The Dirties (2013)

The Dirties (2013)

  1. 83 Minuten

Filmkritik: Matt & Owen vs. High School

Was - bedruckte Shirts und zerrissene Hosen sind noch immer in Mode?
Was - bedruckte Shirts und zerrissene Hosen sind noch immer in Mode? © Studio / Produzent

Matt (Matt Johnson) und Owen (Owen Williams) sind zwei Aussenseiter, die sich im Highschool-Leben nur schwer durchschlagen können. Die beiden Nerds leiden unter Mobbing, werden täglich gehänselt und kommen nur oberflächlich damit klar. Anstatt sich aber mit Händen und Füssen zu wehren, drehen sie für ein Schulprojekt einen Film, in dem sie sich einen Wunsch erfüllen und sich an ihren Peiniger rächen. Sie interviewen Lehrer und Schüler, inszenieren einen Amoklauf und schneiden das Werk in einen billigen Trashfilm, der in der Schule nur wenig Anklang findet.

Kein Wunder bekommen die Jungs auf die Fresse, oder?
Kein Wunder bekommen die Jungs auf die Fresse, oder? © Studio / Produzent

Während Owen das Ganze als Spass betrachtet, sich immer mehr der coolen Seite der Schule anschliesst und auch ein hübsches Mädchen Interesse an ihm zeigt, widmet sich Matt voll und ganz dem Film und driftet immer mehr ab in einen Strudel von Hass und Enttäuschung. Was als einfacher Streich beginnt, scheint immer mehr Realität zu werden.

Das von Kevin Smith (Dogma) angepriesene Low-Budget-Drama The Dirties packt ein bekanntes und allgegenwärtiges Szenario etwas grob an den Haaren und schleift es vor die Linse zweier Hobby-Regisseure. Dass dabei Matt Johnsons Werk wie auch der Film im Film wie ein aus dem Ruder gelaufenes Schulprojekt aussehen, ist keinesfalls negativ zu beurteilen. Johnson schafft es damit, den Umgang mit Mobbing modern und unverfroren aufzuzeigen. Auch wenn sich seine beiden Figuren nicht bis ins Detail erforschen lassen, ergibt sein Film doch Sinn und regt zum Nachdenken an.

Mobbing in der Schule kennt wohl jeder in der einen oder anderen Form. Was meistens mit ein paar blauen Flecken oder einem schlechten Gewissen endet, kann aber auch schwerwiegende Folgen mit sich tragen. Amokläufe wie derjenige in Columbine 1999 zeigen, dass Mobbing tiefschürfende Wunden hinterlässt und nicht immer Hauptgrund, aber durchaus mitverantwortlich für die schrecklichen Taten sein kann. Die Angst vor solchen Schiessereien in Schulen ist mittlerweile weit verbreitet, und auch in der Filmwelt hat man sich bereits einige Mal damit beschäftigt. White Rabbit oder April Showers thematisieren solche Amokläufe aus verschiedenen Blickwinkeln mit dem deutlichen Augenmerk auf das Schreckensszenario. We Need To Talk About Kevin dreht den Spiess um und erzählt die schreckliche Zeit für die Familie des Täters nach dem Amoklauf. Sogar in Serien wie Glee oder One Tree Hill gibt es eine Episode, die sich mit einem Amoklauf auseinandersetzt.

Matt Johnsons Erstling The Dirties als einfachen Amoklauf-Thriller anzupreisen wäre falsch. Viel mehr geht es in diesem einfach inszenierten Drama darum, wie schnell aus viel Rauch um nichts ein loderndes Feuer ausbrechen kann. Zwei gequälte Seelen drehen einen Film, in dem sie sich an ihren Peinigern rächen. Ein schlichtes und doch ehrliches Unterfangen, dass immer die gewisse Lockerheit mit sich bringt, damit man keinesfalls auf dumme Gedanken kommt.

Doch hier zeigen sich eindeutig Schwächen im Drehbuch auf. Die Entwicklungen der Geschichten machen durchaus Sinn, sind aber nur bedingt tiefgründig. Die Psyche der Protagonisten erhält ein schemenhaftes Abbild, kann aber nicht genug erforscht werden und bleibt zu trivial, um Hintergründe oder mehr als typische Motive auszumachen. So ist The Dirties oftmals etwas zu simpel und versucht mit einfachsten Mitteln, die Folgen des einst als Joke gedachten Schulprojekts und der darin enthaltenen Rachegelüste zu vertiefen.

Viel interessanter ist die Freundschaft zwischen Matt und Owen, die sich im Laufe der Geschichte entscheidend verändert. Ebenso passend ist dabei das natürlich dargestellte Leben an der High School. Hier kann sich für einmal auch der ansonsten eher störende Low-Budget-Look mit dazugehöriger Wackeloptik auszeichnen. Am originellsten ist The Dirties aber immer dann, wenn sich Matt und Owen ihrem eigenen Filmprojekt widmen. Die Hingabe, die unterdrückte Wut, die symbolischen Gefühlsausbrüche und die geschwindelte, aber ironisch verpackte 'Ist doch alles nur Spass'-Attitüde lässt die beiden Regisseure wertvoller erscheinen, auch wenn ihre psychischen Probleme nur ansatzweise auf den Zuschauer übergehen.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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yan

Filmkritik: Matt & Owen vs. High School

woc

Starker Film, der sich einmal mehr mit der Bullying-Thematik an einer High-School befasst. Dieses Jahr am Sundance gefeiert und dies zu Recht. Matt Johnson zeigt ein kompromissloses, emotionales Independent-Werk. Wen dieses Thema interessiert, muss hier unbedingt zugreifen.

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Trailer Englisch, 01:54