The Host (2013)

The Host (2013)

Seelen
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  3. 125 Minuten

Filmkritik: Schizo-Alien-Lovestory

"Nei, i ha kei Ziit för Marktforschig."
"Nei, i ha kei Ziit för Marktforschig." © Ascot Elite

In einer nicht allzu fernen Zukunft wird die Menschheit von Aliens beinahe restlos ausgelöscht und dient fortan als Nest der sogenannten Seelen. Die Ausserirdischen benutzen den Körper der Menschen, um in ihm leben zu können. Die Seele des Menschen wird dadurch vernichtet. Als die Widerstandskämpferin Melanie Stryder (Saoirse Ronan) von den nach Überlebenden jagenden Suchern geschnappt wird, droht auch ihr die Einpflanzung einer Seele und damit ihr Untergang. Doch Melanies Wille ist stark und ihr Bewusstsein bleibt, trotz implantierter Seele 'Wanderer' (logischerweise ebenfalls Saoirse Ronan), bestehen.

"Schniid mal dis Schwänzli ab"
"Schniid mal dis Schwänzli ab" © Ascot Elite

Wanderers Aufgabe ist es, die Geheimnisse Melanies zum Vorteil der neuen Erdbewohner zu nutzen und die übrigen noch lebenden Menschen zu lokalisieren. Melanie teilt ihre Gefühle und Erinnerungen mit Wanderer und diese, angetan von ihrer Geschichte, freundet sich mit ihr an. Rasch bemerkt eine besonders motivierte Sucherin (Diane Kruger), dass Wanderer mehr und mehr die Fronten wechselt und Melanie mit ihr kommunizieren kann. Schliesslich überzeugt Melanie Wanderer, mit ihr ins Menschenlager zu fliehen, wo ihr Freund Jared (Max Irons) auf sie wartet.

Es ist ja nicht so, dass nach der überaus erfolgreichen Twilight-Filmreihe ein Bedarf an weiteren auf Mädchenherzen zielenden Romantasy-Geschichten existiert. Vielleicht liegt dies aber auch im Auge des Betrachters, denn Jugend-Fantasyromane werden heutzutage im Akkord verfilmt. Wenn sich die Chance ergibt, einen Schinken von Edward Cullen-Schöpferin Stephenie Meyer anzunehmen, der zudem zwei Fortsetzungen verspricht, dann fliegen die Dollarnötchen im Nu und ein weiterer Kinogang für Fräulein Bittersüss steht vor der Tür. The Host (zu deutsch: Der Wirt, deutscher Titel: Seelen) heisst der neue Film von Andrew Niccol (Gattaca, In Time), der mit Saoirse Ronan, Diane Kruger und Max Irons nicht nur einen vielversprechenden Cast verspricht, sondern eine ziemlich interessante Zukunftsvision thematisiert.

Science Fiction aus der Feder von Süssholzraspeltante Meyer. Kann das gut gehen? Jein, The Host verfügt zwar über ein solides Team im Rücken, was man vor allem an den visuellen Aspekten merkt, der unüberwindbare Kitsch und der völlig lächerliche und unglücklich in Szene gesetzte Zickenkrieg zwischen Wanderer und Melanie (beide Saoirse Ronan) löst dermassen viel Kopfschütteln aus, dass man vom schönen Drumherum nicht mehr viel mitkriegt. Die äusserst actionarme und lineare Story ist aber auch sonst nur selten spannend. Der Fokus liegt bei Saoirse Ronan, die mit viel Mühe ihre zwei Rollen verkörpert und das Beste herausholt. Ihre Geschichte, ihr Verhältnis zu Freund Jared (Max Irons) und die Beziehung zu Wanderer sind die Dreh- und Angelpunkte von The Host. Dass hier der Roman schon mächtig gewütet hat, ist bewusst, dennoch wäre anstatt stupidem Mädchenkram ein wenig mehr Substanz und Tiefe in den Dialogen wünschenswert gewesen. Immerhin wurde die Menschheit beinahe völlig ausradiert und ihre Körper fungieren als Sklaven.

Wenn die beiden Tratschweiber für einmal Einhalt gebieten, schickt Niccol die Zuschauer in eine beängstigend sterile und doch sehr subtile Zukunft, die von Karbonfahrzeugen und leuchtend-blauen Augen beherrscht wird. Die Geschichte der Alieninvasion wird aufschlussreich dargelegt und regt in der einen oder anderen Hinsicht zum Nachdenken an. Schöne Bilder, tolle Aufnahmen und ein gelungener Soundtrack lassen zusätzlich für kurze Zeit das Feuer von The Host brodeln.

Fazit: The Host ist ein Trauerspiel. Hätte, wäre, wenn! Fakt ist, die Geschichte kommt nun mal von Stephenie Meyer und dies sieht man ihr zu jeder Minute an. Selten wurden Freundschaft und Liebe so unwichtig und plump zu Wort gebracht wie in Melanies/Wanderers Dialogen. Die darauf aufgebaute Story nimmt dabei in Sachen Kitsch kein Blatt vor den Mund und lässt die Zuschauer in schwelgerischen Flashbacks versinken. Dumme Lovestorys hin oder her, visuell gibt The Host was her und der passende Soundtrack tut sein Übriges.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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Kommentare Total: 9

muri

Blu-ray-Review: Zweikampf im Mädel

db

The Host oder Melanie can you give us some privacy

Jo die Erwartungen waren tief und deshalb hat mich der Film sicher nicht enttäuscht. Ich hatte irgendwie ein Déjà Vue mit Warm Bodies. Selbst wenn die Grundidee an sich noch interessant war, hat man letztendlich in guter Twilight-Manier einen Krampfhaft ach so romantischen Plot konstruiert, der wie bei Warm Bodies nicht nur Zombies heilt, sondern auch Aliens konvertiert, die schon mehrere Tausend Jahre alt sind.

Letztendlich ist The Host eine sehr seelenlose Sache, bei der man sich an der Hauptdarstellerin nach 10 Min satt gesehen hat und man sich auch am restlichen relativ lustlos agierenden Cast auch nicht wirklich erfreuen kann. Das Szenario mag noch Solide sein, doch letztendlich wird dies so im Hintergrund und nebenbei abgewickelt, dass man sich primär durch viele käsigen Dialoge sowie einer langfädige Handlung kämpfen muss. Weshalb vom Film ausser einigen schönen Bildern kaum etwas hängen bleibt. Hätte man das ganze Teeniedrama runtergeschraubt und mehr auf The Tripods getrimmt, wäre der Film womöglich noch interessant gewesen, in der Form ist es einfach einer der vielen schlechten Filme die im Windschatten von Twilight entstanden sind.

woc

Also,... wenn man sich bewusst ist, dass man da einen Teeniestreifen guckt, kann man über den teilweise infantilen Plot lächeln. Sowieso gibt es sehr wenige Momente, die The Host irgendwie aussergewöhnlich machen würden. Jegliche Raison von Charakteren ist an den Haaren herbeigezogen und einige Details nerven gewaltig (die Aliens fahren ausgerechnet silberne Lotus-Sportwagen. WTF?) Die Message dahinter ist nett aber wirkt unmotiviert. Man hätte das Ganze auch in obligaten 90 Minuten abhandeln können. Und: Geknutsche als emotionalen Trigger - hmmm. Lassen wir das. 😄

2.5 Sterne - aus Goodwill und Empathie ggü. klonk hier auf 3 aufgerundet. 😎

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