Sitting Next to Zoe (2013)

Sitting Next to Zoe (2013)

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  2. 90 Minuten

Filmkritik: Das Wandern ist der Teenies Lust

"Kissenschlacht?"
"Kissenschlacht?" © Vinca Film

Die 15-jährige Zoe (Runa Greiner) und ihre beste Freundin Asal (Lea Bloch) stehen vor dem Abschluss der obligatorischen Schule. Während die türkischstämmige Asal die Gymi-Prüfung bestanden hat und damit ihren Vater mächtig stolz macht, sehen die Perspektiven für die schrille Zoe weniger rosig aus. Durch die Prüfung ist sie durchgefallen, und eine Lehrstelle ist auch keine in Sicht. Sie verachtet ihre Mutter (Bettina Stucky), die als Supermarktkassierin so gar nicht das Leben lebt, das ihr vorschwebt. Stattdessen träumt sie von einer Karriere als Fashion-Queen und möchte nach Paris auswandern.

Transformers, kännsch?
Transformers, kännsch? © Vinca Film

Es zeichnet sich ab, dass sich die Wege der Freundinnen trennen werden. Doch zuerst verbringen die beiden noch einmal einen letzten Sommer zusammen. Die schüchterne Asal hat dabei ein grosses Ziel: Sie möchte endlich ihre Jungfräulichkeit verlieren! Die beiden lernen auch schon bald den ersten Kandidaten dafür kennen: den hübschen schwedischen Tramper Kai (Charlie Gustafsson). Dieser scheint zwar zunächst kein grosses Interesse zu bekunden. Doch schliesslich gelingt es Asal, ihn für einen gemeinsamen Wandertrip zu dritt zu begeistern. Es dauert nicht lange, da kommen sich die beiden auch schon näher. Dumm nur, dass auch Zoe insgeheim ein Auge auf den knackigen Schweden geworfen hat...

Leider bleibt Ivana Lalovics Regiedebut an der Oberfläche der handelsüblichen Coming-of-Age-Standardgeschichte kleben und schafft es nicht, seine Protagonistinnen zu lebensechten Figuren zu entwickeln. Zu klischeehaft die Charaktere, zu abgeschmackt das Drehbuch. Trotz seiner eigentlich sympathischen Hauptdarstellerinnen bleibt so Sitting next to Zoe in den vielversprechenden Ansätzen stecken.

Man kennt die Szene aus vielen Coming-of-Age-Filmen: Die jugendliche Protagonistin oder der jugendliche Protagonist balanciert auf einem Brückengeländer oder fährt freihändig Velo. Damit soll dann wohl das träumerisch-übermütige "Die Welt steht uns offen"-Gefühl illustriert werden, das Jugendliche erfasst, wenn sie ihre Schule fertig und das Leben vor sich haben. Sitting next to Zoe hakt gleich beides ab: Balancieren: Check. Velofahren: Check. Zoe ist jung, wild, übermütig und möchte nach Paris gehen. Asal hingegen gerät durch das Beobachten eines knutschenden Pärchens derart in Wallung, dass sie gleich beschliesst, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Unnötig zu erwähnen, dass sie beide Aussenseiterinnen sind, die von ihren Kolleginnen fies ausgegrenzt werden.

Leider wird die Geschichte mit fortlaufender Filmdauer nicht weniger klischeehaft. Natürlich müssen sich die beiden Mädchen in den gleichen Mann vergucken - offenbar ist der Schwede der einzige gutaussehende Junge in der ganzen Stadt. Was sagt das über die Schweizer Männer? Und natürlich wird die Freundschaft der beiden Mädchen damit gehörig auf die Probe gestellt und droht daran zu zerbrechen. So weit, so gewohnt ist der Lauf der Geschichte.

Um die Aspekte auszumachen, die den Film besonders machen, muss man schon etwas genauer hinschauen. Immerhin ist Zoe ein durchaus interessanter Charakter, der nur schon äusserlich nicht dem Standard-Teenagefilm-Personal entspricht. Die dickliche junge Frau, die hinter ihrer schrillen Maskerade ihre Sensibilität versteckt, wird von Runa Greiner ansprechend verkörpert. Und auch Lea Bloch als Asal gibt glaubwürdig die schüchterne Seconda, die zwischen zwei Kulturen hin- und herswitchen muss. Die aus Bosnien stammende Schweizer Regisseurin Ivana Lalovic, die mit Sitting next to Zoe ihren ersten Langspielfilm präsentiert, kann hier wohl auch aus ihrer eigenen Erfahrung schöpfen.

Doch leider werden die positiven Aspekte von einem schludrigen Drehbuch überfahren, das es sich zeitweise sehr einfach macht. Anstatt die Geschichte zu vertiefen, greift der Film vor allem in der zweiten Hälfte vermehrt auf das Stilmittel der musikuntermalten Szenencollage zurück. Dies hat zwar den Vorteil, dass so die ohnehin schwachen Dialoge reduziert werden, andererseits dünnt dies die Handlung so sehr aus, dass der Film am Ende nicht mehr ist als eine von einigen wenigen Dialogen durchsetzte Musikrevue. Empathie kann da kaum aufkommen - auch nicht, als gegen Ende versucht wird, durch sich dramatisch überstürzende Ereignisse doch noch etwas Emotionen in den Film zu pumpen.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Trailer Originalversion, mit deutschen Untertitel, 02:00