Love Punch (2013)

Love Punch (2013)

Wie in alten Zeiten
  1. 94 Minuten

Filmkritik: Diamantenfieber

38th Toronto International Film Festival
Lachen für die Gage
Lachen für die Gage © Impuls Pictures AG

Richard (Pierce Brosnan) und Kate (Emma Thompson) waren einst glücklich verheiratet, doch dies ist lange her. Jetzt sehen sie sich meist nur noch auf Hochzeiten von Freunden, wo sie gute Miene zum bösen Spiel machen. Kate sucht sonst in ihrer Freizeit ihr Glück online, während Richard ein Verhältnis mit einer jungen Frau namens Mikaela angefangen hat. Doch dann müssen Richard und Kate nochmals für eine ungewöhnliche Sache zusammenspannen.

Am letzten Tag vor seinem Ruhestand trifft Richard sein Geschäft geschlossen vor. Seine Firma ist bankrott und das ganze Geld weg. Die Hauptschuld trägt eine französische Firma unter der Leitung des schmierigen Krieger (Laurent Lafitte), der damit auch noch davonzukommen scheint. Das kann Richard natürlich nicht zulassen, da nicht nur seine Pensionsgeld verschwand, sondern auch jenes seiner Ex-Frau und das seiner Mitarbeiter. Weil er jedoch der französischen Sprache nicht mächtig ist, fliegt er mit Kate nach Paris. Als Krieger nicht freiwillig mit dem gestohlenen Geld rausrücken will, hat Kate DIE Idee. Sie will einen von Krieger kürzlich erworbenen Diamanten stehlen, dessen Wert auf über 10 Millionen Dollar geschätzt wird. Auf ihrer Mission kommen sich Kate und Richaurd auch wieder etwas näher.

Als Emma Thompson ihrem Leinwandpartner Pierce Brosnan den Diamantenraub vorschlägt, hat dieser folgende Worte für sie: "Stupid, absurd and... brilliant". Die beiden erstgenannten Wörter gelten auch für den gesamten Film von Joel Hopkins - das "brilliant" definitiv nicht.

The Love Punch ist überdeutlich als locker-flockige Sommerkomödie angelegt: Ein zankendes ehemaliges Ehepaar reist in das sonnige Südfrankreich, um einen Coup durchzuziehen und sich dabei versöhnen. Die Vorstellung, dass ein einfaches Paar einen solchen Raub überhaupt durchziehen kann, braucht schon sehr viel Goodwill vom Zuschauer. Nur dumm, dass dieser Richard und diese Kate nicht im geringsten sympathisch sind, sondern dauergrinsende und nervtötende Leute, mit denen mitzulachen schwer fällt. Auch schwach, dass kaum ein Witz zündet. Der Running-Gag mit dem Roommate des Sohnes, der immer peinliche Sachen macht, wenn die Eltern gerade per Skype zugeschaltet sind, ist schon beim ersten Mal nicht lustig.

So werden wir Zeugen, wie sich Brosnan und Thompson zum Affen machen, wobei man aber fast schon Mitleid mit den Schauspielern bekommt. Brosnan scheint seit seinem Bond-Ausstieg sowieso recht schmerzfrei geworden zu sein. Er sang schon in Mamma Mia Abba-Hits und verliebte sich in Susanne Biers Love Is All You Need auf einer Hochzeit. Hier darf er wild rumfuchteln und für eine Millisekunde lang mit einer Waffe als 007 posieren. Auch die Situationen, in welche die beiden Protagonisten immer wieder geraten, sind dermassen hohl, dass es wehtut. Beispiel: Sie ist allergisch auf Blumen, er auf Katzen. Wo liegt der Diamant? Richtig: In einem Zimmer voller Blumen und kleinen Kätzchen. Ähhh, hat da keiner der vielen Leute am Set seine Stimme erhoben, als die vielen Büsis platziert wurden?

Fazit: The Love Punch ist eine schrecklich unlustige Angelegenheit. Viel zu verkrampft wird hier auf Feelgood-Movie gemacht, wobei der Holzhammer mehr als nur einmal zum Einsatz kommt. Wenn man was Positives erwähnen möchte, dann die schön gefilmte französische Küstenregion und der gelungene Soundtrack. Doch auch diese können diese seichte Komödie nicht retten, in welcher die Figuren im Film mehr am lachen sind als der Kinobesucher.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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