Der Imker (2013)

Der Imker (2013)

Oder: More than Honey

"Diese Biene hier heisst Maja."

"Diese Biene hier heisst Maja."

Der kurdische Imker Ibrahim Gezer liebt es, wenn er sich um seine Bienen kümmern kann. Auf der Realp und in Andermatt hat er einige Kolonien untergebracht und versucht wann immer möglich vor Ort zu sein. Doch dies ist gar nicht so einfach. Da in der Schweiz das Bienenzüchten nicht als Beruf, sondern als Hobby angesehen wird, ist Gezer gezwungen einer "richtigen" Arbeit nachzugehen und verdient sein Geld am Förderband.

Erntezeit

Erntezeit

Was den Mann aber noch mehr bedrückt ist seine Vergangenheit. In der Türkei hatte er über 500 Bienenvölker, ein Haus und eine Familie mit elf Kindern. Doch durch den Kurdenkrieg verlor er alles, und so musste er in die Schweiz flüchten. Dort versucht er nun wieder Fuss zu fassen, was jedoch alles andere als leicht ist, da er die deutsche Sprache nicht beherrscht und er sich ständig Sorgen um seinen Sohn Ali machen muss, der als Guerilla in der Heimat kämpft.


Film-Rating

Über 200'000 Zuschauer holte Markus Imhoof mit seinem More Than Honey in die Schweizer Kinos, was ein sensationelles Ergebnis für einen Dokumentarfilm ist, der nicht von Michael Moore stammt. Doch wer glaubt, dass Der Imker auf der Erfolgswelle mitreiten will, der irrt gewaltig. Im Zentrum stehen nicht die Insekten, sondern die Geschichte eines vom Schicksal gebeutelten Kurden, der durch Bienen einen Halt in seinem Leben gefunden hat. Khalil zeichnet ein emotionales Portrait, das in Solothurn mit dem Prix Solarie ausgezeichnet wurde.

Einer dieser grossen Erfolgsstorys, wie sie das Leben manchmal schreibt, zeigt Der Imker aber nicht. Bienenzüchter Gezer muss sich auch in der Schweiz mit den Problemen eines Immigranten herumschlagen und hat oftmals Sitzungen mit der Einwanderungsbehörde. Die Schweiz wird nicht als Land der unbegrenzten Möglichkeiten dargestellt, sondern mehr nüchtern und - passenderweise - neutral. Mit den kleinen Steinen, die Gezer in den Weg gelegt werden, zieht Khalil den Zuschauer auf die Seite dieses ruhigen und sympathischen Mannes - und dies ohne dabei auf plakative Instrumente zu setzen.

Der Film folgt Gezer auf Schritt und Tritt und ist auch bei den schwierigen und traurigen Momenten vor Ort, was zwar etwas seltsam anmutet, aber trotzdem berührt. Khalil, der selbst ein Immigrant ist und wegen seiner Regiearbeiten aus Syrien flüchten musste, liegt die Geschichte sehr am Herzen, und dies ist in jeder Einstellung spürbar. Wunderbare Szenen, wie das Spielen mit dem Grosskind, wechseln sich mit schwierigen Momenten ab. Der Imker ist ein Film wie das Leben, in dem es auf und ab geht. Ungefiltert gibt Khalil dies wieder, wodurch ein starker Dokumentarfilm entsteht, nach dem man nicht nur ihm, sondern auch der porträtierten Person auf die Schulter klopfen möchte.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

26.04.2013 / crs

Community:

Bewertung: 5.0 (7 Bewertungen)

 

 

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