The Secret Life of Walter Mitty (2013)

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

The Secret Life of Walter Mitty (2013) Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Oder: "I want to break free"

Wink mal!

Wink mal!

Walter Mitty (Ben Stiller) arbeitet schon seit 16 Jahren als Betreuer der Negative im Foto-Archiv des renommierten Magazins "LIFE". Sein Leben ist so ereignislos, dass er beim Online-Dating-Dienst seines Vertrauens nicht alle Funktionen nutzen darf, weil er viel zu wenig Rubriken seines Profils mit persönlichen Daten befüllen kann. Dies verhindert, dass er seine nette Arbeitskollegin Cheryl (Kristen Wiig), auf die er steht, per Internet anzwinkern könnte. Walter driftet stattdessen in Gedanken in fantastische Abenteuer ab: Mit ihm als Hauptakteur, der Hündchen aus explodierenden Häusern rettet oder als Latino-Bergführer Achttausender besteigt. Immer schmachtend mit dabei: sein heimlicher Schwarm Cheryl - zumindest virtuell.

Ich bin dann mal weg!

Ich bin dann mal weg!

Doch dann soll "LIFE" als Magazin eingestellt und in eine reine Online-Marke überführt werden. Der bärtige Transition Executive Ted (Adam Scott) lässt das Heft ein allerletztes Mal in Papierform erscheinen, bevor ein Grossteil des Personals entlassen wird. Als abschliessendes Titelblatt wird das 25. Negativbild einer Filmrolle vom Abenteuer-Fotograf Sean O'Connell (Sean Penn) bestimmt. Das Dumme ist nur: Genau dieses Negativ fehlt Walter, und der Weltenbummler Sean ist notorisch schwierig zu erreichen. Ausgestattet mit den Hinweisen auf den Fotos vor und nach Bild 25 begibt sich Walter auf die Suche nach O'Connell. Seine Reise bringt ihn nach Grönland, Island und Afghanistan. Und spätestens nach solch einem Trip sollte doch auch so ein Online-Dating-Profil spannend gestaltet werden können.


Film-Rating

Wenn Clowns mal etwas ernster machen, ist dies oft interessant. Ein bekanntes Beispiel hierzu ist Knautschgesicht Jim Carrey, der in Peter Weirs Mediensatire The Truman Show einen Mann spielte, dessen ganzes Leben man live im Fernsehen verfolgen konnte - ohne dass der Hauptdarsteller davon wusste. Auch Ben Stiller versuchte über die Jahre immer mal wieder von den Kalauerfilmen wegzukommen, wobei man bei ihm jeweils etwas länger überlegen muss, um auf Beispiele zu kommen. Noah Baumbachs Greenberg wäre nach reiflicher Überlegung so eines. Die Überlegungszeit dürfte nach dem Release von The Secret Life of Walter Mitty jedoch massiv verkürzt werden. Seine Verfilmung der Kurzgeschichte von James Thurber, welche übrigens 1947 mit Danny Kaye schon mal auf die Leinwand kam, ist einfach herzallerliebst. Zudem bietet sie mit dem Titelhelden, welchen Stiller gleich selbst spielt, eine Figur, die einfach zum Knuddeln ist.

Die vielen Tagträume, wie man sie auch unter anderem aus der TV-Serie Scrubs kennt, sind zu Beginn jedoch etwas verwirrend und in einer Szene, einer Parodie auf Benjamin Button, sogar verstörend. Doch geht der gute Walter mal auf "echte" Reisen, werden auch diese Träume zurückgefahren, und Stiller zeigt die Geschichte eines sympathischen Aussenseiters, der sich endlich freikämpft vom immer gleichen grauen Alltag mit all den kleinen Demütigungen und Tiefschlägen. Wenn diese Figur, welche von Stiller liebenswürdig und fast schon kindlich naiv gespielt wird, ausbricht und sich auf ein Abenteuer begeht, fährt der Film mit ein paar der schönsten Landschaftsaufnahmen der letzten Zeit auf. Die Bilder von Kameramann Stuart Dryburgh (oscarnominiert für The Piano) von Grönland, Island und vom Himalaya sind bestes Material für die grosse Leinwand und lösen auch beim Zuschauer grosses Fernweh aus.

Obwohl der Film im Vorfeld auch dank des wirklich tollen Trailers etwas Oscarbuzz erhielt, verstummte dieser kurz nach der Weltpremiere am New Yorker Filmfestival. Dafür gibt es natürlich Gründe. Zum einen sind einige Szenen wirklich sehr kitschig und zu pathetisch geraten, und so droht der Film zwischendurch lediglich zu einem schönen Bilderbogen zu werden. Doch die letzte Szene zeigt dann mit einer Enthüllung sehr schön, dass der Streifen sein Herz am richtigen Fleck hat. Infolgedessen wird man so fröhlich wie schon lange nicht mehr aus dem Kinosessel entlassen. So dürfte Mitty dann auch eher zum Crowd-Pleaser werden als zum grossen Filmpreisabräumer.

Fazit: The Secret Life of Walter Mitty ist ein fantasievoller und herzerwärmender Film, der jedoch aufgrund ein paar zu manipulativen Szenen daran scheitert, eine Langzeitwirkung zu entfalten. Doch für die zwei Stunden ist man gerne dabei im geheimen und nicht so geheimen Leben des Walter Mitty.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

18.12.2013 / crs

Community:

Bewertung: 4.5 (78 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

9 Kommentare