Wie zwischen Himmel und Erde (2012)

Wie zwischen Himmel und Erde (2012)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: Aussicht vom Dach der Welt

Schneewittchen und Rotkäppchen
Schneewittchen und Rotkäppchen © Studio / Produzent

Die Medizinstudentin Johanna (Hannah Herzsprung) hat sich zum Ziel gemacht, den Achttausender Cho Oyu zu besteigen. Der missglückte Versuch treibt sie auf ihrer Heimreise in ein tibetisches Kloster. Dort trifft sie auf den von Einheimischen verstossenen Jungen Tempa (Sangay Jäger). Als das Kloster auf der Suche nach dem "Golden Boy", dem legitimen Nachfolger des Dalai Lama, von der chinesischen Regierung überrannt wird, flüchtet Johanna zusammen mit dem Halbwaisen nach Lhasa, wo sie sich bei der Aktivistin Meto (Pema Shitsetsang) melden soll.

Hasta la vista, Baby!
Hasta la vista, Baby! © Studio / Produzent

Johanna merkt sofort, in welch gefähliche Situation sie sich und den Jungen gebracht hat. Trotzdem hat sie der Ehrgeiz gepackt, Tempa zur Flucht zu verhelfen. Zusammen mit einem Trek der Aktivisten und einer Gruppe tibetischer Flüchtlinge beginnt sie die Reise über sechstausend Meter hohe Pässe, um nach Indien in die Freiheit zu gelangen. Doch die chinesische Regierung ist der Gruppe bereits dicht auf den Fersen ...

Seit über zehn Jahren befasst sich die österreichische Filmemacherin und Buchautorin Maria Blumencron mit der gewaltsamen Unterdrückung Tibets. Nach preisgekrönten Dokumentarfilmen wagt sie sich nun zusammen mit Produzent Jörg Bundschuh an ihren ersten Kinofilm. Escape from Tibet entführt uns zusammen mit der international bestückten Besetzung auf das Dach der Welt. Tief einatmen!

Unter strengen Drehbedingungen, die teils in Ladakh (Indien) wie auch auf dem Jungfrau Joch stattfanden, mussten sich Produktionsteam und Besetzung auf mehreren tausend Metern Höhe in eisiger Kälte beweisen. Blumencrons Absicht, Autobiografisches mit Fiktion zu mischen, belohnt den Zuschauer mit eindrücklichen Bildern aus einer anderen Welt und weniger mit einer kohärenten Story. Ungradliniger Erzählfluss und holprige Dialoge bremsen das Flüchtlingsdrama an einigen Stellen. Blumencron malt schwarzweiss und zeigt mit dem Finger natürlich sofort auf die chinesische Regierung, was ihre politische Sicht unmissverständlich macht.

Escape from Tibet verdankt Hannah Herzsprung den nötigen Pfeffer, der über einige Mängel hinwegtrösten kann. Die restlichen Charaktere (darunter sogar Carlos Leal als infantiler Franzose) können mehrheitlich als Füller etikettiert werden. Den kurzen Auftritt der Berner Schauspielerin Yangzom Brauen, welche sich durch ihre tibetanischen Wurzeln immer wieder in der Öffentlichkeit für ihr Volk stark gemacht hat, hätte man durchaus noch ausarbeiten können. Nach der Flucht über die Berge lässt Escape from Tibet einige Fragen bezüglich unserer Heldin offen, zeigt aber einen interessanten Einblick in das Schicksal tibetischer Flüchtlinge und Aktivisten, die dieser Unterdrückung entgegenhalten.

Fazit: Mit Escape from Tibet kreiert Maria Blumencron ein gesellschaftskritisches Flüchtlingsdrama mit packender Ausgangslage. Das Resultat ist trotz autobiografischen Elementen und internationaler Besetzung ziemlich harmlos ausgefallen. Der Film bietet trotzdem Einblick in ein Kapitel unserer Gesellschaft, vor dem man nicht die Augen verschliessen darf.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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Trailer Englisch, mit deutschen Untertitel, 02:02