The German Doctor - Wakolda (2013)

The German Doctor - Wakolda (2013)

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  3. 93 Minuten

Filmkritik: Der Tod und das Mädchen

Vertrauenswürdig?
Vertrauenswürdig? © Xenix Filmdistribution

Patagonien, 1960: Eine argentinische Familie hat beschlossen, ihre Zelte auf dem Land abzubrechen und in die Stadt Bariloche zu ziehen. Dort hat Mutter Eva (Natalia Oreiro) ein Hotel geerbt, welches sie nun zusammen mit ihrem Mann Enzo (Diego Peretti) und den zwei Kindern neueröffnen will. Doch kurz bevor die lange Autoreise beginnt, machen sie die Bekanntschaft mit dem deutschen Arzt Helmut Gregor (Àlex Brendemühl). Er müsse ebenfalls nach Bariloche, kenne den Weg dorthin jedoch nicht. So erlaubt es Enzo dem Fremden, ihnen zu folgen, bis sich ihre Wege am Ziel wieder trennen. Doch es wird nicht das letzte Mal sein, dass die Familie den Herrn mit dem Schnurrbart sehen wird.

"Josef Who?"
"Josef Who?" © Xenix Filmdistribution

Denn vor allem die 12-jährige Tochter Lilith (Florencia Bado) scheint es dem Fremden angetan zu haben. Dies ist jedoch aus rein medizinischen Gründen. Er verspricht der Familie, dass er die Wachstumstörung des Mädchens mit einer neuartigen Therapie beheben kann. Enzo ist damit überhaupt nicht einverstanden, doch seine Frau Eva erlaubt dem Arzt letztlich die Behandlung. Was niemand zu wissen scheint: Helmut Gregors richtiger Name ist Josef Mengele, und er ist der flüchtige Todesangel von Auschwitz.

Wakolda, der neuste Film der argentinischen Regisseurin Lucía Puenzo, hört sich von den Zutaten her wie ihr Debüt XXY an: Ein Teenager, bei dem körperlich nicht alles stimmt und ein Chirurg, welcher sich dann aufgrund einer möglichen Behandlung mit der Familie anfreundet. Doch anders als in ihrem Erstling gibt es hier einen Twist: Bei dem Halbgott in Weiss handelt es sich um den KZ-Arzt Josef Mengele, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg noch jahrzehntelang in Südamerika versteckt hielt und an Tieren, Schwangeren und Halbwüchsigen herumexperimentierte. Die Prämisse ist also schon mal unangenehm und der Tisch damit gedeckt für einen nicht leichtverdaulichen Thriller. Doch Puenzo inszeniert ihren Film dermassen schleppend und plakativ, dass man ihn ab einem gewissen Punkt nicht mehr ernstnehmen kann.

Eine gewisse Grundspannung kriegt sie aber trotzdem nicht kaputt. Es ist halt nicht einfach anzusehen, wenn sich ein solches Monster mit einem 12-jährigen Mädchen anfreundet. Die Frage nach dem "Was wird am Ende passieren?" lässt einen bei Wakolda dranbleiben. Ansonsten gibt es nur sehr wenig Positives zu berichten. Ein Subplot mit dem Vater, welcher Puppen mit Herzschlag herstellen will und der so nächtelang an geöffneten Puppenbrustkörpern herumbastelt, ist so doof wie plump und hätte es zu allem Überfluss auch gar nicht gebraucht.

Zudem hält sich Puenzo, welche hier übrigens ihren eigenen Roman verfilmte, zu lange mit den Coming-of-Age-Sorgen ihrer Protagonistin Lilith auf. Die Spannungsschraube bleibt so nicht die ganze Zeit über angezogen. Überhaupt spielt die Regisseurin den Stoff zu lange wie ein Drama, obwohl er doch mehr Potential als Thriller gehabt hätte. Das ist dann letztendlich auch das Frustrierendste am Film: Wir sehen die Prämisse und krallen uns bei einigen Szenen auch mit den Fingernägeln an den Kinosessel. Doch dann ziehen sich Sequenzen wieder ewigs in die Länge und der Plot scheint ins Nirgendwo hinzusteuern, wo nur etwas auf die Reisenden wartet: Langeweile.

Fazit: Wakolda hört sich auf dem Papier nach einem unglaublich spannenden Film an. Unglaublich ist dann jedoch nur, wie unglaubwürdig und langweilig das Ganze dann umgesetzt wurde.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Spanisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:43