Night Train to Lisbon (2013)

Night Train to Lisbon (2013)

Nachtzug nach Lissabon
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  3. 111 Minuten

Filmkritik: Erinnerung an die Zukunft

Liebe ...
Liebe ...

Der Berner Lateinlehrer Raimund Gregorius (Jeremy Irons) entdeckt eines Morgens eine Frau, die auf der Kirchenfeldbrücke steht. Er kann sie knapp vor dem Sprung bewahren und zieht sie mit sich ins Gymnasium. Doch als sie während seines Unterrichts wortlos verschwindet, macht sich Raimund in der Stadt Bern auf die Suche nach ihr. In ihrem Mantel, den sie im Schulzimmer vergessen hat, findet er das Buch des portugiesischen Dichters Amadeu de Prado. Sofort fühlt er sich von dessen Erzählung angezogen. Als ein Zugticket nach Lissabon aus den Seiten des Buches fällt, entschliesst sich Raimund spontan, die Reise nach Portugal anzutreten.

... ist ein Spiel.
... ist ein Spiel.

Dort macht er sich auf die Suche nach Amadeu de Prado und stösst zunächst auf dessen Schwester (Charlotte Rampling), die ihm aber nur begrenzt Auskunft geben will. Sie gibt ihm das widersprüchliche Bild eines Mannes, dessen Mut und Sehnsucht nach Liebe und Vertrauen innerlich total zerrissen hat. Je mehr Raimund nachforscht, desto mehr lernt er über sich und seine Lebensbestimmung. Und als der Name Estefania (Mélanie Laurent) auftaucht, weiss er, wonach er suchen muss...

Night Train to Lisbon ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers vom Berner Pascal Mercier (mit richtigem Namen Peter Bieri). Die Schweizer Koproduktion trumpft mit einer internationalen Gruppe auf, sowohl was den Regisseur Bille August als auch die Besetzung betrifft. Jeremy Irons, Mélanie Laurent und Jack Huston spielen die tragenden Figuren in dieser philosophisch-politischen Romanze.

Der Film ist ganz offensichtlich eine Hommage an die Liebe, die Magie von Literatur und das Mysterium des Lebens. August versucht keinen Moment lang, Night Train to Lisbon einen eigenen Stil aufzudrücken, sondern visualisiert die im Roman vorhandenen Elemente und verbindet diese zu einem angenehmen Erzählfluss. Jeremy Irons in der Kramgasse spazieren zu sehen, ist schon etwas Besonderes. Er verleiht unserem Protagonisten die nötige Ruhe und den Hauch von Intellekt. "I'm boring", gesteht Raimund in der Mitte des Filmes. Doch welcher Langweiler würde sein Leben ändern wollen?

Die historischen Einflüsse bleiben in Night Train to Lisbon zum Grossteil Mittel zum Zweck. Von Widerstand und Revolution wird dann gesprochen, wenn es um Freundschaft, Vertrauen und Liebe geht. Mélanie Laurent und Jack Huston verkörpern die Liebe und Bruno Ganz steht für die Freundschaft. Auf politische Tiraden wird verzichtet. Lockere, von Sehnsucht geprägte Gespräche sind Hauptteil der Romanverfilmung. Die Odyssee unseres Protagonisten präsentiert uns zudem die schönsten Ecken Lissabons - als könnte man den Wein und das Meer riechen können.

Bei all den Figuren, ihren Beziehungen und dem ganzen Hokuspokus verliert Raimund Gregorius etwas an Präsenz. Schliesslich ist es seine Reise und seine Wandlung zu einem spontaneren Leben. Die Romanze mit der Optikerin Mariana wirkt künstlich und bietet zu guter Letzt zu wenig, um unserem Protagonisten eine glaubhafte Raison zu geben. Der Film will an diesem Punkt mehr erreichen, als ihm von Inhalt her zur Verfügung steht.

Fazit: Night Train to Lisbon mag nicht die erwartete, herausragende Romanze sein, über welche man noch Stunden nach dem Schauen sinnieren kann, aber die Schweizer Koproduktion von Bille August funktioniert in ihrem Erzähluniversum zusammen mit der Besetzung auf ansprechende und liebevolle Weise.

/ woc

Kommentare Total: 6

yan

Der überzeugende Cast kann das schwache Drehbuch auch nicht retten. Vielleicht funktionierte die Geschichte in Buchform, die Filmversion ist aber unglaubwürdig und ähnelt einer belanglosen Telenovela.

faz

Filmkritik: Selbstfindungstrip auf Portugiesisch

somboun

Überzeugende Darsteller, allen voran Jeremy Irons!

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