Vielen Dank für nichts (2013)

Vielen Dank für nichts (2013)

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  3. 95 Minuten

Filmkritik: Rollstuhl-Blues

"Das 'X' markiert einen (neuen) Schatz."
"Das 'X' markiert einen (neuen) Schatz." © Praesens Film

Seit einem Snowboardunfall ist Teenager Valentin (Joel Basman) an einen Rollstuhl gefesselt. Mit diesem Umstand kommt er überhaupt nicht klar, weshalb er bei jeder Gelegenheit gegen seine Betreuer und vor allem gegen seine eigene Mutter rebelliert. Als letzterer der Kragen platzt, steckt sie ihren Sohn in eine Behindertentheatergruppe im Südtirol. Valentin hat aber keine Lust, mit all den "Spastis" abzuhängen und verhält sich vorerst völlig ablehnend gegenüber den anderen.

Born to be wild
Born to be wild © Praesens Film

Erst als er die Pflegerin Mira (Anna Unterberger) kennenlernt, beginnt er wieder zu lachen. Nur dumm, dass diese schon einen Freund hat. Dieser, Marc (Ricardo Angelini), studiert BWL und arbeitet an einem Tankstellenshop. Für Valentin ist klar, dass er nun diese Tankstelle überfallen muss, um Mira zu zeigen, was für ein Waschlappen ihr Freund ist. Zusammen mit seinen neuen Freunden Lukas (Nikki Rappl) und Titus (Bastian Wurbs) schmiedet er den Plan und versucht mit den zweien auch eine Waffe zu besorgen. Das ist gar nicht so leicht.

Obwohl es dem Film der beiden Regisseure Stefan Hillebrand und Oliver Paulus an einigem fehlt, um mit ähnlichen Werken wie Intouchables mitzuhalten, ist ihnen dank der weniger löcherigen zweiten Hälfte ein ganz sympathischer Film gelungen, in dem man mit den Protagonisten lacht und nicht über sie.

Mit Vielen Dank für nichts kommt nun auch aus der Schweiz ein Film, bei dem man ohne schlechtes Gewissen beim Thema Behinderung lachen darf. Intouchables und Hasta la Vista haben es vorgemacht, indem sie sich nicht über die Behinderten lustig gemacht haben, sondern die Zuschauer dazu brachte, mit ihnen zu lachen. Auch wenn die Entscheidung der beiden Macher Stefan Hillebrand und Oliver Paulus, mit echten Behinderten zu drehen, mehr als lobenswert ist, fehlt es ihrem Skript letzten Endes etwas an Drive und auch an Frechheit.

Joel Basman, der einiges in die Rolle investiert hat, spielt Valentin. Dessen Rebellion und Angepissheit ist dank Basmans Spiel deutlich zu spüren. Warum er aber genau in die Theatergruppe kommt, wird nicht so richtig klar. Auch andere Dinge bleiben unausgesprochen und ungezeigt, beispielsweise, wie sich die Protagonisten langsam öffnen. In einer Szene schmeisst Valentin seinem Zimmerbewohner noch Kartoffelstücke an den Kopf, in der nächsten sind sie schon Freunde. Sein Umdenken kommt etwas gar plötzlich.

Lange scheint Vielen Dank für nichts an solchen Dingen zu scheitern. Doch dann starten Hillebrand und Paulus mit einem Love-interest und den Planungen für einen Überfall eine Charmeoffensive. Eine Badesequenz ist da vor allem hervorzuheben, welche es sogar fast schafft, die Magie der Poolsszene in Garden State zu rezyklieren. Auch das Beschaffen einer Waffe ist in seiner Ausführung humortechnisch gelungen und schafft es, dass wir die Underdogs voll in unser Herz schliessen. Dies nicht, weil sie behindert sind, sondern weil sie einfach sympathisch und "geili Sieche" sind. Und das ist wohl das schönste Kompliment, das man dem Film machen kann. Da verzeiht man auch den überkitschigen Schluss, bei dem alles vergessen und vergeben ist und die "Bösewichte" des Filmes sich sogar zu einer Standing Ovation hinreissen lassen.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Trailer Deutsch, 01:55