A Promise (2013)

A Promise (2013)

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Filmkritik: Furchtbare Liebe

Hähä
Hähä © Studio / Produzent

Deutschland, 1912: Friedrich (Richard Madden) ist ein aus bescheidenen Verhältnissen stammender Collegeabsolvent, der durch seine ehrliche Arbeit im Stahlwerk zum persönlichen Sekretär seines Chefs Karl Hoffmeister (Alan Rickman) aufsteigt. Er zieht aus seiner erbärmlichen Behausung aus, verlässt seine Freundin (Shannon Tarbet) und lebt fortan im traumhaften Anwesen der Hoffmeisters. Während seiner Arbeit lernt er die junge, attraktive Ehefrau Lotte (Rebecca Hall) und deren Sohn kennen, mit denen er des Öfteren Zeit verbringt. Friedrich und Lotte verlieben sich ineinander, und obwohl keiner von beiden Anstalten macht, ihre Gefühle auszusprechen, sprechen ihre Blicke Bände.

Was hast du hier wieder für einen Seich geschrieben?
Was hast du hier wieder für einen Seich geschrieben? © Studio / Produzent

Dies fällt auch dem schwerkranken Ehemann Karl auf. Als Friedrich mit einer Geschäftsidee zu seinem Boss kommt, das Arbeiten mit mexikanischen Unternehmen beinhaltet, scheint das Firmenoberhaupt nicht interessiert. Als der stickige Liebesduft der beiden frisch Verliebten nicht nachlässt, überdenkt Frank seine Meinung und beauftragt Friedrich, das Geschäft in Mexiko in Fahrt zu bringen. Zwei Jahre muss sich der junge Deutsche von seiner Lotte verabschieden, doch die beiden versprechen sich, aufeinander zu warten.

Der 65-jährige französische Regieveteran Patrice Leconte hat sich hauptsächlich in den späten Achtzigern und Anfang der Neunziger einen Namen mit diversen Arthouseprojekten machen können. Mit The Suicide Shop versuchte er sich erst kürzlich an einem Animationsfilm, und nun präsentiert er die mit Rebecca Hall (Vicky Cristina Barcelona), Alan Rickman (Harry Potter and the Sorcerer's Stone) und Richard Madden (Game of Thrones) wohl geformte Dreiecksromanze Une Promesse, die kurz vor dem ersten Weltkrieg in Deutschland spielt und die Zuschauer mit einer übersentimentalen und altbekannten Geschichte konfrontiert und mehr als enttäuschend zurücklässt.

Der aus Stefan Zweigs Novelle "Widerstand der Wirklichkeit" adaptierte Liebeserguss hat ausser einem zwar gelangweilten, aber anständig aufspielenden und zum Teil witzigen Alan Rickman, der aber nur wenig Screentime erhält, absolut gar nichts Positives zu bieten. Die beiden Rosabrillenträger Richard Madden und Rebecca Hall tragen dabei eine Mitschuld. Madden, der den ganzen Film hinweg ein und denselben melancholischen Gesichtsausdruck zum Besten gibt, fällt ansonsten mit seiner unnatürlichen Steifheit auf. Hall, der man für ihre furchtbar künstliche und hysterische Performance die goldene Himbeere nachwerfen sollte, ist der grosse Nervfaktor des Films. Ihre Figur ist dermassen zwiegespalten, dass man sie zu keiner Zeit ernst nehmen kann und sich über jede Entscheidung der Dame nur grün und blau ärgern kann.

Natürlich liegt dies nicht nur an der schwachen Leistung Halls, sondern auch am Drehbuch, dass weder irgendwas Originelles bereithält, noch wirklich packend oder pointiert ist. Dafür strich Leconte eine dicke Portion Schmalz über die sonst schon sehr trübsinnige Inszenierung, was in einer Szene, in der Friedrich am von Lotte gespielten Piano herumschnuppert, seinen zartfühlenden Höhepunkt erreicht. Weshalb sich Leconte dafür entschieden hat, seinen ersten englischsprachigen Film über eine deutsche Liebe zu drehen, ist ein Rätsel und wirkt gewöhnungsbedürftig und unprofessionell. Ebenso unglücklich ist die Struktur der Romanze, denn der eigentlich KO-Schlag des frisch verliebten Pärchens tritt erst 25 Minuten vor Schluss ein, zu einem Zeitpunkt, wo die Geschichte um das titelgebende Versprechen eigentlich erst beginnt.

Fazit: Patrice Lecontes Une Promesse hält nicht was er verspricht. Die verlotterte Dreiecksromanze ist nicht nur ausgelutscht, sondern in diesem Fall auch miserabel gespielt und einschläfernd in Szene gesetzt. Auch wenn man sich mit Alan Rickman einen Weltstar schnappen konnte und die Buchvorlage mit Sicherheit etwas hergeben würde, ist dieser Schmalzbraten ein einziger Liebestöter.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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