Jag etter vind (2013)

Jag etter vind (2013)

  1. 91 Minuten

Filmkritik: Sargbauen für Anfänger

Ganz schön eng im Kinderbett...
Ganz schön eng im Kinderbett... © Studio / Produzent

Anna (Marie Blokhus) ist eine attraktive, erfolgreiche Modedesignerin in Berlin. Ihren Verlobten Mathias (Frederik Meldal Nørgaard) möchte sie bald heiraten und mit ihm eine Familie gründen. Dann erreicht sie ein tragischer Anruf: Ihre Grossmutter ist gestorben. Also macht Anna sich auf die Reise ins ländliche Norwegen, um ihrem Grossvater (Sven-Bertil Taube) bei der Beerdigung beizustehen. Der wiederum ist nicht gerade eben erfreut über den unverhofften Besuch. Auch ihr im Heimatdorf zurückgelassener Exfreund Håvard (Tobias Santelmann) begegnet ihr mürrisch und wortkarg.

Doch Anna ist entschlossen, bei den Vorbereitungen zu helfen, und bleibt. Langsam gelingt es ihr, die Abwehrmauer des Grossvaters zu durchbrechen, und auch mit Håvard wird sie wieder mehr und mehr vertraut. Dies hat auch zur Folge, dass Anna sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen muss. Warum ist sie damals wirklich weggegangen?

2009 überraschte Rune Denstad Langlo mit seinem tragikomischen Spielfilmdebüt Nord. Das Roadmovie über einen depressiven Skilift-Wärter, der mit seinem Schneemobil den Norden Norwegens durchquert, erhielt diverse Auszeichnungen. Auch Jag etter vind verzichtet auf Schnickschnack. Und das ist gut so. Der Streifen ist authentisch und berührend, aber nicht so schwer, wie es skandinavische Filme manchmal sind.

Die Beziehung zwischen Anna und ihrem Grossvater bildet das Kernstück der Geschichte. Die Annäherung der beiden ergibt sich langsam, aber konstant und beinhaltet jede Menge kleine, sehr witzige Szenen. So schafft es Denstad Langlo denn auch, dass sich die raue Nordlandschaft einladend, geradezu nach Zuhause anfühlt. Die Landschaftsaufnahmen sind ohnehin atemberaubend und wunderschön anzusehen.

Im Verlauf der Story müssen sich Johann wie auch Anna ihrer Vergangenheit stellen. Ab hier nimmt der Film eine etwas traurigere Tonart an, verfällt aber nicht in übertriebenen Pathos. Annas Erinnerung an den Unfalltod der Eltern auf dem Boot rührt trotzdem zu Tränen. Besonders ergreifend ist auch die Szene, als Anna Johann abgeklärt mitteilt, dass sie keine Kohlenhydrate isst, worauf er mit dem letzten selbstgebackenen Brot der Grossmutter eine Kindheitserinnerung in ihr wachruft. Das sind die stillen, grossen Momente des Films.

Sven-Bertil Taube gibt den mürrischen alten Nördler, der seiner Nichte das Leben erstmal schwer macht, grossartig. Marie Blokhus ihrerseits ist ebenfalls absolut überzeugend und stark in der Rolle der beharrlich charmanten Anna. Auch die beiden Männer an ihrer Seite sind sehr gut besetzt.

Fazit: Jag etter vind ist ein sehenswertes, wunderschönes, etwas trauriges, aber doch versöhnliches Familiendrama mit tollen Bildern.

/ mim