Tutto parla di te (2012)

Tutto parla di te (2012)

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  2. 83 Minuten

Filmkritik: Something from the past

Die Stunde der Wahrheit
Die Stunde der Wahrheit © Studio / Produzent

Die 60-jährige Pauline (Charlotte Rampling) kehrt in ihre Heimatstadt Turin zurück, um eine Bekannte namens Angela zu besuchen (Maria Grazia), die sie neulich im Ausland kennengelernt hat. Angela zeigt Pauline ihren Alltag, unter anderem auch ihren Beruf bei der Mutterberatungsstelle. Jeden Morgen trifft sie sich mit Pauline, um dokumentarisches Videomaterial über junge, überforderte Mütter zu besichtigen. Dabei fällt Pauline vor allem eine junge Frau auf, mit der sie sich später anfreundet: Emma (Elena Radonicich), eine attraktive Frau, die vor ihrer Schwangerschaft eine erfolgreiche Tänzerin war. Schnell merkt Pauline, dass die junge Frau in einer tiefen Lebenskrise steckt, und möchte ihr helfen. Doch das ist leichter gedacht als getan.

Begegnungen, die das Leben ändern
Begegnungen, die das Leben ändern © Studio / Produzent

Um Emma zu helfen, muss sich Pauline mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, was ihr allerdings schwerfällt. Von Anfang an scheint sie etwas zu verbergen. Etwas belastet sie sehr. Immer wieder tauchen Erinnerungen auf, die sie zu unterdrücken versucht. Pauline weiss jedoch: Sie muss ihre Vergangenheit verarbeiten, wenn sie jungen Müttern, insbesondere Emma, helfen möchte. Daher sieht sie sich zunehmend mit einer schmerzvollen Kindheit konfrontiert.

Nach diversen Dokumentarfilmen wie etwa Vogliamo anche le rose (2007) oder Per sempre (2005), wagt sich die aus Mailand stammende Regisseurin Alina Marazzi zum ersten Mal an einen Spielfilm. Dabei wendet sie sich nicht gerade einem einfachen Thema zu. Sie legt in ihrem Film Tutto parla di te die Probleme junger Mütter dar, indem sie die Geschichte abwechslungsweise mit fiktivem sowie dokumentarischem Filmmaterial erzählt.

Besonders beeindruckend ist eine kleinere Animation, die im Film mehrmals vorkommt. Diese fasziniert mit ihrem ganz eigenen Charakter. Im Gegensatz zum Rest des Filmes wirkt sie amüsant und aufmunternd und stellt somit eine gute Balance zwischen harter Realität und leichter Traumwelt dar. Der Film spielt immer wieder mit realen und fiktiven Elementen. Die verschiedenen Narrations-Ebenen verleihen ihm dabei eine besondere Tiefe.

Eine zusätzliche Tiefe strahlt der Blick der Schauspielerin Charlotte Rampling aus, für den sie ohnehin schon bekannt ist. Leider hat man aber oft das Gefühl, dass die Rolle der Pauline für Rampling beinahe zu einfach und banal ist. Charlotte Rampling blüht in ihrer Rolle nicht wirklich auf, ihre Kapazitäten werden nie ganzheitlich ausgeschöpft. Daher wäre eine andere Schauspielerin für diese Rolle wahrscheinlich besser geeignet gewesen, oder man hätte die Person der Pauline etwas komplexer stricken müssen.

Tutto parla di te hat allgemein viel zu bieten: Dokumentation, Fiktion und Animation - der Film ist abwechslungsreich und bietet inhaltlich sowie ästhetisch sehr viel. Dem Zuschauer wird es sicher nie langweilig, obwohl man doch erwähnen muss, dass sich manche Szenen ein bisschen in die Länge ziehen. Dennoch sieht man gerne über die etwas länger geratenen Stellen hinweg, sodass der Film im Grossen und Ganzen doch sehr gelungen ist.

/ dsa