Blutgletscher (2013)

Blutgletscher (2013)

  1. 98 Minuten

Filmkritik: Ma hamn a tollwütiga Fux!

Vier Männer und ein Baby-Geviech
Vier Männer und ein Baby-Geviech © Studio / Produzent

Klimaforscher Janek (Gerhard Liebmann), sein Hund und sein Team arbeiten in einer abgelegenen Station in den Alpen. Sie überwachen die kleinsten Änderungen des Klimas und die Auswirkungen auf die Gletscher der Umgebung. Bei einer Erkundung entdeckt Janek einen mit einer roten Flüssigkeit bedeckten Gletscher und eine Höhle, in der er einen besonders aggressiven Fuchs vorfindet. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der blutähnlichen biologischen Substanz und dem gefährlichen Tier?

Nachdem eine Probe des Blutgletschers genommen und untersucht worden ist, wird klar, dass es die Truppe mit einer DNS-beeinflussenden, biologischen Substanz zu tun hat, die den Fuchs mutiert zu haben scheint. Was passiert, wenn weitere Tiere oder gar Menschen mit der Flüssigkeit in Kontakt kommen? Und all dies passiert gerade jetzt, als die Geldgeber und Janeks Exfreundin vorbeikommen wollen, um die Station zu besichtigen.

Ein knappes Budget kann bei Genreproduktionen Wunder wirken: Die Filmemacher sind zur Kreativität aufgefordert, und ein wenig Zurückhaltung hat noch selten geschadet. Doch im Falle des österreichischen Horrorfilmes Blutgletscher wäre ein wenig "mehr" nicht weniger, sondern halt eben mehr gewesen.

Als Vorbild für Marvin Krens Monsterhorror galt offensichtlich John Carpenters The Thing-Remake - fast schon zu offensichtlich. So muss auch hier der Protagonist Gesichtsbehaarung tragen, doch ein Bart macht noch keinen Kurt Russell. Hauptfigur Janek ist weder besonders cool noch besonders charmant noch besonders besonders. Sein romantischer Subplot und die Freundschaft zu seinem Hund sind aus einer Klischeeschublade der Genrekommode, wo sich Regisseur Marvin Kren auch in anderen Belangen grosszügig bedient hat. Die ganze Truppe der Figuren ist nicht der Rede wert, und viele der schauspielerischen Darbietungen sorgen für unfreiwillige Komik.

Doch funktioniert wenigstens der Horror? Auch hier muss man die "Leider Nein"-Tafel hochhalten. Jeder Angriff der mutierten Viecher findet in der Dunkelheit statt, während der Kameraman einen Harlem Shake aufs Plateau legt. so bekommt man als Zuschauer nie einen Eindruck, wie genau diese Monster eigentlich aussehen sollten, und Angstzustände setzen höchstens dann ein, wenn man sich Gedanken darüber macht, wer diesen Film für eine gute Idee hielt. Das einzige Monster, das man etwas besser sieht, ist eine riesige Kellerassel. Das ist zwar nicht gerade gruselig, aber zumindest ist hervorzuheben, dass oft auf praktische Effekte gesetzt und grösstenteils auf Computerzauber verzichtet wird.

Beim Humor, der sich durch den Film zieht, ist man nie ganz sicher. "Soll das so lustig sein?" und "Meinen die das ernst" sind Fragen, auf die es schwierig ist, eine Antwort zu finden. Vielleicht liegt ein Teil der Lacher auch daran, dass man die Standarddialoge des Genres selten im österreichischen Dialekt hört. Doch in einer anderen Sprache wäre der Film ein stumpfsinniger Abklatsch ohne Gruselfaktor und mit einer Öko-Botschaft, die dünner ist als unsere Ozonschicht.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Trailer Englisch, 01:23