A Touch of Sin - Tian zhu ding (2013)

A Touch of Sin - Tian zhu ding (2013)

  1. 133 Minuten

Filmkritik: History of Violence

"Are you talkin' to me?"
"Are you talkin' to me?"

Im Norden Chinas liegt die Ortschaft Shanxi. Der Minenarbeiter Dahai lebt schon länger dort und ist bisher wegen der Aussicht auf ein besseres Leben geblieben. Denn als die Mine verkauft wurde, hat man den Arbeitern eine Gewinnbeteiligung versprochen. Zehn Jahre später haben Dahai und seine Freunde jedoch immer noch nichts von dem Geld gesehen. Dahai beschliesst mittels Waffengewalt zu handeln. Ebenfalls Schusswaffen nicht abgeneigt ist Zhou San, der im südwestlichen Chongqing unterwegs ist. Wenn er was benötigt, dann holt er es sich einfach mit Hilfe seiner Pistole.

"I'm on a highway to hell!"
"I'm on a highway to hell!"

Von Waffen noch gar nicht angetan ist die Rezeptionistin Xiao Yu, die in Zentralchina wohnt. Die junge Frau wird es aber sein, nachdem sie von der Ehefrau ihres Liebhabers verprügelt und von einem Saunakunden belästigt wurde. Nicht mit einer Waffe, sondern mit einem Arbeitswerkzeug wurde derweil der Arbeitskollege von Xiao Hui verletzt, weshalb er ab sofort die doppelte Arbeit in der Fabrik leisten muss. Er verzichtet jedoch darauf und sucht sein Glück in Dongguan, im Süden des Landes, ohne dabei wirklich fündig zu werden.

Der chinesische Regisseur Jia Zhang-Ke liebt es, seinem Geburtsland den Spiegel vorzusetzen. Thematisierte er in seinem Venedig-Gewinner Still Life, wie bei einem Wechsel zu einer westlichen Lebensweise viele auf der Strecke bleiben, zeigt er jetzt in A Touch of Sin, wie sich solche auf der Strecke Gebliebenen zu helfen wissen: mit Gewalt. Lieber zur Waffe greifen, bevor einem die Würde genommen wird und die Reichen auf einem herumtrampeln. In Episodenform berichtet er nun von vier solcher Fälle, die sich in China so zugetragen haben.

Die erste Episode ist dabei gleich die beste. Da geht ein frustrierter Arbeiter mit der Flinte auf die Entscheidungsträger los und ballert diese regungslos weg. Geradlinig erzählt, clever umgesetzt, guter Kurzfilm. Das kann leider nicht von den Dreien im Anschluss gesagt werden. Zu lange scheinen die restlichen Episoden kein Ziel zu verfolgen. Sie plätschern richtiggehend dahin, ohne dass viel passiert, bis plötzlich zur Schusswaffe, zum Messer oder zum Selbstmord gegriffen wird. Zwar sind im Nachhinein alle Schicksale verständlich, doch schleppen sie sich doch zu lange bis zum Knall hin und sind im Falle der zweiten Story etwas gar stark mit dem Holzhammer vorgetragen. Ein fieser Schuft will da eine einfache Frau mit Geld kaufen. Als sie sich weigert, wird sie gefühlte hundertmal mit einem Bündel Geld auf den Kopf geschlagen, bevor sie zur blutigen Gegenwehr ausholt. Geht es auch etwas subtiler?

Fazit: A Touch of Sin zeigt, wie Geld einen korrumpieren kann und wie die zahlreichen Unterprivilegierten darunter leiden müssen. Der Film wird jedoch das Opfer eines zu starken Beginns und kommt danach nur noch schleppend voran. So mag man in den brutalen Szenen kurz aufhorchen, doch ist dies zu wenig, um am Ende wirklich aufgerüttelt zu sein.

/ crs