Frankenstein's Army (2013)

Frankenstein's Army (2013)

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  3. 84 Minuten

Filmkritik: Soldatenrecycling an der Front

Come with me, if you want to liiiive...
Come with me, if you want to liiiive... © Studio / Produzent

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges: Der Student Dimitri (Alexander Mercury) begleitet mit seiner Kamera einen russischen Aufklärungstrupp, der in deutschem Gebiet nach gegnerischen Stellungen sucht, um diese dann auszuheben. Aus mysteriösen Umständen können sie jedoch schon länger keinen Kontakt mehr zum Oberkommando herstellen und sind somit auf sich alleine gestellt. Der Hilferuf einer anderen Truppe ist schliesslich der erste Funkspruch, den sie seit Wochen erhalten, und deshalb beschliesst der Kommandant, den Kameraden zu Hilfe zu eilen.

Die durchgegebenen Koordinaten zeigen auf ein unscheinbares Bergdorf, bei dem ausser einer Kirche und ein paar Häusern nicht viel strategisch Wertvolles erkennbar ist. Dennoch marschieren die Soldaten hin, Dimitri dokumentiert fleissig mit, und so erreichen sie nach einem kürzeren Marsch die Siedlung. Was sie jedoch da entdecken, übersteigt ihre schlimmsten Alpträume. In den Katakomben der Kirche hat sich nämlich der Wissenschaftler Victor Frankenstein (Karel Roden) eingenistet, der nach dem Vorbild seines Grossvaters neue Kampfmaschinen aus Leichenteilen baut und diese dann gnadenlos auf die ankommenden Russen hetzt...

Schon seit jeher werden die Nazis mit schwarzer Magie und all möglichen Versuchen in Verbindung gebracht, mit denen sie in der Endphase eines dritten Weltkrieges doch noch gewinnen wollen. In Outpost haben sie Zombies gemacht, in Town Creek wurden okkulte Praktiken angewandt und in Return to Castle Wolfenstein ein alter Dämon geweckt. All dies hat wohl als Inspiration zu Frankenstein's Army gedient, denn auch hier lässt der holländische Regisseur Richard Raaphorst die Nazis eine Roboterarmee aus Leichenteilen bauen, die dann im Kampf eingesetzt werden soll.

An sich ein viel versprechendes Szenario, denn damit kann man nicht nur kranke Fabriken zeigen, in denen Leichen zu Kampfmaschinen umgebaut werden, es ist auch ein durchgeknallter Wissenschaftler als Gegenspieler vor Ort und nichts ahnende Soldaten treffen in blutverschmierten Laboratorien auf wandelnde Alpträume. Dies waren jedenfalls die Erwartungen, denn an sich hätte das Szenario enorm viel Potenzial und zum Teil hat Richard Raaphorst dieses auch genutzt. Die Zombie-Armee sieht grossartig aus und wenn die Soldaten in unterirdischen Gängen immer wieder von den Monstern eingeholt werden, kann der Film zumindest an einzelnen Stellen sehr morbide und auch gelungene Momente bieten. Doch leider kann das Endresultat in der abgelieferten Form nicht überzeugen.

Das Hauptproblem an der Produktion ist nämlich, dass sie als Found Footage aufgesetzt ist und genau deswegen zerfällt der ganze Film: Zum einen zünden keine der Schockmomente, da die Abmischung des Tones komplett verhauen wurde und zum anderen kann der Film auch über die ganze Laufzeit keinen Spannungsbogen aufbauen. Er dümpelt träge und mässig interessant dahin, weshalb man auch genügend Zeit hat, die Plastikleichen sowie viele andere Budget-technische Problemstellen ausfindig zu machen. So hat Richard Raaphorst den ganzen Film letztendlich mit der Erzählweise zerstört, denn mit einem zackigen Schnitt, fettem Ton und guter Beleuchtung hätte man aus dem Szenario mit dem präsentierten Art-Design etwas Grossartiges machen können. So wie er nun abgeliefert wurde, ist es jedoch ein langweiliger, effektloser und primär schlecht gemachter Kriegsstreifen, der genauso wie die Zombiesoldaten ein Flickwerk aus interessanten Ideen ist, aber so nicht funktioniert.

Fazit: Frankenstein's Army hätte enormes Potential gehabt, doch durch die Found-Footage-Erzählweise wird der Film derart ausgebremst, dass er mit dem schlechten Ton, den wirkungslos verpuffenden Schockmomenten und der dümpelnden Erzählweise nur einen negativen Eindruck hinterlässt. Schade, denn damit haben sie den Streifen schlichtweg verschenkt und an die Wand gefahren.

/ db

Trailer Englisch, 01:50