Violette (2013)

Violette (2013)

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  3. 132 Minuten

Filmkritik: Die Nervensäge mit der grossen Nase

Hast du's auch schon mit Activia versucht?
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Violette Leduc (Emmanuelle Devos) lebt während des Zweiten Weltkriegs mit Maurice Sachs (Olivier Py) auf dem Land. Als er ihre Begabung für das Wort entdeckt, ermutigt er sie zu schreiben. Seinem Rat folgend, beginnt Violette mit ihrem ersten Buch "L'Asphyxie". Nachdem Maurice sie verlassen hat, zieht Violette nach Paris, wo sie von Simone de Beauvoir (Sandrine Kiberlain) hört. Beeindruckt davon, dass eine Frau Bücher in so grossem Umfang schreibt, möchte Violette um jeden Preis, dass die Autorin ihr Manuskript liest und bewertet. Simone ist davon begeistert und sogt dafür, dass das Buch veröffentlicht wird. Obwohl der Erfolg ausbleibt, wird Violette von Simone ermutigt, weiter zu schreiben. Mit der Unterstützung von Jacques Guérin (Olivier Gourmet), Jean Genet (Jacques Bonnaffé), Jean-Paul Sartre und Albert Camus schreibt sie weitere Bücher. Als erste Frau spricht sie offen über die weibliche Sexualität, Abtreibung und lässt kein Tabuthema unbeschrieben.

Schnaps, das war sein letztes Wort...
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Obwohl Violette eine schwierige Person ist und mit ihrem Drang nach Zuneigung ihrem Umfeld teilweise sehr zur Last fällt, wird sie stets von Simone, ihren Freunden und ihrer Mutter unterstützt. Simone ermutigt sie schliesslich, alleine durchs Land zu reisen. Während dieser Reise entdeckt Violette das Dorf Faucon, wo sie zum ersten Mal in ihrem Leben Zufriedenheit findet.

Eine gelungene Verfilmung von Violette Leducs Leben. Sie zeigt auf interessante und intime Art, wie die Autorin zum geschriebenen Wort fand und mit ihren tabubrechenden Büchern den Grundstein zum französischen Feminismus legte. Zwar ist der Film mit seinen 139 Minuten eindeutig zu lang geraten, aber dafür bekommt der Zuschauer einige wirklich schöne Bilder der französischen Landschaft zu sehen.

Anstrengend ist das Wort, das Violette Leduc, gespielt von Emmanuelle Devos (Coco avant Chanel), gemäss Zeitzeugen beschreibt. Diesem Bild wird Martin Provosts (Séraphine) Verfilmung über das Leben der französischen Schriftstellerin gerecht. Genau wie Violette selbst nimmt Provost kein Blatt vor den Mund und stellt sie als anstrengende, anhängliche Nervensäge dar, die ihr Leben lang auf der Suche nach Zuneigung und Liebe ist und sich selbst dadurch in die Einsamkeit stösst. Der Film ist stellenweise genauso anstrengend, da er oft nicht richtig vorwärts kommt und an Details hängenbleibt. So hätte man beispielsweise lieber mehr über Violettes Ehe und Abtreibung erfahren, als ihr bei einer Liebelei mit einem Jüngling zuzusehen, welche den Zuschauer äussert unbehaglich zurücklässt.

Allgemein scheint Provost beim Zuschauer öfters Unbehagen hervorrufen zu wollen. Seien es Violettes Wutausbrüche, ihre häufigen Liebesbezeugungen, die nie erwidert werden oder die Sexszenen - bei allen fühlt man sich unwohl. Obwohl dies für den Zuschauer anstrengend und mühsam sein kann, bringt es ihm Violette näher, da man sich so ein wenig in sie hineinversetzten kann. Sich selbst hässlich und ungeliebt fühlend, war ihr selbst häufig nicht wohl in ihrer Haut, und das spürt man den ganzen Film durch sehr gut. Indem der Film in Kapitel aufgeteilt wurde, sollten die Begegnungen von Violette mit den wichtigsten Figuren in ihrem Leben übersichtlich dargestellt werden. Leider geht dabei die zeitliche Übersicht völlig verloren. Es ist unklar, ob zwischen den einzelnen Geschehnissen Tage, Wochen oder Jahre vergehen. Dies macht es für jemanden, der Violette Leduc nicht kennt, etwas schwer, dem Film zu folgen.

Emmanuelle Devos stellt den ewigen inneren Kampf von Violette auf eindrückliche Art dar. Wie sie von einem Augenblick zum nächsten ihre Gefühlslage um 180 Grad drehen kann, ist beeindruckend. Devos gelingt es hervorragend, die Nerven des Zuschauers zu strapazieren und zugleich Mitleid bei ihm zu erregen. Bei Sandrine Kiberlain (Mademoiselle Chambon) fällt es schwer zu sagen, ob sie Simone de Beauvoir überzeugend spielt. Teilweise wirkt sie desinteressiert und abwesend, dabei ist nicht klar, ob das bewusst gemacht wurde oder nicht. Allerdings kann man sich sehr gut in ihre verzwickte Lage versetzen: Einerseits erkennt sie Violettes Talent und möchte sie weiterbringen, aber andererseits ist sie von deren Liebe abgeschreckt und will die Distanz unbedingt wahren. Diesen Kampf zwischen Zusammenarbeit und Zurückweisung setzen sowohl Devos als auch Kiberlain hervorragend um.

/ dro

Trailer Französisch, 01:55