Hotell (2013)

Hotell (2013)

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  2. 97 Minuten

Filmkritik: Lätschfilm

Gestern
Gestern © filmcoopi

Erika (Alicia Vikander) ist glücklich: sie hat einen tollen Job, einen netten Ehemann, und jetzt ist auch noch ihr erstes Kind unterwegs. Als jedoch zwei Wochen vor dem vorausgesagten Geburtstermin bei Erika plötzlich die Wehen einsetzen, muss das Kind früher als geplant auf die Welt kommen. Dabei läuft nicht alles nach Plan: Das Baby bekommt bei der Geburt nicht genügend Sauerstoff und muss nun für unbestimme Zeit an Beatmungsapparate angeschlossen sein. Seine Zukunft ist ungewiss.

Heute
Heute © filmcoopi

Erika fällt daraufhin in eine schwere Depression. Ihr hilfloser Ehemann sieht nur eine Möglichkeit, diese zu überwinden: eine Therapie. So landet Erika in einer Selbsthilfegruppe, in der auch das Muttersöhnchen Rikard (David Dencik), die unsichere Ann-Sofi (Mira Eklund), die vereinsamte Perlina (Anna Bjelkerud) und der von Angstzuständen geplagte Peter (Henrik Norlén) sitzen. Die Fünf freunden sich an und beschliessen nach einer Sitzung, sich in einem Hotel selbst zu therapieren. Dort sind von ihrem Umfeld mal weg und können sich so eher ihren Problemen stellen. Es dauert nicht lange, bis der Versuch zu scheitern droht.

Um Lisa Langseths Hotell zu beschreiben, gibt es viele Adjekive. Nur eines ist der Film definitiv nicht: schön. Langseth zeigt fünf Personen mit ihren Depressionen, lässt aber - typisch für das skandinavische Kino - immer mal wieder etwas bösen Humor einfliessen. Die Regisseurin lässt auch durch ihrem Dogma-Filmstil Erinnerungen an die früheren Werke von Lars von Trier und Thomas Vinterberg aufkommen. Um sich jedoch mit den Meistern dieses Genres messen zu können, fehlt es ihr an Konsequenz.

Während des ganzen Filmes schauen wir hier einem bevorstehenden Unfall entgegen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es richtig knallt, und das Warten darauf ist alles andere als angenehm. Wenn sich eine Gruppe von Depressiven selbst therapieren möchte, geht dies früher oder später schief. Doch nicht alles ist so düster, wie es das Thema Depression vermuten lässt. Immer wieder gibt es Lichtblicke, welche sogar dazu führen, dass wir die Figuren, welche grösstenteils die Mundwinkel nach unten ziehen, langsam zu mögen beginnen. Das Quintett gerät zudem des Öfteren in absurde Situationen, bei denen beim Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt.

Letzten Endes lässt Hotell aber dann doch etwas zu kalt. Anders wie zum Beispiel bei von Trier fehlt hier die Konsequenz, die schmerzhafte Extrameile zu gehen. Richtig schlimm wird es selten, und damit fehlt dem Film auch der grosse emotionale Punch. Langseth traut sich nicht, ihre Figuren so richtig gegen den Hammer laufen zu lassen. Auch vor dem Ende hatte sie allem Anschein nach Angst. Sie überlässt es dem Zuschauer, was zum Schluss passiert.

Fazit: Trotz der tollen Hauptdarstellerin Alicia Vikander dringt Hotell leider nicht ganz bis zum Zuschauer durch. Die "bessere" filmische Depression gibt es in der ersten Stunde von Melancholia zu sehen.

Chris Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:33