden, doch dies stört aufgrund des vielen Humors kaum. Natürlich kommt vieles so, wie es kommen muss, aber dies ist herrlich unterhaltsam vorgetragen und hat mit knapp 100 Minuten auch gerade die richtige Länge. Diese freche Komödie wird selbst Liebesmuffeln und Potter-Hassern gefallen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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