The Waiting Room (2012)

The Waiting Room (2012)

  1. 81 Minuten

Filmkritik: 24 Stunden, 241 Patienten, eine Notaufname am Anschlag

Also, wer ist der Nächste?
Also, wer ist der Nächste? © Studio / Produzent

Wir befinden uns im Highland Hospital in Oakland. Das öffentliche, vom Staat finanzierte Spital ist für die Patienten da, welche über keine Krankenversicherung verfügen und sich zum Teil die ärztliche Behandlung gar nicht leisten können. Deshalb wird die Notaufnahme des Highland Hospitals nicht nur zum Treffpunkt von zum Teil Schwerkranken, sondern auch zum sozialen Schmelztiegel, in dem der Manager neben dem Asylbewerber sitzt und beide auf die dringend benötigte Behandlung warten. Behandlungen, die zum Teil erst Monate später angesetzt werden können, da der Terminkalender der Ärzte zum Bersten voll ist.

Auf der anderen Seite stehen die behandelnden Ärzte und Krankenschwestern, welche nicht nur mit den anstürmenden Massen fertig werden müssen, sondern auch einem immensen Druck ausgesetzt sind, den das System auf sie ausübt. Sie müssen nämlich nicht nur das Leben der Patienten retten, sondern sich auch Tag für Tag durch einen bürokratischen Alptraum kämpfen und mit Krankheiten fertig werden, die zum Teil überhaupt nicht dokumentiert sind. So müssen sie die Behandlung ihrer Patienten bei gefährlichen Notfällen häufig von null beginnen...

Schon seit längerer Zeit verfolgen wir erstaunt, wie in den USA um die so genannte "Obamacare" gestritten wird, bei der zum ersten Mal überhaupt alle Amerikaner mit einer Krankenversicherung ausgestattet werden sollen. Dies ist nämlich noch lange nicht so, weshalb viele auf öffentliche Spitäler wie das Highland Hospital in Oakland zurückgreifen müssen. Dort hat Regisseur Peter Nicks mit seiner Crew nach langen Verhandlungen während fünf Monaten gefilmt und die Aufnahmen dann im Film The Waiting Room zusammengefügt.

In TV-Serien wie Emergency Room sind die "Götter in Weiss" schon lange vertreten, doch was dort kombiniert mit den Soap-Elementen ganz gut funktioniert, hat nur wenig mit der Realität zu tun, welche Peter Nicks in der Notaufnahme eingefangen hat. Auf der einen Seite betrachtet The Waiting Room die wartenden Patienten, deren Geschichten zum Teil äusserst tragisch sind und im Gegensatz zu den Doku-Soaps auch sehr nüchtern und sachlich porträtiert werden. Auf der anderen Seite erhält man auch einen guten Einblick in die Maschinerie dahinter, denn selbst wenn die Schwestern im Wartesaal für jede Situation den richtigen Satz finden, um auf die zum Teil aufgebrachten Patienten einzugehen, sieht das hinter den Kulissen deutlich anders aus. Hier werden die Patienten zu Nummern, diese werden nach Prioritäten sortiert und dann einem Bett zugewiesen, das zum Teil sogar im Gang steht, weil alle Zimmer belegt sind.

Allerdings sind nicht nur die Abfertigung nach Schema für uns Europäer etwas befremdlich, sondern auch die enorm langen Wartezeiten. Es wirkt schon beinahe bizarr, wenn man zuerst die schon beinahe lebensbedrohliche Diagnose hört und dann die Aussage, dass man erst in etwa einem Monat überhaupt zum Spezialisten aufgeboten wird. Da verwundert es auch nicht mehr, dass die einen auf Gebete zurückgreifen, um den Schmerz zu lindern. Doch leider bleiben dies auch die einzigen Erkenntnisse, denn unter dem Strich bleibt The Waiting Room bloss ein Porträt des Mikrokosmos Notfallaufnahme, mit einigen Geschichten, welche jedoch meistens sehr oberflächlich bleiben. Besonders im Hinblick auf "Obamacare" hätte man den Rahmen der Doku noch etwas erweitern und auch das ganze System etwas erklären und erkunden können, was dies für die Beteiligten bedeuten würde. Nun nimmt man zwar einige Eindrücke mit, die man auf diverse Arten vertiefen und interpretieren kann, doch letztendlich hat das Ganze zuwenig Substanz und Inhalt.

Fazit: The Waiting Room zeigt für uns Europäer eindrücklich, was im Notfall in öffentlichen Spitälern von Amerika für Zustände herrschen und unter welch zermürbenden Bedingungen die Ärzte und Krankenschwestern ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Leider bleibt es bei diesen Eindrücken, denn Substanz hat der Film wenig, Fakten rund um das System gibt es auch nicht, und so beschäftigt man sich primär mit den tragischen Schicksalen der Patienten, was zurzeit auch nicht viel hergibt. Da hätte es noch Potential für deutlich mehr gegeben.

/ db