The Lone Ranger (2013)

The Lone Ranger (2013)

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  2. 149 Minuten

Filmkritik: Zug um Zug

Come to where the flavor is
Come to where the flavor is © Disney

San Francisco, 1933: Ein kleiner Junge (Mason Cook) mit Maske und Cowboyhut besucht eine Ausstellung über den Wilden Westen. Dort trifft er auf den uralten Comanche-Indianer Tonto (Johnny Depp). Dieser erzählt ihm die Geschichte seiner Freundschaft zu John Reid (Armie Hammer). Dieser sollte als Revolverheld "The Lone Ranger" in die Geschichte eingehen. Fasziniert hört der Junge zu, denn jedes Kind kennt die Geschichte von Tonto und dem Lone Ranger, die gemeinsam unzählige Abenteuer bestritten haben.

Jetzt nur nicht den Kopf verlieren
Jetzt nur nicht den Kopf verlieren © Disney

Nachdem Johns Bruder Dan (James Badge Dale), ein Texas Ranger, vom brutalen Verbrecher Butch Cavendish (William Fichtner) und seiner Bande niedergestreckt wird, schwört der etwas konservative Anwalt Rache. Er wirft all seine Prinzipien über den Haufen, nimmt den Platz seines Bruders als Ranger ein und macht sich mit Tonto, dessen Weg er per Zufall kreuzte, auf die Jagd nach den Mördern seines Bruders. Dabei kriegt er es auch noch mit einer verrückten Bordellbesitzerin (Helena Bonham Carter) und einem Eisenbahnmagnat (Tom Wilkinson) zu tun und verliebt sich in seine Schwägerin (Ruth Wilson)...

Die spinnen, die Amerikaner! The Lone Ranger ist keine Katastrophe! Vernichtende Kritik und ein maues Startwochenende deuteten auf ein Desaster hin, doch trotz Überlänge ist Gore Verbinskis Megabudget-Western unterhaltsames Abenteuerkino mit dem bisher besten Actionfinale dieses Sommers. Wer mit den fast schon gegebenen tiefen Erwartungen ins Kino sitzt, darf sich auf eine positive Überraschung freuen.

Armie Hammer hat mit der Titelrolle keine leichte Aufgabe. Er muss nicht nur den edlen Helden mimen, sondern auch darum kämpfen, nicht komplett im Schatten von Über-Star Johnny Depp zu verschwinden. Dies schafft er leider nicht ganz. Sein Lone Ranger ist ein bisschen zu trottelig, und zum wahrhaftigen Westernheld entwickelt sich die Figur leider erst gegen Ende. Zuvor darf er mit seinem Sidekick streiten und findet sich immer wieder in peinlichen oder prekären Situationen. Tonto ist ein weiterer Versuch, Johnny Depp lustig zu verkleiden und zu schauen, was passiert. Tonto ist zum Glück aber etwas mehr als Jack Sparrow 2.0, und seine Interaktion mit dem Ranger ist witzig und unterhaltsam. Neben den Hauptfiguren gibt es noch zu viele Nebenfiguren, die den Film mit einer Fülle an Nebengeschichten und Umwegen nicht be- sondern nur anreichern. Dass man bei einer Spielzeit von ohnehin schon weit über zwei Stunden dann noch eine nervende Rückblenden-Struktur mit unnötiger Rahmenhandlung anwenden musste, ist unverständlich.

William Fichtner als überdrehter Bösewicht ist aber toll, doch wirkt seine Figur, inklusive Kannibalismus, beinahe zu düster für einen familientauglichen Film. Der Gewaltanteil ist recht hoch und dämpft immer wieder das Vergnügen. Wenn der Film lustig ist, dann ist er am Besten. Seien es witzige Actionszenen oder ein Besuch in Helena Bonham Carters Bordell. Hier macht es richtig Spass, und das Finale erfüllt alles, was man von einem spassigen Sommerblockbuster erwarten darf und übertrifft dies um ein Mehrfaches. Leider gibt es jedoch nicht nur diesen Popcorn-Aspekt, denn Verbinski versucht zwischendurch auch mal ganz ernst zu werden, und es sind diese Stimmungsschwankungen, die den Film schlussendlich etwas zu schizophren werden lassen.

Hat man die spektakuläre Zugverfolgung am Ende gesehen, verlässt man das Kino mit einem Grinsen auf dem Gesicht und vergisst gerne, dass der Film auch so seine Probleme hatte. Wenn doch nur alles so actiongeladen und humorvoll gewesen wäre wie die Schluss- oder auch die Anfangssequenz, bräuchte sich Disney keine Sorgen zu machen. Doch wie schon bei den Pirates-Fortsetzungen waren die Ambitionen einfach zu hoch und man wollte zu viel in den Film stecken. In einem bisher schwächelnden Kinosommer ragt The Lone Ranger insgesamt aber eher positiv heraus.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 13

Ghost_Dog

Also mich konnte er gut unterhalten, hatn paar geile szenen umd witzige momente. Zudem sehen die zwei ultrastylish aus, macht popcorn maessig laune.

muri

Blu-ray-Review: Hör mal auf, den Vogel zu füttern!

muri

Ich versteh diese Basherei nicht so ganz. Der Film bietet aufwändige Unterhaltung in reiner Bruckheimer-Form. Flotte Sprüche von Depp, ein etwas lahmer Hammer und viel Western-Feeling machen das Ganze zwar nicht sensationell stark und weltbewegend, wie damals die Piraten, aber absolut sehenswert.

Gut, die Rahmengeschichte hätte nicht sein müssen, die Bösewichte sind etwas gar dämlich und logisch muss es auch nicht sein. Aber so ergeben sich 140 Minuten fast durchgehend gute Unterhaltung, die auf einen zweiten Teil hoffen lassen.

William Fichtner ist halt wirklich toll. Wenn man diese Rolle hier mit seiner in "Elysium" vergleicht... Stark!

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