Puppylove (2013)

Puppylove (2013)

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  2. 85 Minuten

Filmkritik: ...und wir spielen Bonnie & Clyde

Ooohhh, Justin Bieber....
Ooohhh, Justin Bieber.... © Studio / Produzent

Die eher scheue und in sich gekehrte Diana (Solène Rigot) kümmert sich zwar rührend um ihren kleinen Bruder und hat auch eine enge Beziehung zu ihrem Vater Christian (Vincent Perez) - doch zu ihren Schulkameraden findet sie nicht wirklich Zugang. Eigenbrötlerisch arbeitet sie sich durch den Alltag aus Schule und Aufgaben und will am liebsten ihre Kindheit hinter sich lassen. Alleine fehlt ihr jedoch den Mut, und so kann sie auch nicht aus den bekannten Mustern ausbrechen.

Erst als die charismatische und freizügige Engländerin Julia (Audrey Bastien) ins Quartier zieht und sich zwischen den Mädchen rasch eine Freundschaft entwickelt, sieht Diana die Zeit gekommen, aus ihrer wohlbehüteten Welt auszubrechen. Mitgerissen von Julia, begibt sich Diana in den Strudel aus Partys, Alkohol, Sex und anderen Abenteuern, was sie ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen auslebt...

Die Teenagerzeit ist nicht nur die Phase, in der die Eltern peinlich und schwierig werden, es ist auch die Phase, in der man sich die Hörner abstösst, Dinge ausprobiert und Grenzen auslotet. Doch wie weit soll, darf man gehen, wo hört Verstand auf und wo beginnt der Leichtsinn? Dies lotet der neue Film von Delphine Lehericey aus und lässt die deutlich jüngere Diana im zerstörerischen Fahrwasser von Julia mittreiben.

Puppy Love portätiert das Teenagersein an sich ganz gut. Impulsiv, chaotisch, unverblümt und ohne erkennbares Ziel beginnt die Geschichte mitten im Leben der jungen Diana und spinnt ab da den Faden weiter. Dabei erkundet Regisseurin Delphine Lehericey zuerst Dianas eher biederes "Grosse Schwester"-Dasein, wo sie in erster Linie für ihren kleinen Bruder da ist. Doch je präsenter Julia in ihrem Leben wird, umso chaotischer und unbedachter wird ihr Alltag. Dies beginnt natürlich zuerst unschuldig, harmlos und beinahe spielerisch - doch dann wird es immer zerstörerischer, wobei dies Diana an dem Punkt kaum noch auffällt.

Der Film lebt primär von der grossartigen Solène Rigot, die das kopflastige und isolierte Mädchen enorm gut verkörpert und auch dessen dramatische Entwicklung gut einfangen kann. Ihr Gegenstück ist die aufreizende Verführerin Audrey Bastien. Sie porträtiert den abgebrühten Wildfang Julia auch sehr glaubhaft, doch im Gegensatz zur unberührten Diana weiss diese genau, was sie tut und wann der Spass aufhört. Leider bleibt ihre Seite enorm blass. Vieles wird einfach als gegeben hingenommen und kaum näher vertieft. Deshalb ist die Storyline häufig nur eine unmotivierte Aneinanderreihung von Partys, Sex- und Saufszenen, welche ziellos dahindümpeln dann plötzlich zu einem Ende kommen. An sich ist das schade, denn zu provozieren ist eine Sache, wirklich die Charaktere zu vertiefen eine ganz andere. Genau dies hätte dem Film gut getan, denn so wirkt er einfach plump und halbgar.

Fazit: Puppy Love ist eine sehr unverblümte und impulsive Coming-af-Age-Geschichte, die von den Mädchen zwar sehr gut gespielt wird, aber nur bedingt unterhaltsam dahindümpelt, viel nackte Haut zeigt und damit wohl auch provozieren will. Leider wirkt der Film auch ziellos und unmotiviert. Ausser dass die heile Welt eines ansonsten sehr zurückhaltenden Mädchens zerstört wird, wird nicht viel erreicht. Hier hätte eine etwas besser ausbalancierte Storyline gut getan. So wirkt sie einfach eher wie ein Mittel zum Zweck.

/ db