Schlussmacher (2013)

Schlussmacher (2013)

  1. 110 Minuten

Filmkritik: Ich bin doch nicht cholerisch!

Kuscheln?
Kuscheln? © 2012 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Paul (Matthias Schweighöfer) hat einen Job der besonderen Art: Er ist ein professioneller Schlussmacher bei der Berliner Trennungsagentur "Happy End" und dabei sehr erfolgreich. Nur noch 11 Trennungen muss er hinter sich bringen, dann wird er Teilhaber der Firma. Auch sonst läuft in Pauls Leben alles glatt. Seine Abende verbringt er im Bett der schönen Natalie (Catherine De Léan), die Nächte in seinem schicken Loft. An die Liebe mag er nicht recht glauben, schliesslich kriegt er jeden Tag das hässliche Ende der Geschichte zu sehen.

Trennung Express
Trennung Express © 2012 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Pauls nächster Auftrag entwickelt sich jedoch bald zum Desaster, denn den frisch von seiner Freundin Kati (Nadja Uhl) getrennten, anhänglichen Toto (Milan Peschel) wird er nicht so einfach wieder los. Viel eher stellt er Pauls Leben auf den Kopf und bringt seine Mission in Gefahr. Nachdem Paul durch Toto den Fahrausweis verliert, ist er auf einen Fahrer angewiesen. Mangels bereitwilliger Freunde ist er gezwungen, schlussendlich Totos Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Geschäftsreise quer durch Deutschland verläuft ereignisreicher als geplant...

Nach seinem Regiedebüt 2011 mit What a Man tritt Matthias Schweighöfer nun zum zweiten Mal als Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller auf. Nachdem What a Man in Deutschland über zwölf Millionen Euro eingespielt hat, legte er umgehend nach. Dass er in die Fussstapfen Til Schweigers treten will, ist nach wie vor offensichtlich, da macht er keinen Hehl daraus.

Das deutlich höhere Budget sieht man dem Film an, die Schauplätze sind zahlreicher geworden, die Aufnahmen ansprechend. Leider hat Schlussmacher jedoch zwei entscheidende Mängel: Er ist von der ersten Sekunde an dermassen durchschaubar, dass man als Zuschauer den Verlauf der Geschichte schon ahnt, kaum dass einer der Darsteller den Mund aufmacht. Ausserdem ist er mit 110 Minuten eine knappe halbe Stunde zu lang geraten. Bei den klischeehaften Trennungsepisoden hätte man dem Publikum einige Minuten quälenden Fremdschämens ersparen können.

Das Schauspiel der Hauptdarsteller ist ein weiterer grosser Haken des Films. Schweighöfer bleibt zwar insgesamt sympathisch, verfällt jedoch regelmässig dem Overacting. Auch Milan Peschel betont die naive Seite seines Charakters schon fast bis ins Schmerzhafte. Schade, denn das Mitwirken von Peschel (Halt auf freier Strecke) hätte doch ein wenig mehr Feinsinnigkeit erhoffen lassen.

Von den Nebenfiguren funktioniert vor allem einer gut: Heiner Lauterbach ist mit Leib und Seele der machthungrige Firmenchef. Nadja Uhls Auftritt ist kaum erwähnenswert. Für das Comedy-Duo Badesalz wurde eine sketchartige Szene geschrieben, die im Kontext witzig rüberkommt. Man muss Schweighöfer zugutehalten, dass er immerhin seiner Linie treu bleibt und nicht zum Schluss mit Pseudo-Tiefgang noch auf die Tränendrüse drückt. Er will unterhalten, und in gewissem Sinne tut er das auch.

Fazit: Schlussmacher hat trotz vielversprechendem Anfang nicht den Dialogwitz eines Schweiger-Films. Der plumpe Humor nervt mit der Zeit genauso wie das mordsmässig aufdringliche Product Placement und nimmt dem Film viel von seiner Glaubwürdigkeit. Schweighöfer-Fans werden trotzdem ihren Spass haben.

/ mim

Kommentare Total: 2

unicron

keine Ahnung ich fand den nicht mal so schlecht, lag wohl an meinen nicht vorhandenen Erwartungen... :)

Vorhersehbar auf jeden Fall, aber doch irgendwie sehr witzig und schön gegen Ende.

mim

Filmkritik: Ich bin doch nicht cholerisch!

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