Les rencontres d'après minuit (2013)

Les rencontres d'après minuit (2013)

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  2. 98 Minuten

Filmkritik: Theaterverein geht swingen

Der Prinzessin
Der Prinzessin © Studio / Produzent

Das Liebespaar Ali (Kate Moran) und Matthias (Niels Schneider) und ihr transvestitischer Hausangestellte Udo (Nicolas Maury) haben für die nächtlichen Stunden Gäste in ihre Villa eingeladen. Die hübsche Blondine und ihr verletzlich und scheu wirkender Liebhaber sehnen sich nach Zärtlichkeit, und die Warterei auf den ersten Gast lässt Udo vor lauter sexuellem Verlangen ungeduldig werden.

Kei Piratewitz meh! Verstande?
Kei Piratewitz meh! Verstande? © Studio / Produzent

Die erste Besucherin, die Schlampe (Julie Brémond), ist eine vom Leben gezeichnete junge Frau, die sich von der Orgie einiges an Sex erhofft. Der Hengst (Eric Cantona), gesegnet mit einem Mordsteil in der Hose und der Teenager (Alain-Fabien Delon), der durch Sex-Appeal und jugendliche Frische glänzt, treffen als nächste ein. Als dann endlich auch der letzte Gast, der Star (Fabienne Babe), mit eigenartigen Bedingungen zum Orgienkreis stösst, beginnt für das Ensemble nicht nur ein erotisches Beisammensein, sondern auch ein tiefgründig und surrealer Einblick in ihre Vergangenheit.

Die französische Electronic-Rock Band M83 feierte nicht nur in der Musikszene mit ihrem letzten Album 'Hurry Up, We're Dreaming' grosse Erfolge, sondern konnte sich auch als Soundtracklieferant für diverse Filmprojekte auszeichnen. Ihre Hits wurden in unzähligen Serien und unter anderem auch im bildgewaltigen Snowboardfilm The Art Of Flight von Curt Morgan zum Besten gegeben. Spätestens mit dem epischen und fantastischen Soundtrack zu Oblivion spielten sich die Franzosen in die Gehörgänge der Kinobesucher und werden mit Bestimmtheit noch viel von sich hören lassen. Mit Les rencontres d'apres minuit versucht sich nun Yann Gonzalez, seinerseits Bandmember und Bruder des M83-Gründers Anthony, als Regisseur und greift dabei tief in die Arthouseschublade.

Bereits die ersten Minuten des erotischen Kammerspiels lassen auf schwere Kost schliessen. Die theatralisch überspitzte Darstellung der Protagonisten, surreale und doch sehr einfach gehaltene Schauplätze verschmelzen zu einem kaum greifbaren, eher klanglosen Ganzen, das nur dank der traumhaften Musik etwas Schwermut dazugewinnt. Drehbuchautor und Regisseur Gonzalez zeigt seine Stärken vor allem in technischer Hinsicht. Mit grosser Ideenvielfalt inszenierte er die Lebensgeschichten der verschiedenen Figuren und schafft es so, den oberflächlichen und zum Teil sehr lächerlichen Dialogen und Storys wenigstens ein wundersames lynchsches Gewand umzulegen.

Abgesehen vom audiovisuellen Geniestreich bleibt aber nicht viel hängen. Les rencontres d'après minuit ist zwar bemüht, mit nackter Haut Aufsehen zu erregen, wirkt dabei aber genauso schlaff, wie - ja, ihr wisst schon. Die Schauspieler verkaufen sich grundsätzlich ganz gut, und doch wirkt jede Darbietung gestellt und für die Kinoleinwand unglücklich chaotisch. Was auf der Theaterbühne mit passendem Orchester ein Hit hätte werden können, ertrinkt als Spielfilm in einer passiven, ja teilweise gar radikalen Langatmigkeit, die durch die Kameraarbeit verstärkt wird, aber durch das planlose Acting der Darsteller nicht als konsequentes Stilmittel angesehen werden kann.

Fazit: Les rencontres d'après minuit wird, wenn überhaupt, nur in der Arthouse-Szene seine Freunde finden. Das künstlerische Erotikdrama von Yann Gonzalez bietet zwar dank schwelgerischem M83-Soundtrack einen Ohrenschmaus und kann mit vereinzelt geistreichen und abgefahrenen Ideen punkten, ist aber insgesamt für einen Spielfilm zu undefinierbar und langweilig.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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