Game of Thrones - Season 3 (2013)

Game of Thrones - Season 3 (2013 / Serie)

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  3. 60 Minuten

Serien-Review: Geheiratet wird in Rot

Jenseits der Mauer im Norden haben die Brüder der Nachtwache nur mit Mühe die Schlacht gegen die untoten Weissen Wanderer überlebt. Während die Überlebenden versuchen, ihre Brüder im Süden vor der übernatürlichen Gefahr zu warnen, wird Jon Snow (Kit Harrington) zum König der Wildlinge, Mance Rayer (Ciarán Hinds), gebracht, den er davon überzeugen kann, dass er zu den Wildlingen überlaufen will.

In den Sieben Königslanden geht derweil das Spiel um den Eisernen Thron weiter. Der verletzte Tyrion (Peter Dinklage) muss erkennen, dass er keine Anerkennung für seine heldenhafte Verteidigung der Stadt erhält. Stattdessen hat sein Vater Tywin (Charles Dance) seinen Posten als Hand des Königs übernommen und er wird politisch immer mehr isoliert. König Joffrey ist inzwischen mit Margaery Tyrell (Natalie Dormer) verlobt, die - unterstützt von ihrer Grossmutter Lady Olenna (Diana Rigg) ganz eigene Pläne schmiedet.

Währenddessen reist Daenerys Targaeryen (Emilia Clarke) im fernen Kontinent Essos in die Sklavenhändlerstadt Astapor, wo sie sich eine Armee von sogenannten Unbefleckten - zu perfekten Kampfmaschinen trainierten Eunuchen - kaufen will. Doch Daeny kann die schreckliche Art, wie die Menschen in den Sklavenhändlerstädten behandelt werden, nicht länger tatenlos mit ansehen.

Spätestens mit der dritten Season wurde Game of Thrones endgültig zu einem kulturellen Phänomen. Dafür ist nicht nur die berühmt-berüchtigte "Red Wedding" verantwortlich, welche selbst eingeweihte Zuschauer wie ein Schlag in die Magengrube treffen dürfte. Auch sonst sitzt vieles richtig: Erneut gibt es ein grossartiges Darsteller-Ensemble, spannende Storylines, episch inszenierte Landschaftsaufnahmen sowie für eine TV-Serie unglaublich gut gemachte Spezialeffekte zu sehen. Die manchmal etwas gar klein geratenen Crowdszenen kann man da gut verschmerzen.

Umspannten die bisherigen Staffeln der Serie jeweils einen Roman aus George R. R. Martins Buchreihe, erzählt Season 3 nur etwa die Hälfte vom 3. Band "A Storm of Swords". Dass auch so immer noch viel Stoff mit einem begrenzten Budget adaptiert werden muss, ist leider gerade beim recht enttäuschenden Auftakt der Staffel zu erkennen. Die am Ende der letzten Season so grausig-schön angekündigte Schlacht gegen die Zombie-Armee der Weissen Wanderer wird nämlich schlicht übersprungen.

Zwar werden in den Szenen im Norden sehr schöne Bilder gezeigt - alles mit der Mauer ist schlicht atemberaubend -, jedoch fällt die Story jenseits der Mauer meist etwas ab. Ciarán Hinds (Rome) erhält als König der Wildlinge zu wenig Screentime, und auch wenn die Liebesgeschichte zwischen Jon Snow und Ygritte (wunderbar charmant: Rose Leslie) schön umgesetzt wurde, bleibt daneben leider kaum Zeit, um auf die Wildlinge einzugehen. Mehrfach fällt auf, dass wohl zu wenig finanzielle Mittel oder nicht genügend Statisten zur Verfügung standen, um gerade bei den Szenen im Norden richtig aus dem Vollen zu schöpfen.

Viel besser wirkt das in den in Marokko gedrehten Szenen in Essos. Wenn Daenerys von einer Stadt zur nächsten zieht, beeindrucken nicht nur die grossartig animierten Drachen, sondern auch die Massen an Sklaven beziehungsweise an Kriegern. Ist die Handlung nicht wesentlich komplexer als in Season 2, so ist Danys Kampf gegen Sklaverei doch eindrücklich inszeniert und erlaubt es Emilia Clarke endlich zu zeigen, dass sie auch als Herrscherin überzeugend ist. Überhaupt bietet die Season eine ganze Reihe von interessanten Frauenfiguren, die auf unterschiedliche Weise Stärke zeigen können. Neben der stets grossartigen Arya Stark (Maisie Williams), der cleveren Margaery Tyrell (Natalie Dormer) und der Kriegerin Brienne (Gewndolyn Christie), die mit Jaime Lannister ein tolles Team abgibt, ist vor allem Schauspiel-Veteranin Diana Rigg als "Queen of Thorns" ein echtes Highlight.

Wer genau hinschaut, kann übrigens einige musikalische Gaststars entdecken: So singt Gary Lightbody von Snow Patrol "The Bear and the Maiden Fair", und bei der unvergesslichen "Red Wedding" spielen Mitglieder von Coldplay in der Hochzeitsband. Letztgenannte Szene ist dabei erneut ein Paradebeispiel dafür, wie die Serie Gewalt effektiv einsetzt, um bei den Zuschauern emotionale Reaktionen hervorzurufen. Während die "Red Wedding" als Staffel-, vielleicht sogar als Serienhighlight dies auf ganz eindrückliche Weise schafft, wirken hingegen die Szenen mit Theon (die in den Büchern nicht erzählt werden) eher wie torture porn. Mit Iwan Rheon (Misfits) hat man allerdings einen herrlich-fiesen Bösewicht gefunden, der ganz wunderbar in diese Welt passt, in der es kaum Happy Ends gibt und in der die (vermeintlich) Guten häufig unter die Räder kommen.

/ pps