Pain & Gain (2013)

Pain & Gain (2013)

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  2. 129 Minuten

Filmkritik: Forrest Pump

Der links ist wohl uncool.
Der links ist wohl uncool.

Danny Lugo (Mark Wahlberg) glaubte früher, dass man in Amerika alles erreichen könne, wenn man nur genug hart dafür arbeiten würde. Doch nach mehreren Jahren als Fitnesscoach sieht er die triste Realität. Seine Kunden stehen finanziell besser da als er, und das stinkt ihm gewaltig. Vor allem der Sandwich-Laden-Besitzer Victor Kershaw (Tony Shalhoub) geht ihm schwer auf den Senkel, was ihn auf einen verrückten Plan bringt: Zusammen mit zwei Freunden, dem ehemaligen kokainsüchtigen Sträfling Paul Boyle (Dwayne Johnson) und dem steroidennehmenden Adrian Doorbal (Anthony Mackie), will Danny Kershaw entführen und mittels Unterschriften an dessen ganzes Hab und Gut kommen.

"Scrubs" 15 Jahre später
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Nach einigen Problemen in den Vorbereitungen gelingt ihnen die Entführung, und nach mehreren Wochen scheinen sie am Ziel zu sein. Nur dumm, dass sie nicht damit gerechnet haben, dass Kershaw ihre Liquidierungsversuche überlebt und nun zurück will, was ihm gehört. Da ihm die Polizei keinen Glauben schenkt, schickt er den drei nicht gerade hellen Kraftpaketen den Privatdetektiv Ed DuBois (Ed Harris) auf den Hals.

Michael Bay ist über die Jahre zum ultimativen Aushängeschild für die Actionabbruchmaschinerie Hollywoods geworden. Vor allem seine Transformers-Filme waren hierzu Paradebeispiele, welche die Fans frohlocken liessen, während Kritiker diese in der Luft zerrissen. Am Ende zählt aber immer noch das Einspielergebnis, und das liegt bei den drei Filmen bei über 2.6 Milliarden Dollar. Selbstverständlich, dass Bay auch für den vierten Teil zurückkehren wird. Doch zuerst wollte er die Spielzeuge in der Truhe lassen und mal wieder einen Männerfilm inszenieren. Sein Pain and Gain ist jedoch weniger wie seine Frühwerke Bad Boys oder The Rock, sondern eher das, was man einen Oscarfilm à la Bay nennen kann. Dies weil hier eine jener wahren unglaublichen Geschichten erzählt wird, an denen die Academy immer so ihre Freude hat.

Zugegeben: die alleinige Erwähnung der Wörter "Oscar" und "Bay" im selben Satz ist schon mehr als abwegig und dass der Film keine Chance bei den Preisen haben wird, versteht sich von selbst. Dazu ist der Film trotz der etwas zurückgeschraubten Action immer noch zu sehr Bay. Auch hier gibt es Zeitlupen, viele halbnackte Mädels, Flugmaschinen, welche majestätisch durchs Bild fliegen, und für den bekannten doofen Humor ist sogar auch noch Platz. Der Kalifornier versteht es aber, wie er eine Handlung zügig vorwärts treibt, und das ist auch die grösste Stärke des Films. Auch wenn mit 129 Minuten seine Überlänge nur schwer abzustreiten ist, unterhält er doch grösstenteils sehr gut.

Dies hat vor allem mit den Hauptfiguren zu tun, welche sich unterdrückt fühlen, und weil sich der Zuschauer meist automatisch auf die Seite der Underdogs schlägt. Da können sich Mark Wahlberg und Dwayne Johnson noch so idiotisch und bescheuert benehmen (und übermässig oft mit offenem Mund in der Gegend rumstehen), sie bleiben auf eine seltsame Art sympathisch. Es tut einfach gut, wenn die kleinen Leute sich mal bei dem von Tony Shalhoub übertrieben fies darstellten Bonzen illegal bedienen.

Etwas unnötig sind hingegen die übermässig eingesetzten Voice-overs - selbst das Opfer und einige unnötige Nebenfiguren dürfen ihre Gedankengänge dem Publikum mitteilen. Vielleicht ein Indiz, als wollte Bay doch mehr aus dem Stoff rauskitzeln. Gewiss klappen auch einige satirische Seitenhiebe, doch das Ganze ist auf der anderen Seite dermassen hohl, dass ein etwas unausgeglichener Film entsteht, der keine der beiden Lager (Kritiker und Actionfans) vollends zufriedenstellen wird. Pain and Gain ist somit mehr ein gut inszenierter Kompromiss.

Fazit: Pain and Gain erzählt ein wahres und unglaublich scheinendes Drama. Diese kleine Geschichte wird aber mit dermassen viel Bay-Bombast ausgeschmückt, dass ein etwas schizophrenes Werk entsteht. Zum einen gefällt es mit seiner Aufmachung, seinen Darstellern und dem schwarzen Humor, zum anderen hätte die Geschichte aber deutlich mehr hergegeben. Auf jeden Fall wissen wir jetzt, wie Fargo made by Michael Bay ausgesehen hätte.

/ crs

Kommentare Total: 16

db

Naja, selbst wenn es based on true Events ist, mir war die Geschichte zu langfädig, zu blöd und selbst mit etwas schwarzen Humor reicht es bei weitem Nicht um mich irgendwie zu packen.

El Chupanebrey

Faszinierend ist der Film allemal. Ich habe mich hier an einer Kritik/Analyse versucht.

marc_zh

Fand die Protagonisten zwischendurch ebenfalls zu albern - doch im Hinblick auf den Wahrheitsgehalt dieser unvorstellbaren Geschichte - hat mich das nicht zu sehr gestört. Der Film hat mich trotz seinen Schwächen fasziniert, weil man sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass die Jungs ihr Ding so lange durchziehen konnten. ;-)

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