Like Father, Like Son - Soshite chichi ni naru (2013)

Like Father, Like Son

Like Father, Like Son - Soshite chichi ni naru (2013) Like Father, Like Son

Oder: Die Sache mit dem Apfel und dem Stamm

Piece of Cake!

Piece of Cake!

Der ehrgeizige Architekt Ryota (Masharu Fukuyama) erklimmt Stufe um Stufe auf der Karriereleiter. Zum Bild des zielstrebigen Erfolgsmenschen gehören natürlich auch eine hübsche Ehefrau, Midori (Machiko Ono), und ein gemeinsamer kleiner Sohn, Keita. Der Sechsjährige scheint allerdings nicht gerade nach seinem Vater geraten zu sein, zeichnet er sich doch zwar durch eine gutmütige Art, jedoch nicht durch übermässige Strebsamkeit aus. Obwohl er mit seinem Klavierspiel Fortschritte macht, scheint es doch noch ein langer Weg bis zum grossen Pianisten.

Handyföteli sind halt einfach nicht das Gleiche.

Handyföteli sind halt einfach nicht das Gleiche.

Ein Telefonanruf aus dem Spital, in dem Keita geboren wurde, stellt das Leben der jungen Familie auf den Kopf. Die beiden Eltern werden nämlich informiert, dass der Junge nicht ihr leiblicher Sohn ist, sondern damals kurz nach der Geburt mit einem anderen Kind vertauscht wurde. Keitas leibliche Eltern sind der Ladenbesitzer Yudai (Lily Franky) und dessen Frau Yukari (Yoko Maki), welche wiederum den leiblichen Sohn von Ryota und Midori als ihren eigenen Sohn aufgezogen haben. Die beiden Ehepaare stehen nun vor einer schwierigen Entscheidung: Wer behält welches Kind?


Film-Rating

Es ist keine einfache Entscheidung, der sich die vier Protagonisten in dem Film von Hirokazu Koreeda stellen müssen. Zumal sich die beiden Ehepaare und deren Kinder beinahe schon in klischeehafter Art voneinander unterscheiden: auf der einen Seite die wohlhabende, aber sterile Musterfamilie des Karrieristen in der schicken Wohnung, auf der anderen Seite die einfache, aber lebendige Chaos-Familie in der heruntergekommenen Bleibe. Dies widerspiegeln auch die unterschiedlichen Nintendo-Generationen, mit denen sich die beiden Jungen vergnügen: Im reichen Haushalt wird Wii gespielt, im weniger reichen Haushalt das gute alte Donkey-Kong-Klappspiel, das bei Game-Nostalgikern wohlige Erinnerungen wecken dürfte.

Der Plot - so einfach wie wirkungsvoll - ist eine Stärke von Like Father, Like Son; ebenso die Balance, die Hirokazu zwischen Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit gefunden hat. So greift er sensibel das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern auf und kritisiert gleichzeitig auf sanfte Art und Weise die in Japan vermutlich besonders ausgeprägte, allzu einseitig erfolgsorientierte Gesellschaft. Trotzdem bringen komische Elemente die Zuschauer immer wieder zum Schmunzeln. Zusammen mit dem dezenten Soundtrack - unter anderem mit Klavierwerken von Johann Sebastian Bach - entsteht so ein angenehmer Filmfluss, dem man gerne folgt.

Allerdings finden sich in den immerhin zwei Filmstunden auch einige Längen. Ein Nebenplot, der die Umstände des Baby-Tauschs vor sechs Jahren ausleuchtet, lenkt zu stark vom Hauptplot ab, der für sich allein stark genug ist. Zudem zögert sich das Ende etwas lange hinaus und mündet in einen Schluss, der zwar - passend zur Leichtigkeit des Films - versöhnlich, aber auch ein wenig absehbar ist.

Doch auch wenn er gegen Ende ein wenig absinkt, bleibt Like Father, Like Son ein sympathischer Film. Er bietet mit den beiden Jungen in dosierter Menge Jöö-Effekte, ohne dass er es aber nötig hat, diese zu penetrant auszuspielen. Denn daneben enthält er genügend Tiefsinn und gleichzeitig einen feinen Humor. Ein Film, der auf leisen Sohlen daherkommt und gerade deswegen sehenswert ist.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

18.05.2013 / ebe

Community:

Bewertung: 4.2 (5 Bewertungen)

 

 

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