Miele (2013)

Miele (2013)

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  2. 96 Minuten

Filmkritik: Irenitas

"Ausgang ist suuuuper"
"Ausgang ist suuuuper" © filmcoopi

Die Medizinstudiums-Abbrecherin Irene (Jasmine Trinca) kann es nicht verkraften, Leute leiden zu sehen. Deshalb hat sie zusammen mit einem Bekannten eine kleine Sterbehilfeunternehmung gegründet. Diese operiert jedoch im Verborgenen, denn in Italien ist die Sterbehilfe illegal. So ist Irene gezwungen, einmal pro Monat nach Mexiko zu fliegen, um sich dort Einschläferungsmittel für Hunde zu beschaffen. In der Kombination mit weiteren Substanzen hat das Mittelchen nämlich auch für Menschen die gleiche Wirkung, und der oder die Leidende schläft nach wenigen Minuten friedlich ein - für immer.

Der Morgen danach...
Der Morgen danach... © filmcoopi

Bei ihrer Tätigkeit ist Irene, die unter dem Pseudonym Miele arbeitet, aber eines wichtig: Ihre Patienten müssen todkrank oder nicht mehr imstande sein, mit ihren Gebrechen weiterzuleben. Als sie eines Tages zu dem alten Carlo Grimaldi (Carlo Cecchi) gerufen wird, besteht dieser darauf, dass Irene ihm das Mittelchen einfach aushändigt. Irene wird stutzig und findet heraus, dass Carlo gar nicht todkrank ist, sondern "lediglich" an einer Depression leidet. Beim Versuch, das Einschläferungsmittelchen zurückzubekommen, beginnt Irene, ihr ganzes Dasein zu hinterfragen.

Valeria Golino ist so heiss, auf ihr kann man ein Spiegelei braten. Ok, das ist natürlich Quatsch, aber genau das war in der herrlichen Top Gun-Parodie Hot Shots! zu sehen, wo Golino - wie auch in der Fortsetzung - das Love-interest Ramada spielte. Doch die Italienerin ist zu mehr imstande, und versuchte sich in den letzten zwei Jahrzehnten als ernstzunehmende Schauspielerin zu etablieren, was ihr in ihrer Heimat Italien auch gelungen ist. Nun folgt der nächste logische Schritt: einmal einen abendfüllenden Spielfilm zu inszenieren. Dafür verfilmte Golino den Roman Miele von Mauro Covacich und machte daraus schwerfälliges Deprokino - Ramada ist gaaanz weit weg.

Es ist ein bitterer Film, bei dem das Sterbehilfemittel laut den Patienten einen ebensolchen Geschmack besitzt. Wie gut, dass sich die Titelheldin Miele (zu Deutsch: Honig) nennt und den süssen Tod mit ihrer Güte bringt. Diese Figur ist aber alles andere als ein Sonnenschein, sondern seelisch deutlich von ihren Beruf gezeichnet. Auch wenn dies Jasmine Trinca mit ihrem Spiel für den Zuschauer deutlich spürbar macht, leidet auch sie unter der doch sehr hervorsehbaren Story über eine junge Frau, die durch einen Lebensmüden wieder zurück ins Leben findet.

So vermischt Golino zwar durchaus gekonnt verschiedenste Drama-Elemente miteinander, doch wie bei einem Erstlingswerk so üblich, fehlt noch das richtige Timing beim Schnitt. Einige Szenen dauern einfach zu lange und verlangsamen das eh schon nicht hohe Tempo des Filmes noch zusätzlich. Auch beim Soundtrack vergreift sich die Regisseurin des Öfteren. Zwar sind hippe Bands wie The Shins zu hören, doch sie passen nicht wirklich in den Film.

Fazit: Miele ist trotz aller Fehler ein Spielfilmdebüt, das auf mehr hoffen lässt. Den Depro-Grundton mit der Bildsprache hat Golino schon mal perfekt getroffen, doch ihrem Film fehlt wegen der zu vielen bekannten Drama-Bausteine letztendlich etwas Herausragendes. Gewisse Szenen wie die Sterbehilfeszene bei einem behinderten Jugendlichen gehen zwar unter die Haut, doch sind dies nur kurzfristige Gefühle in einem Film, der ansonsten eher weniger aufwühlt und so im Mittelmass stecken bleibt.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Italienisch, mit englischen Untertitel, 01:41