Mama (2013)

Mama (2013)

Oder: Alles Gute zum Muttertag!

Von der CIA-Agentin zur Rockgöre

Von der CIA-Agentin zur Rockgöre

Jeffrey (Nikolaj Coster-Waldau) entführt nach einem Amoklauf, bei dem er unter anderem seine Frau ermordet hat, seine beiden Kinder Victoria (Megan Charpentier) und Lilly (Isabelle Nélisse) und flüchtet in die Berge. Auf der vereisten Unterlage verliert er die Beherrschung über sein Fahrzeug und stürzt mitsamt seinen Töchtern in die Tiefe. Verletzt und am Ende ihrer Kräfte retten sich die drei in eine alte verlassene Waldhütte. Als Jeffrey unter Tränen versucht Victoria zu erschiessen, wird er von einer undefinierbaren Macht daran gehindert und getötet.

Das etwas andere Familienfoto

Das etwas andere Familienfoto

Fünf Jahre nach den schrecklichen Vorfällen glauben Jeffreys Bruder Lucas (ebenfalls Nikolaj Coster-Waldau) und seine Freundin Annabel (Jessica Chastain) noch immer nicht an den Tod der beiden Kinder und durchforsten jede Ecke in der Umgebung. Wie durch ein Wunder werden die beiden Mädchen in der alten Waldhütte gefunden. Lucas und Annabel entscheiden sich dazu, die beiden bei sich aufzunehmen und zu resozialisieren. Anfangs sind Victoria und Lilly völlig verängstigt und unfähig, in der zivilisierten Umgebung zu leben. Mit der Zeit stellt sich aber heraus, dass die Mädchen noch etwas viel Gefährlicheres ins Haus mitgebracht haben.


Film-Rating

Seit der Found-Footage-Welle ist der etwas in Stocken geratene Horrorhype erneut ausgebrochen. Trotzdem ist die Anzahl Schocker auf der grossen Leinwand überschaubar. Während sich Handkamera-Geistergeschichten offensichtlich einen festen Platz auf der Kinoleinwand ergattert haben, müssen andere einen möglichst rentablen Eindruck hinterlassen. Für die Spielfilmfassung seines Kurzfilms Mamá sind Regisseur Andrés Muschietti gleich mehrere Glücksgriffe gelungen. Zum einen konnte er mit Jessica Chastain (Zero Dark Thirty) und Nikolaj Coster-Waldau (Hodejegerne) zwei Schauspieler verpflichten, die nicht nur bekannte Namen tragen, sondern mit ihrem Können einen Gewinn für jede Art von Film darstellen. Zum anderen wurde Mama von Gruselmeister Guillermo del Toro produziert. Mehrere Gründe also, sich den neuen spanisch-kanadischen Horrorfilm anzusehen.

Andrés Muschietti lässt von Beginn an nichts anbrennen und gibt den Zuschauern keine Eingewöhnungszeit. Da der Horror lange Zeit nur angedeutet und beinahe ungreifbar bleibt, dazu mit gelungenen Jump-Scares aufgedonnert und mit passenden Soundeffekten verstärkt wird, kann man trotz Jugendfreigabe von einer sehr erschreckenden ersten Hälfte sprechen. Mama gefällt auch durch eine für Horrorfilmverhältnisse innovative Geschichte, die ihren Einstieg als Thrillerdrama gibt und erst nach und nach zum Schocker mutiert. Chastain und Coster-Waldau lassen ihre Figuren realistisch erscheinen und geben eine ansprechende Performance. Die heimlichen Stars des Films sind aber die beiden Mädchen Megan Charpentier (Resident Evil: Retribution) und die bisher unbekannte Isabelle Nélisse. Die gespielte animalische und doch herzensgute Art wirkt befremdlich, ja angsteinflössend und doch irgendwie mitleiderregend. Sobald die Kinder aber ihre verstörenden Blicke zum Besten geben, gefriert der Kinosaal und die Haare stehen einem im positiven Sinne zu Berge.

In der zweiten Hälfte versucht Muschietti den Gruselfaktor zu erhöhen. Leider misslingt dieses Vorhaben, denn anstatt das Böse weiterhin nur in kleinen Tranchen zu servieren, schmeisst er das ganze Schwein auf den Teller. Der potentielle Knaller wird schnurstracks zum peinlichen Desaster. Das unheimliche Etwas ist grauenhaft animiert und würde sich gerne wie seine japanischen Vorbilder fortbewegen, sieht dabei aber aus wie ein Roboter auf Speed. Gegen Ende wird die Geschichte immer abstruser, die Protagonisten verhalten sich unglaubwürdig und Logiklöcher fallen immer deutlicher ins Gewicht. Dazu tischt Muschietti einen No-Go-Schluss auf, der wie ein Fremdkörper dem unheimlichen Flair endgültig den Garaus macht.

Fazit: Richtig stark ist Mama, wenn der Horror im Verborgenen stattfindet. Sobald Muschietti aber versucht Antworten zuzuschneiden, zerstört er damit auch die ungemütliche und doch so passende Atmosphäre des Films. Das Schauermärchen verkommt zum typisch schlecht animierten Geisterhirnriss, was angesichts der klasse Darsteller und der sehr interessanten Thematik einfach nur schade ist.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

12.04.2013 / yan

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