Le Démantèlement (2013)

Le Démantèlement (2013)

  1. 111 Minuten

Filmkritik: Belämmerter Schafzüchter

Eine Farm mit allem und Schaf
Eine Farm mit allem und Schaf © cineworx

Der alte Schafzüchter Gaby Gagnon (Gabriel Arcand) lebt schon seit Jahrzehnten auf der Farm, die ihm und seinen Brüdern vom Vater vermacht wurde. Die Brüder konnten mit dem Landleben jedoch genau so wenig anfangen wie Gabys Exfrau und seine beiden Töchter Marie (Lucie Laurier) und Frédérique (Sophie Desmarais), die ihren Vater kaum noch besuchen. Doch dann taucht eines Tages völlig unerwartet Frédérique vor Gabys Türe auf - ein Besuch mit Folgen.

"Also, wegen deinen Schulnoten, Fräulein..."
"Also, wegen deinen Schulnoten, Fräulein..." © cineworx

Vor kurzem hat sich Frédérique von ihrem Mann getrennt. Damit sie und ihre beiden Kinder die schöne Bleibe in Montréal behalten können, braucht sie ein Darlehen von 200'000 kanadischen Dollars. Als Sicherheit soll nun ausgerechnet die Farm dienen, der sie - wie ihrem Vater - vor Jahren den Rücken gekehrt hat. Obwohl Gaby einwilligt, bietet der Bank die Farm jedoch zu wenig Sicherheit. Die einzige Möglichkeit, seiner Tochter jetzt noch zu helfen, ist der Verkauf der Farm inklusive aller Geräte und Zuchttiere. Ein langsamer Abschied nimmt seinen Anfang...

Le Démantèlement ist ein traurig stimmender Film, bei dem man versuchen muss, sich in in den Protagonisten hineinzufühlen. Der kanadische Regisseur Sébastien Pilote überlässt in dieser Hinsicht vieles dem Zuschauer, doch hat man sich mal mit dieser Figur angefreundet, schmerzt ihr Schicksal ungemein. Der Film ist zwar - was viele abschrecken wird - etwas lahm in der Inszenierung, aber trotzdem sehenswert.

Bloss nicht mit einer Depression in diesen Film gehen! Sébastien Pilotes Drama Le Démantèlement ist zwar ein ruhiger, aber in seiner Ruhe ein sehr trauriger Film. Mit gemächlichen Tempo zeigt der Regisseur das Abschiednehmen eines Farmers, der sein ganzes Leben immer gearbeitet hat und nun am Ende alles zu verlieren droht: Zuhause, Arbeit und sogar den einzigen Freund, ein über die Jahre immer treuer Hund.

Pilote inszeniert dies alles sehr fein ohne grosse Gefühlsausbrüche. Die Hauptfigur ergibt sich fast schon stoisch ihrem Schicksal, doch hinter diesem Gesicht öffnet sich eine unglaubliche Tiefe. Wenn sich Gaby ein kleines Appartement in der Stadt ansieht und man danach wieder sein wunderschönes Fleckchen Erde in Natur sieht, tut dies weh.

Mit 111 Minuten ist Le Démantèlement jedoch eindeutig zu lange geraten. Irgendwann haben wir es gesehen, wie der Protagonist seiner täglichen Arbeit nachgeht. Eine halbe Stunde kürzer hätte der Film schon sein dürfen. Die Blicke auf die Uhr wären so etwas weniger häufig gewesen. Beim Soundtrack wäre zudem etwas mehr Abwechslung wünschenswert als die immer gleichen Gitarrenklänge. Der Wirkung des Filmes tut dies jedoch keinen Abbruch.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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