Cheap Thrills (2013)

Cheap Thrills (2013)

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  2. 88 Minuten

Filmkritik: "Ich gebe dir 20 Stutz, wenn..."

Spoiler Alert!
Spoiler Alert! © Studio / Produzent

Craig (Pat Healy) ist ein frischgebackener und stolzer Vater und glücklich verheiratet. Doch die finanzielle Notlage und der Verlust seiner Arbeitsstelle ziehen ihm den Boden unter den Füssen weg. Fix und fertig zieht es ihn abends in eine abgelegene Bar, wo er zufällig seinen alten Schulfreund Vince (Ethan Embry) antrifft. Der Freigeist ist ebenfalls knapp bei Kasse und lebt von der Hand in den Mund. Als sie vom zuvorkommenden und etwas abgedrehten Colin (David Koechner) und seiner blutjungen und bildhübschen Frau Violet (Sara Paxton) zum Drink eingeladen werden, kommen die vier ins Gespräch.

Colin, der mit Geld und Koks nur so um sich wirft, gibt den zwei Herren die Möglichkeit, sich ihren Geldbeutel aufzufüllen. Er erteilt ihnen einfache Aufgaben und nennt den Preis, den er dafür zahlen würde. Während die einen des Geldes wegen in diverse Dummheiten spazieren, amüsiert sich das reiche Paar an den witzigen Wetten. Als Craig bei einer Aufgabe verletzt wird, verschieben sich die vier ins Haus von Colin und Violet. Dort angekommen, bemerkt Vince, wie viel Geld Colin versteckt hat und beschliesst zusammen mit Craig, das Geld zu stehlen. Doch der Hausherr und seine Gemahlin haben andere Pläne.

Wer hat schon einmal für Geld etwas völlig Dämliches gemacht oder einem Freund ein Bier versprochen, wenn er irgendeine witzige Dummheit anstellt? Genau, so ziemlich jeder. Vermehrt lassen sich auch Promis auf solchen Spielchen ein und gehen dafür ins Dschungelcamp oder werden vor laufender Kamera in peinliche Situationen verwickelt. Geld ist Macht und Geld regiert die Welt. Wer zu wenig hat, geht manchmal eigenartige Wege, um an mehr zu gelangen. Unter bestimmten Umständen braucht bloss einer eine hirnrissige Idee auszuplaudern und ein paar Geldnoten dafür anzubieten, und die Menge springt wie räudige Hunde darauf ein. In E.L. Katzs Regiedebüt Cheap Thrills bilden diese angesprochenen 'Aufgaben für Geld' die Rahmenhandlung in einer überaus kritischen und derben Thrillerkomödie.

Mit Pat Healy (Compliance), Ethan Embry (Eagle Eye) und David Koechner (Anchorman) hat die schmerzhafte, aber durchaus humoristisch vorgetragene Tour de Force drei ausgezeichnet agierende Darsteller im Spiel. Vor allem Koechner zeigt für einmal, wozu er fähig ist. Der sonst eher für Blödelfilme bekannte Schauspieler verwandelt sich hier in eine Figur mit vielen verschiedenen Gesichtern und lässt die Zuschauer immer wieder ins Leere laufen. Natürlich ist dies auch der exzellenten Charakterzeichnung und deren Entwicklung innerhalb der Geschichte zu verdanken. Healy und Embry spielen ihre verzweifelten Marionetten Craig und Vince mit einer leicht übertriebenen Menschlichkeit, die jedoch angesichts der Umstände psychologisch realistisch und daher auch beängstigend wirkt. Violet, gespielt von Sara Paxton (The Innkeepers), dient vordergründig lediglich als Eye-Candy. Ihre Figur bleibt zwar bis zum Schluss eintönig, doch die Gründe ihres fadenscheinigen Verhaltens sind unverkennbar und geradezu essentiell für die Story.

Den Drehbuchautoren David Chirchirillo und Trent Haaga ist es gelungen, ein alltägliches und in nicht wenigen Fällen auch unterhaltsames Szenario in ein sozialkritisches, völlig aus dem Ruder laufendes und blutgeiles Ungetüm zu transformieren. Mit vielen Wendungen und raffinierten Entwicklungen der Geschehnisse zieht sich die Spannungsschlinge immer mehr zu, und plötzlich sind Protagonisten wie auch Zuschauer dem Hardcore-Dschungelcamp aussichtlos ausgeliefert.

Fazit: Was uns E.L. Katz mit seinem Debüt hier um die Ohren haut, ist zutiefst beunruhigend, erschreckend realistisch, aber auch unheimlich unterhaltsam. Ein ausgestreckter Mittelfinger an die Gesellschaft ist in Cheap Thrills genauso verankert wie eine kritische Standpauke an die Adresse des Kapitalismus. Wer sich von nun an für Geld zum Affen machen lässt, wird wohl unweigerlich an diesen makabren Schocker zurückerinnert.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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Kommentare Total: 2

yan

Filmkritik: "Ich gebe dir 20 Stutz, wenn..."

db

Gute Mischung zwischen Sozialkritik und knallhartem Schocker mit einem grossartigen Cast und netten Twists and Turns. Selbst wenn die Handlung zu erahnen ist, ist man bis zum Schluss dabei.

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Trailer Englisch, 02:29