Gold (2013)

Gold (2013)

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  3. 101 Minuten

Filmkritik: Sieben Deutsche auf dem Weg ins Glück

Einsam und tagelang ich reite...
Einsam und tagelang ich reite... © Studio / Produzent

Ein Gruppe deutscher Einwanderer, schon seit einigen Jahren in Amerika lebend, macht sich im Sommer 1898 auf eine beschwerliche Reise in ein neues Leben. Inspiriert durch eine Anzeige des Geschäftsmanns und Anführers Wilhelm Laser (Peter Kurth), wollen sie auf den neu entdeckten Goldfeldern im Norden Kanadas ihr Glück finden. Von Ashcroft aus macht sich die fünf Männer und zwei Frauen grosse Gruppe zu Pferd auf die mehr als 2'500 Kilometer lange Reise durch die Wildnis. Jeder hat seine Vergangenheit und Ziele, sei es die geschiedene Emily Meyer (Nina Hoss), der Familienvater Joseph Rossmann (Lars Rudolph) oder der Journalist Gustav Müller (Uwe Bohm).

"Unsere Aussicht ist aber nicht so schön!"
"Unsere Aussicht ist aber nicht so schön!" © Studio / Produzent

Anfänglicher Optimismus weicht mit der Zeit der Unsicherheit, aber auch körperliche Schwächen, unwegsames Gelände und Misstrauen gegenüber den Mitreisenden zehren an den Kräften. Durch die Mithilfe einheimischer Indianer findet die Gruppe in der Wildnis immer wieder auf den rechten Weg, doch führen kleinere Unfälle nach und nach dazu, das die Anzahl der Mitreisenden stetig sinkt.

Gold ist ein deutscher Western, ein Western, in dem vornehmlich deutsch und nur ein wenig englisch gesprochen wird. Das ist gewöhnungsbedürftig, denn eigentlich kennt man Western nur aus Amerika. Der letzte deutsche Western war vermutlich Winnetou, und der liegt schon lange zurück. Alldem nicht genug, bricht Regisseur Thomas Arslan das Genre und lässt Frauen mitspielen, und das nicht nur als Nebenfiguren, sondern als Hauptcharaktere. Anders angelegt als ein typischer Western, bei dem Männer auf Pferden reiten, sich verfolgen und gegenseitig erschiessen, ist der Film dann auch. Die Geschichte erinnert an ein bekanntes Kinderlied, bei dem zehn Figuren nach und nach auf unterschiedlichste Weise ihr Leben lassen müssen. Hier machen sich sieben Deutsche auf die Reise und werden immer weniger.

Arslan zeigt seine Figuren vornehmlich in Bewegung, zu Pferde oder zu Fuss. Tag und Nacht klebt die Gruppe aneinander, viel Privatsphäre gibt es nicht. Doch wenn man denkt, dadurch mehr über die einzelnen Charaktere erfahren zu können, so wird man schwer enttäuscht. Nur oberflächliche Informationen tauschen alle miteinander aus, in die Tiefe geht es leider nicht, auch nicht, als die Gruppe kleiner wird. Das ist denn auch das grösste Manko des Films, der so interessant hätte sein können. Insbesondere die allein reisende Emily, von Nina Hoss seltsam unnahbar gespielt, hätte wesentlich mehr Potenzial gehabt, bleibt jedoch eine der blassesten Figuren des Films. Zudem lässt sich nach recht kurzer Zeit erahnen, in welche Richtung die Geschichte gehen wird, auch wenn nicht klar ist, wie viele und welche Personen tatsächlich am Ende übrig bleiben werden.

So schaut man im Endeffekt einer Reisegruppe zu, die einige Gefahren und Extremsituationen meistern muss und durch teilweise wunderschöne Landschaften reitet. Grosse Höhepunkte kann Gold kaum bieten, einzig eine schwer zu ertragende Operation lässt einen im Kinositz aufschrecken. Das Ende des Films bleibt offen, und wir erfahren nicht, wer Dawson tatsächlich erreichen wird. Aber wie so vieles andere im Film lässt sich der Ausgang zumindest erahnen.

Julia Stache [jst]

Julia ist seit 2007 Freelancerin bei OutNow und kommt aus Berlin. Seit 2002 ist sie regelmässig bei der Berlinale dabei. In Jane-Austen-Filmen kann sie träumen und mitleiden. Sehr angetan haben es ihr Thriller, Christian Bale und James McAvoy.

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