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Die Wand (2012)

Die Wand (2012)

Oder: Gefangen im Paradies

Der beste und einzige Freund dieses Menschens.

Der beste und einzige Freund dieses Menschens.

Eine Frau (Martina Gedeck) fährt mit einem befreundeten Ehepaar und dessen Hund in eine Waldhütte in den österreichischen Bergen. Dort angekommen, geht das Paar nochmals zurück ins Dorf, um etwas zu erledigen. Die Frau bleibt währenddessen mit dem Vierbeiner in der Hütte und legt sich am Abend schlafen, ohne sich gross Gedanken über den Verbleib ihrer Freunde zu machen. Als sie am nächsten Morgen immer noch die einzige Menschenseele in der Hütte ist, macht sie sich zusammen mit dem Hund auf, die anderen zu suchen.

Hier ist ihre Welt zu Ende

Hier ist ihre Welt zu Ende

Nachdem sie einige Minuten unterwegs ist, geschieht das Unvorstellbare: Sie stösst gegen eine unsichtbare Wand, durch die es kein Durchdringen gibt. Sie beginnt, nach einem Weg darum herum zu suchen, doch die Wand hat sie eingeschlossen, und alle Menschen, die sie ausserhalb sieht, machen einen festgefrorenen Eindruck. Es scheint so, als sei die Zeit auf der anderen Seite stehengeblieben. Nachdem sie den ersten Schock verdaut hat, versucht sie sich mit der neuen Situation anzufreunden und zu überleben.


Film-Rating

Der Roman "Die Wand" von Marlen Haushofer war zu deren Lebzeiten nicht wirklich ein Erfolg. Erst im neuen Jahrtausend wurde der im Jahre 1970 verstorbenen Österreicherin dank ihres Buches etwas Ruhm zuteil. Natürlich ist die titelgebende Wand nicht nur einfach eine einfache Abgrenzung à la Simpsons-Dome, sondern steht als Metapher für das Gefangensein im eigenen Ich. Wohl auch deshalb, und um die Produktionskosten niedrig zu halten, verzichtete Regisseur Julian Roman Pölser auf grosse Effekthascherei und zeigt dafür viel schöne Natur. Seine Verfilmung ist ein sehr ruhiger Film, der es aber trotzdem schafft, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

Dass es sich hier um eine Buchverfilmung handelt, wird aufgrund des Off-Kommentars schnell klar, da dieser nicht nur die Gedankengänge der Hauptfigur offenbart, sondern auch beschreibt, was gerade passiert. Dies ist zu Beginn jedoch recht störend, da man so nicht selbst Dinge entdecken kann, ob physisch oder psychisch, und so alles vorgekaut bekommt. Doch je länger der Film dauert, desto mehr gewöhnt man sich an die Stimme. Trotzdem: Hier wäre weniger mehr gewesen. Im Gegensatz dazu wird die Interpretation des Geschehens dem Zuschauer überlassen.

Für die Rolle der neben den Tieren fast einzigen Protagonistin konnte Pölser Martina Gedeck verpflichten. Die Schauspielerin, welche ihre Arbeit vor der Kamera wegen der verschiedenen gezeigten Jahreszeiten im Film immer mal wieder für ein paar Monate unterbrechen musste, spielt ohne viel Hysterie oder Theatralik ihren Part und passt damit wunderbar zur Bildsprache. Zugute kommt dem Film dabei auch, dass fast jede Handlung ihrer Figur nachvollziehbar ist und Gedeck zu jenen Schauspielerinnen gehört, denen man bereit ist, über 108 Minuten zu folgen - auch wenn im Grunde genommen nicht viel passiert.

Fazit: Die Wand ist ein Film, den man entweder geniessen oder interpretieren kann. Während das Spiel von Martina Gedeck und die Ausgangssituation genug zur Spannung beitragen, haben diejenigen, die gerne interpretieren, Freude an den vielen Metaphern, wie zum Beispiel an derjenigen mit dem einsamen weissen Raben. Ein minimalistischer Film mit fast maximaler Wirkung, dem etwas weniger Off-Kommentar sicher gut getan hätte.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

16.12.2012 / crs

Community:

Bewertung: 4.3 (11 Bewertungen)

 

 

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Kommentare:

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