An Episode in the Life of an Iron Picker - Epizoda u zivotu beraca zeljeza (2013)

An Episode in the Life of an Iron Picker - Epizoda u zivotu beraca zeljeza (2013)

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  2. 75 Minuten

Filmkritik: Arm, aber glücklich!

Am Lagerfeuer der Moderne
Am Lagerfeuer der Moderne © trigon-film

Nazif (Nazif Mujic) und Senada (Senada Alimanovic) sind ein Roma-Ehepaar in Bosnien-Herzegowina. Zusammen mit ihren beiden Mädchen Sandra und Šemsa führen sie ein karges, aber glückliches Leben. Brennholz hackt der Papa selber im nahen Wald. Die Mutter bäckt mit den Kindern Käsewähe und wäscht die Wäsche von Hand. Das einzige Einkommen der Familie sind die paar Mark, die sich Nazif auf dem Schrottplatz verdient, wo er zusammen mit dem Nachbarn Teile aus ausgeweideten Autowracks verkauft.

Notfallmässige Einweisung
Notfallmässige Einweisung © trigon-film

Als Senada über Bauchschmerzen klagt, muss Nazif reagieren. Er fährt mit seiner Frau ins Spital in der weit entfernten Stadt. Man diagnostiziert eine Fehlgeburt als Grund, und die inneren Blutungen bei Senada erfordern eine sofortige Operation. Doch Nazif und Senada sind bei keiner Krankenkasse versichert. Die fast 1000 Mark, welche die Spitalleitung als Vorschuss haben möchte, können sie nicht aufbringen. Es bleibt Nazif nichts anderes übrig, als seine Frau unoperiert wieder nach Hause zu nehmen.

So einfach kann ein Film sein. Man zeige Laiendarsteller bei simplen Tätigkeiten wie Holzhacken, Teigen oder DVD schauen und fertig ist das Bild von grundsympathischen, rechtschaffenen Menschen, deren Schicksal einem vorgeführt wird. Der bosnische Filmemacher Danis Tanovic, der für seinen Erstling No Man's Land 2002 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde, machte bisher vor allem mit Kriegsfilmen von sich reden. In Epizoda u zivotu beraca zeljeza kommt der Balkankonflikt aber nur einmal am Rande kurz vor, wenn Nazif von seiner Vergangenheit erzählt, und alles ist viel einfacher gehalten als eine Erzählung auf einem Schlachtfeld.

Vielleicht ist es eine Flucht nach vorn von Tanovic, nach dem mit Preisen überhäuften No Man's Land etwas ganz anderes zu machen. Sogar der Titel, der sich als "Eine Episode im Leben eines Eisenhändlers" übersetzen lässt, gehorcht der von allem Schnickschnack befreiten Maxime des Films. Im winterlichen Bosnien schlägt das Schicksal einfachsten Leuten einen Streich. Mehr ist da nicht. Und nicht nur dass die perfekt gewählten Darsteller ihre bürgerlichen Namen für den Film behalten durften, hinterlässt einen quasi-dokumentarischen Eindruck. Man kann nicht anders, als sich einen Tag in der bosnischen Stube mit den herumtollenden Kindern genau so vorzustellen, wie er im Film gezeigt wird. Und alle Befürchtungen, dass der verzweifelte Vater in seiner Not auf die schiefe Bahn gerät, bewahrheiten sich zum Glück nicht.

Epizoda u zivotu beraca zeljeza ist eine simple, lineare Erzählung über Ohnmacht, Scham und Familienglück. Mit einfachsten Mitteln wird dank dem Wettlauf gegen die Zeit sogar etwas Suspense generiert. Gutes Laiendarsteller-Kino, das überall spielen könnte, wo Armut herrscht.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:52