Adore (2013)

Tage am Strand

Adore (2013) Tage am Strand

Oder: Yippee Kay- Hey, Motherlovers!

Only you, my Schatz, on the Luftmatratz!

Only you, my Schatz, on the Luftmatratz!

Lil (Naomi Watts) und Roz (Robin Wright) sind seit ihrer Kindheit beste Freundinnen. Sie leben in einem malerischen australischen Küstenort und sind mittlerweile in ihren Vierzigern. Sie verbringen noch immer so viel Zeit miteinander, dass man im Ort sogar munkelt, sie seien in einer Liebesbeziehung. Lil ist verwitwet und lebt alleine mit ihrem 19-jährigen Sohn Ian (Xavier Samuel), während Roz zwar einen Mann (Ben Mendelsohn) hat, den aber nur selten zu Gesicht bekommt. Auch sie hat mit Tom (James Frecheville) einen Sohn, der an der Schwelle zum Erwachsensein steht.

"Dieser Hut steht dir gut!"

"Dieser Hut steht dir gut!"

Eines Abends wirft sich der junge Ian an die verheiratete Roz und eine Affäre beginnt. Kurz darauf beginnt auch Lil eine Beziehung mit dem Sohn ihrer besten Freundin. Obwohl alle vier Beteiligten wissen, wie verrückt das Ganze eigentlich ist, führen sie das unkonventionelle Verhältnis fort. Die zwei Frauen fürchten dabei, dass die Jungs eines Tages genug haben und mit einem jungen Flittchen verschwinden. Gibt es überhaupt eine Zukunft für die beiden Paare?


Film-Rating

Basierend auf einer Kurzgeschichte der Nobelpreisträgerin Doris Lessing, erzählt Adore eine im Grunde genommen düstere und verstörende Geschichte, versteckt dies jedoch immer wieder. Durch die ruhige und leichte Inszenierung, die wunderschönen Strandhäuser, wo man auf der Veranda genussvoll tanzt oder Wein trinkt, und die brechenden Wellen, die sich ganz toll mit einem Surfbrett reiten lassen, entsteht ein durch und durch sommerlicher Film, der erzählerisch und stimmungsmässig im totalen Kontrast zur eigentlichen Handlung steht. Dies kommt dem Film zugute, schadet ihm aber auch.

Zwei Mütter tun es. Und dies mit dem Sohn der besten Freundin. Würde man die Geschlechter umtauschen, würden Sittenapostel wohl gar noch lauter ausrufen. Doch bereits in der hier dargestellten Situation ist das Verhalten aller Beteiligten mehr als fragwürdig. Diese Tatsache macht die beiden notgeilen Hauptfiguren schon von Anfang an unsympathisch. Hätte man nicht die Ausnahmeschauspielerinnen Naomi Watts und Robin Wright verpflichtet, die sowohl das Aussehen, als auch das Können für die komplexen Rollen haben, der Film wäre verloren gewesen. Doch auch so ist es nur schwer möglich, einen Bezug zu ihnen zu finden. Reich, egoistisch und selbstverliebt wirken die zwei, und dass sich gleich beide auf so eine Affäre einlassen, scheint schon ziemlich unglaubwürdig.

Der grösste Störfaktor sind aber die Söhne. Wir erfahren nichts über ihre Kindheit und das Aufwachsen im australischen Küstenort. Ob sie sich jemals überhaupt für Mädchen interessierten oder noch nie Freundinnen hatten. Während man bei den Müttern eine gewisse sexuelle Frustration und Angst vor dem Alter als Begründung noch knapp in Kauf nehmen kann, bleibt die Motivation der Söhne völlig unverständlich. Der Film nimmt dann auch ein ziemlich unvorhersehbares Ende, das zwar überrascht, aber auch verstört.

Adore ist super gespielt und bietet schöne Bilder. Regisseurin Anne Fontaine verzichtet trotz Tabu-Thema auf reisserisch-provozierende Szenen und die Handlung bleibt durch die verschiedenen Stimmungsschwankungen immer interessant und geht im letzten Drittel gar unerwartete Wege. Da die Figurenzeichnung der Söhne mangelhaft und das Grundthema an sich wenig Sympathie für die Figuren mit sich bringt, bleibt Adore ein Drama, bei dem eine gewisse Distanz zum Zuschauer nicht eliminiert werden kann.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

15.11.2013 / ma

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Bewertung: 3.5 (12 Bewertungen)

 

 

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