Gravity (2013)

Gravity (2013)

Oder: NASAndra

"Aber fang mi, bitte"

"Aber fang mi, bitte"

Die engagierte Medizintechnikerin Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) arbeitet zum ersten Mal im All. Zusammen mit dem erfahrenen Astronauten Matt Kowalsky (George Clooney), der seinen Dienst nach der Operation einstellen will, und dessen Team versucht Stone mittels eines Weltraumspaziergangs ein Shuttle zu reparieren. Doch während der Reparaturarbeiten wird ein anderes Shuttle zerstört, dessen Bruchteile in Richtung Stone und Kowalsky zudonnern. Es kommt zur Katastrophe.

"Dein Zug..."

"Dein Zug..."

Das Space Shuttle wird zerstört, Stone verliert den Halt und schwebt haltlos in die endlose Dunkelheit. Panisch versucht sie, um Hilfe zu rufen. Doch der Kontakt zur NASA wurde unterbrochen, und keiner scheint sie zu hören. Dank seiner Routine weiss Kowalsky genau, wie er sich zu verhalten hat, und kann Stone schliesslich einfangen. Bloss durch ein Band verbunden, versuchen die beiden im grenzenlosen Weltall Halt zu finden und zu überleben.


Film-Rating

"Was willst du mal werden, wenn du gross bist?" Diese oft gestellte Frage wird von Kindern aller Welt auffällig häufig identisch beantwortet: Der Traumberuf vieler Kleinen ist der des Astronauten. Mit einem Raumanzug im Weltall zu schweben, das hört sich äusserst spannend an, zudem hat man bis heute nur wenig über das All in Erfahrung bringen können. Auch Hollywood hat uns bereits einige Szenarien im grenzenlosen Weltenraum zur Schau gestellt. Sei es nun, um die Menschheit zu retten (Armageddon), um in einer fernen Zukunft ein neues Zuhause zu suchen (Elysium), um unbekannte Territorien zu erforschen (Alien) oder um ein Unglück, das sich tatsächlich ereignet hat, auf die Leinwand zu zaubern (Apollo 13). Was die meisten dieser Werke aber vermissen liessen, war ein realistischer Umgang mit den Gravitationsgesetzen. So konnte beispielweise in Event Horizon ein Astronaut ohne Raumanzug durchs All segeln.

In Gravity von Alfonso Cuarón erhält die (fehlende) Schwerkraft für einmal die Aufmerksamkeit, die sie verdient hat. Nach sechs Jahren Leinwandabstinenz meldet sich der Regisseur in eindrücklicher Manier zurück. Bereits im Vorfeld wurde viel über seinen neuen Film gesprochen. Das ungewöhnliche Cast, die aufwändigen ersten Bilder und Szenen und natürlich der Regisseur, der seit Children of Men nichts mehr von sich hat hören lassen, sorgten dafür, dass Gravity zu einem der meisterwarteten Filme des Jahres wurde.

Doch Cuaróns losgelöster Trip ins Weltall ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite brilliert das Werk mit einer inszenatorischen Meisterleistung, in der Effekte, Musik und Kamera mit einer übewältigenden und gleichzeitig faszinierenden Raffinesse angewendet werden. Dazu gelingt es Sandra Bullock als überraschend natürlich wirkende Hauptfigur problemlos, den Zuschauer an der Leine zu halten, was in Anbetracht der gezeigten Bilderpracht einem Wunder gleichkommt. Leider hat der Thriller mit George Clooney einen zu locker agierenden und wenig glaubhaften Astronauten im All, was die Stimmung vor allem anfangs etwas trübt. Weil sich zudem das Drehbuch, geschrieben von Cuarón und dessen Sohn, im Verlauf auch einige Schnitzer und Hänger erlaubt und der emotionale Kern des Films kaum Durchschlagskraft erntet, bleibt Gravity bloss optisch einer der attraktivsten Filme des Jahres.

Fazit: Alfonso Cuaróns Gravity ist ein visuell makelloser Weltall-Thriller, bei dem sich der 3D-Einsatz wieder einmal gelohnt hat. Anspielungen auf philosophische Werke wie 2001: A Space Odyssey sind zwar in der Machart sichtbar, werden aber im Drehbuch zu geistlos aufgegriffen, was den Zuschauer nur am Rande fordert. So fliesst zwar ein Spürchen Tiefgang und Emotionalität in die Essenz mit ein, das Hauptargument für den Kinogang ist und bleibt aber die atemberaubende Darstellung der vermissten Erdanziehungskraft.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

30.08.2013 / yan

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