Out of the Furnace (2013)

Out of the Furnace (2013)

Auge um Auge
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  3. 116 Minuten

Filmkritik: Die Hoffnungslosigkeit überwiegt

Russell Baze (Christian Bale) ist ein verantwortungsbewusster Mann, der sich sein Geld im Stahlwerk verdient. Durch einen tragischen Fehler landete Russell einst im Gefängnis und hat aus dieser Zeit viel gelernt. Für seinen jüngeren Bruder Rodney (Casey Affleck) ist er wie ein Schutzengel und Vater zugleich. Rodney diente als Soldat im Irakkrieg, aus dem er mit seelischen Narben gezeichnet zurückgekehrt ist. Er findet keinen Platz im Leben und hat keine Lust, wie sein Bruder für wenig Lohn zu schuften.

Stattdessen versucht er, bei illegalen Strassenkämpfen an Geld zu kommen und damit Schulden abzuzahlen. Dabei macht er die unangenehme Bekanntschaft mit Curtis DeGroat (Woody Harrelson) und seiner zwielichtigen, brutalen Gang. DeGroat ist ein Psychopath, bei dem schon viele den Kürzeren gezogen haben. Dann verschwindet Rodney plötzlich. Die Ermittlungen unter der Leitung von Chief Wesley Barnes (Forest Whitaker) verlaufen erfolglos. Russell sieht keine andere Möglichkeit, als sich selbst auf die Suche nach seinem Bruder zu machen und sich dem kranken DeGroat gegenüberzustellen.

Braddock ist eine Kleinstadt in Pennsylvania und leidet unter dem Zusammenbruch der Stahlindustrie. Nachdem Regisseur Scott Cooper die Stadt besucht hatte, sollte sein zweites Regieprojekt unbedingt dort spielen. Out of the Furnace ist aber nicht nur ein Film über eine wirtschaftlich kurz vor dem Ruin stehende Stadt, sondern vielmehr ein Porträt der Menschen, die dort leben. Eine geradlinige, nicht unbedingt überraschend neue Handlung dient als Grundlage eines Spiegels der Gesellschaft und des sich daraus entwickelnden Rachedramas. Der Schwerpunkt liegt nicht auf einem reisserischen Drama, sondern vielmehr auf einer eingehenden Milieu- und Figurenzeichnung. Die Geschichte entwickelt sich erstaunlich ruhig, überrascht immer wieder durch ihre Gewaltausbrüche und erlaubt sich erst zum Ende hin ein hartes Finale.

Zu den Höhepunkten des Films zählt zweifellos bereits der Anfang, der in einem Autokino spielt. Hier hat Woody Harrelson als psychopathischer Anführer einer brutalen Gang seinen ersten und schockierenden Auftritt, der sofort klarstellt, dass man sich mit ihm nicht anlegen sollte. Aber auch bei den beiden Brüdern wird schnell deutlich, was sie einander bedeuten, wieviel Halt sie sich geben und wie sehr sie durch die Ereignisse in ihrem Leben gezeichnet sind. Russell, der durch einen dummen Fehler im Gefängnis landete, versucht nun, bei der harten Arbeit im Stahlwerk zu verdrängen und pflichtbewusst das Beste aus seinem Leben zu machen. Durch seine Haftstrafe ging die Beziehung zu seiner Freundin kaputt. Eine der traurigsten und berührendsten Szenen des Films findet zwischen ihm und seiner einstigen Freundin Lena (Zoe Saldana) statt.

Christian Bale zeigt eine seiner beeindruckendsten Leistungen in der Rolle des Russell, der sich verzweifelt an jeden Strohhalm klammert. Casey Affleck als Rodney spielt eine ebenfalls innerlich kaputte Figur, gezeichnet durch den Krieg. Er findet keinen festen Platz im Leben und prügelt sich seinen Frust bei Streetfights aus der Seele. Allen Figuren haftet eine extreme Traurigkeit an, eine Leere, die sie nach aussen zu verbergen suchen. Darin liegt die Stärke des Films.

Out of the Furnace ist somit kein typisches Rachedrama, sondern vielmehr eine Milieustudie mit starker Figurenzeichnung. Starke zwischenmenschliche Szenen stehen im Vordergrund einer Geschichte, die geradlinig ist und mit gut platzierten Überraschungen überzeugen kann.

Julia Stache [jst]

Julia ist seit 2007 Freelancerin bei OutNow und kommt aus Berlin. Seit 2002 ist sie regelmässig bei der Berlinale dabei. In Jane-Austen-Filmen kann sie träumen und mitleiden. Sehr angetan haben es ihr Thriller, Christian Bale und James McAvoy.

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