Spieltrieb (2013)

Spieltrieb (2013)

  1. 102 Minuten

Filmkritik: Dieses Spiel ist nix für Kinder

Catwalk Schulzimmer
Catwalk Schulzimmer © Ascot Elite

Die 15-jährige Ada (Michelle Barthel) interessiert sich nicht für Prada, Gucci und Konsorten, sondern liest lieber russische Literatur oder führt philosophische Diskussionen mit Lehrer Höfi. Für dieses Verhalten wird sie von ihren Mitschülern geplagt und gilt überall als Aussenseiterin. Als der neue Schüler Alev (Jannik Schümann) an die Schule kommt, hat sie einen Seelenverwandten gefunden. Dies glaubt sie zumindest.

"Nicht immer küssen, ich will auch mal trinken!"
"Nicht immer küssen, ich will auch mal trinken!" © Ascot Elite

Alev und Ada hecken einen Plan aus: Sie wollen mit Sportlehrer Smutek (Maximilian Brückner) ein perfides Spiel spielen, um ihm sein wahres "Ich" vor Augen zu führen und ihn somit zu befreien. Ada soll den verheirateten Smutek verführen und ihm so seine Bedürfnisse aufzeigen. Alev filmt die Tat und kann den Lehrer somit wegen Sex mit einer Minderjährigen erpressen. Gibt es bei diesem Spiel überhaupt einen Gewinner?

Mehr als 400 Seiten stark ist Juli Zehs gleichnamniger Roman, auf dem der Film Spieltrieb basiert. Bei einer solch drastischen Kürzung des Quelltextes wurde beim Drehbuch ganz klar vieles weggelassen. Diese Löcher in der Handlung sind dann auch deutlich spürbar, doch es ist schwer vorstellbar, was diesen pseudointellektuellen, sich viel zu ernst nehmenden Film noch in eine gute Richtung hätte lenken können.

Die Newcomerin Michelle Barthel, die hier ihr Spielfilmdebut gibt, dürfte nach diesem Film definitiv eine steile Karriere vor sich haben. Ada ist keine einfache Figur. Ihre taffe Fassade zerbröckelt im Verlaufe des Filmes immer mehr, und Barthel spielt diese herausfordernde Rolle mit grossem Können. Ganz anders ihr Co-Star Jannick Schümann. Zwar funktioniert er als höllisch unsympathischer Kotzbrocken, seine Dialoge spricht er jedoch völlig unnatürlich und gekünstelt. Adas Faszination für ihn und ihre daraus resultierenden Taten sind nur schwer nachvollziehbar. Dass die Protagonisten noch im Teenager-Alter sein sollen, ist zu keiner Zeit glaubwürdig. Obwohl sich so junge Menschen ja gerne als Erwachsene ausgeben, geht die Geschichte hier deutlich zu weit.

Das Konzept, ein Spiel mit realen Menschen zu spielen, ist vielversprechend. David Finchers The Game hat ein solches Konzept spannend umgesetzt. In Gregor Schnitzlers Spieltrieb bleiben Ziel und Zweck der Manipulation letztendlich unklar, und die Handlung spult sich auch ohne grosse Überraschungen ab, spielt also zu wenig mit dem Publikum. Einem Publikum, das schlussendlich als Verlierer im Kinosessel sitzt.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Trailer Deutsch, 01:43