As I Lay Dying (2013)

As I Lay Dying (2013)

  1. 110 Minuten

Filmkritik: Wenn zwei Hälfen kein Ganzes ergeben

"Frag mich ja nie wieder was zu 'Spider-Man'."
"Frag mich ja nie wieder was zu 'Spider-Man'." © Studio / Produzent

Im Hause Bundren gibt es einen Todesfall zu beklagen: Mutter Addie (Beth Grant) ist gestorben und hinterlässt ihren Ehemann Anse (Tim Blake Nelson) sowie deren Kinder Cash (Jim Parrack), Darl (James Franco), Jewel (Logan Marshall-Green), Dewey Dell (Ahna O'Reilly) und Vardaman (Brady Permenter). Bevor sie starb, äusserte Addie noch den Wunsch, in ihrer alten Heimat Jefferson die letzte Ruhe zu finden.

Die Brücken am Fluss
Die Brücken am Fluss © Studio / Produzent

Die ganze Familie macht sich deshalb auf eine lange Reise, die sich als weit schwieriger herausstellt als zuerst angenommen. Denn um an ihr Ziel zu kommen, müssen sie 40 Meilen Landstrasse auf einem Mauleselgespann hinter sich bringen. Erste Probleme tauchen auf, als sie einen Fluss überqueren müssen und Cash sich dabei ein Bein bricht. Von nun an muss sich die Familie auch um ihn kümmern und zudem schauen, dass sie weiterhin so schnell wie möglich nach Jefferson kommt. Denn die Leiche im Sarg lockt erste Geier an.

Was James Franco nicht alles ist. Hauptberuflich nennt er sich zwar Schauspieler, doch nebenbei verfolgt er auch noch eine Karriere als Künstler, und in letzter Zeit traf man ihn mehr hinter als vor der Kamera an. Mit As I Lay Dying legt er nun sein bisher ambitioniertestes Werk vor: eine Verfilmung von William Faulkners 1930 erschienenem Roman, der von einigen Experten als einer der besten des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird. Faulkners Buch ist zweifelsohne kein einfaches zu adaptieren, enthält die Geschichte doch 15 verschiedene Charaktere, die in 59 Kapiteln alle was Wichtiges zu sagen haben.

Um diesem Übermass Herr zu werden, hat sich der gute Franco Folgendes überlegt: Das Bild wird immer mal wieder mit Splitscreens geteilt, sodass eine Szene aus zwei verschiedenen Winkeln gezeigt werden kann. Während dies bei 24 gang und gäbe war und selbst Oscarpreisträger Ang Lee bei seinem Hulk solche Experimente wagte, funktioniert das Gimmick hier gar nicht. Dies, weil es sich für die Zeit, in welcher Film spielt, einfach falsch anfühlt, weil man so immer wieder aus der Geschichte herausgerissen wird und weil zu allem Übefluss vielmals nichts Nennenswertes auf einem oder manchmal auch beiden Ausschnitten geschieht.

So entsteht dann auch nicht wirklich ein Filmfluss. Diesen Film zu geniessen fällt aber auch noch aus einem anderen Grund schwer: wegen der Sprache. Die Figuren schwafeln allerhärtestes Südstaatenenglisch, womit auch die englischsprachigen Kollegen in Cannes ihre liebe Mühe hatten und doch tatsächlich zusätzliche englische Untertitel verlangten. Am wenigsten versteht man das Familienoberhaupt Anes, welcher von Tim Blake Nelson gespielt wird. Neben ihm spielen weiter Logan Marshall-Green (Prometheus) Danny McBride (Pineapple Express) und natürlich Franco himself mit, wobei bei Letzterem der Akzent immer mal wieder wechselt. Da blieb wohl das eine oder andere Mal die Konzentration hinter der Kamera. Eine Entdeckung ist hingegen Newcomerin und Franco-Ex Ahna O'Reilly, die nicht nur am deutlichsten spricht, sondern deren Schicksal auch am meisten interessiert.

Fazit: Operation schiefgegangen, Film tot. James Franco stellt sich mit dem Splitscreen-Vorgehen selbst ins Bein und macht so seinen achten Langspielfilm als Regisseur zur Geduldsprobe für den Zuschauer. Künstlerische Freiheiten in Ehren, aber hier hätte ihm mal jemand auf die Finger hauen sollen. Den eigenwilligen Franco dürfte dies kaum kümmern, was ihn wieder einen Schritt näher zum OutNow-"Liebling" Vincent Gallo bringt.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Kommentare Total: 2

pps

Das klingt ja absolut furchtbar! Dabei ist das so ein tolles Buch. Splitscreens tönt aber wirklich wie die schlechteste Idee überhaupt. Was hat der denn da geraucht? 😴

crs

Filmkritik: Wenn zwei Hälfen kein Ganzes ergeben

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Trailer Englisch, 01:21