American Horror Story: Coven (2013)

American Horror Story: Coven (2013 / Serie)

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  2. 60 Minuten

Serien-Review: Hokus Pokus Fidibus, Ryan Murphy hat 'nen Schuss!

"Fühl mal!"
"Fühl mal!" © Studio / Produzent

Zoe (Taissa Farmiga) hat ein Problem: Als sie zum ersten Mal mit ihrem Freund schläft, stirbt dieser an einer Hirnblutung. Dies bringt die verwirrte Teenagerin darauf, dass sie eine Hexe sein muss. Sofort wird sie in einen geheimen Hexenclub in New Orleans geschickt. Dort angekommen, trifft sie auf die anderen Junghexen Madison (Emma Roberts), welche telekinetische Fähigkeiten besitzt, die wie eine Voodoo-Puppe agierende Queenie (Gabourey Sidibe) und die hellsichtige Nan (Jamie Brewer). Geführt wird der edle Club von Oberhexe Fiona (Jessica Lange), welche um jeden Preis jugendlich bleiben will und es darauf abgesehen hat, die stärkste der jungen Hexen ganz genau im Auge zu behalten. Ihre Tochter Cordelia (Sarah Paulson) scheint die hinterhältigen Pläne ihrer Mutter aber durchschaut zu haben.

"Kennt ihr Gläserrücken?"
"Kennt ihr Gläserrücken?" © Studio / Produzent

Während Zoe, Madison, Queenie und Nan ihre Fähigkeiten stärken und damit ein Chaos veranlassen, muss auch Fiona einsehen, dass es gewisse Personen auf ihr Leben abgesehen haben. Dabei spielt die Voodoo-Hexe Marie Laveau (Angela Bassett) eine wichtige Rolle. Aber es kommt noch schlimmer: einige der Junghexen beleben die Serienmörderin Delphine LaLaurie (Kathy Bates) und provozieren damit einen fulminanten Kampf, in welchen sich auch die in den Wäldern hausende Hexe Misty Day (Lily Rabe) einmischt. Fehlt nur noch der Hexenrat, welcher nach New Orleans reist, um die neue "Oberste" zu finden.

American Horror Story ist so etwas wie Pflichtprogramm für Horrorfans geworden. Ryan Murphys erfolgreiche Anthologie, welche bereits zwei albtraumhafte Staffeln ins Heimkino brachte, widmet sich in der dritten Runde mit dem simplen Titel Coven nun dem Thema Hexen: weg von düsteren, psychotischen Settings, hin zum Mädelsclub, sarkastischen Sprüchen und einer grossen Portion Humor. Diese Entwicklung klingt interessant, verwässert aber den Grundgedanken, welchen die Serie von Anfang an so stark machte und führt zur Frage, ob die goldenen Zeiten der Horrorserie bereits vorbei sind.

Wir hatten bereits ein mörderisches Geisterhaus und wir hatten eine mehr als verquere Nervenheilanstalt. In der dritten Runde des Serien-Hits American Horror Story entführt uns Mastermind Ryan Murphy ins feuchtfröhliche New Orleans und widmet sich einem - wie könnte es anders sein - weiteren klassischen Horrorthema: Hexen. Viele altbekannte Gesichter sind wieder mit dabei, allen voran Jessica Lange, welche bisher immer den Lead übernommen hatte. Mit Emma Roberts kommt nun aber jugendliche Frische in die Story, was unschwer erkennen lässt, dass Murphy seiner Serie etwas neuen Glanz verleihen und sich weiterentwickeln will. Aber keine Angst, Jessica Lange rockt Coven genau so, wie sie die zwei vorigen Staffeln gerockt hat.

Mittlerweile hat das Showrunning-Team sichtlich Freude an der heissgeliebten Anthologie: In Coven wüten cineastische Weitwinkel-Einstellungen, Fischauge-Optiken und irre Kamerafahrten, welche die poppigen Charaktere umgarnen. Murphy beweist, dass sein Auge für Ästethik zweifellos das Qualitätsgütesiegel seiner Serie ist. Obwohl die bekannten Gesichter neue Rollen besitzen, sind die Karten schnell gemischt und das Horrorspiel kann seinen Lauf nehmen. Es gelingt bereits beim Auftakt, dem Hexenthema neuen Schwung zu geben, ohne sich mit ultrabilligen Klischees abzugeben.

Hartgesottene Fans dürften jedoch etwas die Stirn runzeln: Coven startet mit einer grossen Portion Humor und wirkt durch Emma Roberts' Charakter auch etwas weniger düster als die Vorgänger. Um nicht harmlos zu wirken, wird mit der (wahren) Story der Sklavenmörderin Delphine LaLaurie trotzdem haufenweise Blut vergossen und damit Szenen integriert, bei denen man gerne kurz die Augen zukneift.

Es macht Spass, die grandiose Besetzung in neuer Formation zu erleben. Emma Roberts' Darstellung hat sogar dazu geführt, dass mit Scream Queens ein Ableger im typischen Slasher-Format produziert wurde. Die Chemie zwischen Sarah Paulson und Jessica Lange könnte besser nicht sein, und Gabourey Sidibes sarkastische Einlagen sind absolute Highlights. In Coven kommen aber auch Nebenrollen wie die von Denis O'Hare voll zum Zug. Es ist toll, wie die Rochade pro Staffel dazu führt, die Darsteller in einem ganz anderen Blickwinkel sehen zu können. American Horror Story setzt damit nicht nur einen Trend, sondern ist mit dieser Vielfältigkeit bisher ungeschlagen.

Trotz der vielseitigen Story, den wirklich bezaubernden Charakteren und der cineastischen Brillianz kann die Serie nicht mehr an die zwei ersten Staffeln anknüpfen. Der Horrorschmaus spielt immer noch auf hohem Niveau, aber gerade in dieser dritten Runde durchschaut man die Tricks der Showrunner sehr schnell. Für einige mag der absichtlich platzierte Humor zudem etwas fremdlich wirken. Teilweise scheint es sogar so, als würde Jessica Lange ihre eigene Story verfolgen und wäre von dem "jungen Gemüse", welches in Coven die Oberhand nehmen will, wenig angetan. Obwohl immer gemunkelt wurde, dass es Langes letzte Staffel von American Horror Story sei, kam die King-Kong-Lady dann in Freak Show doch nochmals aufs Spielfeld.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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