47 Ronin (2013)

47 Ronin (2013)

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  2. 118 Minuten

Filmkritik: Harakiri Deluxe

Die Grillparty war ein Schuss in den Ofen.
Die Grillparty war ein Schuss in den Ofen. © Universal Pictures Switzerland

Kai (Keanu Reeves) wird als kleiner Junge von Samurai-Meister Asano (Min Tanaka) aufgenommen, nachdem er in den naheliegenden Wäldern gefunden wurde. Von den restlichen Samurai wird Kai ausgeschlossen, da er ein Halbblut ist. Nur mit der schönen Mika (Ko Shibasaki), der Tochter des Meisters, versteht er sich gut und beginnt auch Gefühle für sie zu entwickeln. Für ein Turnier wird der grosse Lord Kira (Tadanobu Asano) eingeladen. Während Asano und seine Samurai sich auf ein Fest einstellen, haben Lord Kira und seine rechte Hand (Rinko Kikuchi) andere Pläne. Sie wollen den Asano-Clan zerstören.

Wer hat die Feuerstelle wieder nicht ausgemacht?
Wer hat die Feuerstelle wieder nicht ausgemacht? © Universal Pictures Switzerland

Mithilfe von schwarzer Magie gelingt es Kiras Muse, den grossen Meister Asano in eine Falle zu locken, was ihn teuer zu stehen kommt. Der Samurai-Meister wird zum Tod durch sein eigenes Schwert verurteilt und dem Clan droht somit das Ende. Tochter Mika wird Lord Kira versprochen, Anführer Oishi (Hiroyuki Sanada) wird eingesperrt und Kai verbannt. Ein Jahr später hat Oishi nur ein Ziel: Er will zusammen mit den anderen herrenlosen Samurai den Tod seines Meisters rächen.

Was macht eigentlich Schauspieler Keanu Reeves? Ausser dem schrecklichen Generation Um hat sich der in Beirut geborene Matrix-Star in den letzten Jahren mächtig zurückgezogen. Auch nach Man of Tai Chi, in dem er gleich Hauptrolle und Regie übernahm, sind die Zweifel am Einbruch nicht verflogen. Jetzt kehrt der einst gefeierte Darsteller aber wieder zurück auf unsere Kinoleinwände und versucht sich als Aussenseiter eines Samurai-Clans in 47 Ronin. Ob ihm die 175 Millionen teure Fantasy-Schlacht aus seinem Tief heraushilft, darf aber stark angezweifelt werden. Denn auch der von Regiedebütant Carl Rinsch inszenierte potenzielle Kassenschlager hinterlässt keinen positiven Eindruck.

Als bunter Kanarienvogel mischt sich Reeves in eine fremde Welt. Inmitten von Darstellern wie Rinku Kikuchi (Babel), Hiroyuki Sanada (Sunshine), Tadanobu Asano (Thor) und vielen weiteren japanischen Kollegen, ist er zwar Publikumsmagnet und sicherlich auch auffälligstes Mitglied im Fighter-Clan, seine Performance wird aber durch eine schlecht konstruierte und dramaturgisch ungeschickte Geschichte strapaziert. Seine Figur ist zudem, wie auch alle anderen Charaktere, mässig ausgearbeitet und lässt viele Fragen offen. Schauspielerisch gibt sich der Herr keine Blösse, auch wenn sein Auftritt im alten Japan doch ein eher unfreiwillig komisches Bild abgibt.

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Story um 47 herrenlose Samurai wurde nun bereits zum siebten Mal verfilmt und erhält in der neusten und ersten US-Version Unterstützung von allerlei Fantasyelementen. Mit unbefriedigenden CGI-Effekten und computeranimierter Optik versuchte man aber vergeblich, die legendäre Thematik künstlich aufzupeppen. Ein Blockbuster sieht anders aus! Noch schlimmer steht es um den Spannungsbogen. Ohne konstanten Drive und in ständiger Begleitung eines effekthascherischen Overkills springt 47 Ronin von Szene zu Szene. Nebenplots werden eingestreut, aber nicht erläutert, geschweige denn zu Ende erzählt, und einen roten Faden sucht man vergebens. Mit einer zu hektischen Schnitttechnik verschenkt der Film auch noch beinahe sein wichtigstes Gut: die Action. Doch wie es sich für einen anständigen Samurai-Film gehört, wird auch hier genügend gekämpft, so dass wenigstens dies einigermassen unterhaltsam in Erinnerung bleibt.

Fazit: Samuraikämpfe, Drachen und schwarze Magie. 47 Ronin versprach viel, konnte aber sein Potential nicht ausschöpfen. Die Geschichte kommt einem verpatzten Scherenschnitt gleich und legt den Fokus zu aggressiv auf die nur selten sehenswerten Special-Effects. Ob es nun an den künstlich-kitschigen Bildern, an der zu oberflächlich und holprig erzählten Story oder an der unfreiwilligen Komik, die die englische Sprache in einem japanischen Grossaufgebot einfach mit sich bringt, liegt, ist schwer zu sagen. 47 Ronin bleibt bis auf ein paar nette Einstellungen und ansprechend choreographierten Fights unter den Erwartungen, und der angestrebte Fantasybonus entpuppt sich durch eine unsaubere Arbeit als ein völliger Reinfall.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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Kommentare Total: 9

th

dass die japaner alle gebrochen englisch reden hat mich ungemein gestört - lieber hätte ich einem japanisch stammelnden reeves zugehört. und natürlich passt einmal mehr das PG-13 rating nicht zu den ansonsten genreüblichen asia-trash-fantasy-metzeleien... die kampfszenen waren ansonsten ganz ok.

Ghost_Dog

puh ziemlich lusche, riesige Enttäuschung. habe mich echt auf den Streifen gefreut, aber das war ja wohl mal gar nix -.-

Cheyenne_87

Spannender Film. Gute Effects... Soll gemäss Japan eine wahre Geschichte sein, ich kenne diese leider erst seit dem Film! Die Gräber der 47 Ronin kann man heute noch besichtigen... ich kann den Film empfehlen!

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