Twenty Feet from Stardom (2013)

Twenty Feet from Stardom (2013)

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  2. 91 Minuten

Filmkritik: Stimmen für die Stimmung

Sing when you're winning
Sing when you're winning © Studio / Produzent

Ihre Stimmen hat vermutlich jeder schon gehört, ihre Namen hingegen kennt kaum jemand. Sie heissen Darlene Love, Merry Clayton, Judith Hill, Claudia Lennear, Lisa Fischer oder Táta Vega. Und sie sind Backgroundsängerinnen, die in unzähligen Aufnahmen und Konzerten den Songs von bekannten Musikern das "gewisse Etwas" gaben. Von Mick Jagger über Stevie Wonder bis hin zu Michael Jackson - alle haben sie auf die stimmgewaltigen Ladys zurückgegriffen.

Nicht alle von ihnen wollten sich mit der Rolle im Schatten der Stars zufriedengeben. Darlene Love beispielsweise arbeitete mit dem Hitproduzent Phil Spector zusammen. Doch dieser nutzte sie gnadenlos aus und veröffentlichte die Songs, die sie eingesungen hatte, unter dem Label einer anderen Band. Merry Clayton startete eine vielversprechende Karriere - doch nach Ansicht der Produzenten gab's neben der übermächtigen Aretha Franklin einfach keinen Platz für eine weitere afroamerikanische Soul-Sängerin. Die junge Judith Hill konnte am Abschiedskonzert von Michael Jackson mit ihrer Interpretation von "We are the World" eine Weltöffentlichkeit auf sich aufmerksam machen. Doch auch ihr Weg zur Solokarriere erweist sich als steinig.

Ihr Lachen ist ansteckend. Wenn die mittlerweile 75-jährige Darlene Love von vergangenen Zeiten erzählt, scheint es, als habe sie nur Gutes erlebt. Dabei wurde ihr von der Musikindustrie ziemlich übel mitgespielt, und sie hätte wohl allen Grund, sich zu beklagen. Auch die übrigen von Morgan Neville porträtierten Backgroundsängerinnen scheinen es insgesamt recht gelassen zu nehmen, dass sie trotz ihres riesigen Talentes nie den ganz grossen Durchbruch geschafft haben. Lisa Fisher beipielsweise: Ihre Stimme und ihre Musikalität sind tatsächlich phänomenal - doch offenbar scheint sie sich in ihrer Rolle in der zweiten Reihe ganz wohlzufühlen. Denn es geht ihr in erster Linie darum, Musik machen zu können. Dies macht sie - und wie!

Es ist imposant, bei wie vielen Evergreens der Pop- und Rockgeschichte die paar Ladys ihre Finger, pardon, ihre Stimme im Spiel gehabt haben. Da kann man sich schon die Frage stellen, wer hier der eigentliche Star ist. Dass aber Talent auf dem Weg zum Superstar nicht alles ist, sondern dazu auch ein grosses Ego, eine exhibitionistische Ader sowie eine gehörige Portion Glück gehören - das sind alles keine neuen Erkenntnisse. Twenty Feet from Stardom ruft diese lediglich nochmals in Erinnerung. Da dem Film eine klare Struktur fehlt, droht er mit fortlaufender Dauer etwas repetitiv zu werden. Auch wenn er sich wie seine Protagnoistinnen erfreulich positiv gibt, ist die Message nach ungefähr einer Stunde platziert. Der Rest ist Wiederholung. Musikalisch hochwertige Wiederholung immerhin.

Der Schlusssong, den Darlene Love am Ende mit Unterstützung ihrer drei Berufskolleginnen darbietet, ist nochmals ein grosses Highlight des Filmes. So viel geballte Stimmenpower geht unter die Haut. In solchen Momenten scheint es tatsächlich ungerecht, dass solch grossartige Musikerinnen verhältnismässig unbekannt geblieben sind. Zumindest im Falle von Judith Hill, deren Karriere im Gegensatz zu der der übrigen Protagonistinnen erst begonnen hat, darf man da noch auf eine grosse Zukunft hoffen - auch wenn man befürchtet, dass es ihr wohl ähnlich ergehen wird wie ihren älteren Kolleginnen. Bleibt zu hoffen, dass sie dereinst ebenfalls so herzhaft darüber lachen kann.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Trailer Englisch, 02:13