Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern (2013)

Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern (2013)

Oder: Ehepaar Chifler

"Mist! Keine Tomaten mehr."

"Mist! Keine Tomaten mehr."

Das Ehepaar Liechti ist seit über sechzig Jahren verheiratet und lebt in der Ostschweiz in einer netten Blockwohnung. Vater Liechti verbringt vom Frühling bis im Herbst sehr viel Zeit in seinem grossen Garten. Da ist er der Herr, kann alles organisieren und stundenlang herumwerkeln. Mutter Liechti erledigt derweilen den Haushalt, bügelt Vaters unzählige Hemden und sieht zu, dass jeden Tag warmes Essen auf den Tisch kommt. Es wird mit den Bewohnern aus dem Wohnblock grilliert, mit Kollegen ein Würfelspiel gemacht oder über den Sinn und Unsinn einer Wandhalterung im Badezimmer diskutiert.

Was zunächst nach perfekter Harmonie aussieht, wird immer mehr zu einem intimen Porträt zweier Menschen, die sich zwar bedingungslos lieben, aber eben doch ihre eigenen Vorstellungen von den grossen und kleinen Dingen im Leben haben. Sie öffnen sich und geben ihre Gedanken preis. Dabei sind Themen wie Kindheit, Erwachsenwerden, berufliche Entwicklung, Emanzipation, Geld und schliesslich der Glaube zentrale Themen.


Film-Rating

Der Experiment- und Dokumentarfilmer Peter Liechti (The Sound Of Insects) hat es in seinem neusten Werk auf seine Eltern abgesehen. Im Prolog erfahren wir, dass er nach einem spontanen Aufeinandertreffen mit seinem Vater auf die Idee zu diesem Film gekommen sei. Doch anstatt konzeptlos seine Eltern bei ihrer Alltäglichkeit zu zeigen, setzt Liechti erzähltechnische Mittel ein, damit man Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern in seiner Form doch noch etwas abgewinnen kann.

Seine Eltern kommen in der ersten Szene gar nicht vor: Zwei Hasen, die von professionellen Puppenspielern gesteuert werden, nehmen Platz für das Ehepaar Liechti ein. Der männliche Hase im gebügelten Hemd, Frau Häsin mit einer Küchenschürze. Warum Peter Liechti gerade Hasen als Ersatz für seine Eltern ausgewählt hat, bleibt uns ein Rätsel. Die Voice-over-Stimme für das Ehepaar spricht in akzentfreiem Deutsch und erklärt, worum es denn eigentlich geht.

Sobald wir endlich die zwei in die Jahre gekommenen Ostschweizer zu Gesicht bekommen, wird sofort klar, worauf der Dokumentarfilm abzielt: Der Film ist ein Porträt zweier verschiedener Menschen, die trotzdem seit über sechzig Jahren verheiratet sind. Darin erkennen wir die herrische Art von Vater Liechti genau so gut wie die Leidenschaft zum religiösen Glauben der Mutter. Natürlich könnte Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern nicht ohne Alltagssituationen funktionieren. Die Dialoge sind knapp - viel wichtiger sind die Voice-over-Kommentare, bei denen wir dann wieder Herr und Frau Hase sehen.

Das mag ja alles witzig sein, und auch die bestens bekannten "Chifeleien" sorgen für manchen Lacher. Dass jeder Mensch verschieden ist, individuelle Hoffnungen hat und sein eigenes Bündel aus der Vergangenheit mit sich trägt, ist offensichtlich und muss nicht thematisiert werden. Liechti schwenkt die Kamera nie weg, sondern fragt - und dies gerade, weil er eben der Sohn der beiden Protagonisten ist - ohne Fremdschämen pikant genau. Es bleibt bei einzelnen Episoden, Diskussionen über den Glauben und Vater Liechtis Gartenarbeit. Was genau der Sohn mit seinem Film ausdrücken will, bleibt zweitrangig.

Fazit: Peter Liechti dreht mit Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern ein intimes Proträt seiner Eltern. Das Resultat sorgt für etliche Lacher und zeigt die vielen kleinen Dinge, die jeder aus seinem Leben kennt. Schlussendlich fehlt dem Experiment die Pointe; etwas, bei dem wir zu unserem Verständnis nicken könnten.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.0

 

13.02.2013 / woc

Community:

Bewertung: 4.1 (6 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

1 Kommentar