The Tall Man (2012)

The Tall Man (2012)

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  3. 106 Minuten

Blu-ray-Review: Wo sind die Kinder?

Wo ist meine Zigi?
Wo ist meine Zigi? © Studio / Produzent

Das kleine Städtchen Cold Rock im Bundesstaat Washington ist tot. Seit die Mine geschlossen worden ist, gibt es keine Arbeit mehr für die Einwohner, und die soziale Lage der einzelnen Menschen ist katastrophal. Julia Denning (Jessica Biel) ist die Krankenschwester des Ortes und musste vor einiger Zeit den Tod ihres Mannes verkraften. Tagtäglich sieht sie das Übel der Leute und die hoffnungslose Zukunft der Menschen, die krampfhaft versuchen, den Tag zu bewältigen.

Am Ende?
Am Ende? © Studio / Produzent

Zusammen mit ihrem Sohn David wohnt sie in einem alten Haus und hört natürlich die Geschichten der Stadt. Aktuell handeln sie vom "Tall Man", einer Figur, die anscheinend Kinder entführt und um die sich Legenden und Mythen ranken. Zwar verschwinden in Cold Rock immer wieder Kinder, und die Polizei bleibt ratlos, aber damit hat wohl kaum diese Märchenfigur was zu tun. Bis eines Nachts David nicht in seinem Bett liegt und Julia eine grosse, dunkle Gestalt entdeckt, die den Jungen in einen Lastwagen steckt. Für Julia ist das der Beginn einer dramatischen Reise.

Jessica Biel sieht man nur noch vereinzelt in grösseren Filmen. So hatte sie zwar Auftritte in Hitchcock und Total Recall, aber hauptsächlich liest man von ihr in den entsprechenden Heftchen, seit sie Justin Timberlake geheiratet hat. Nun erscheint ihr neuester Film bei uns. The Tall Man mogelt dabei etwas mit den Erwartungen. Denn es] ist kein Horror- oder Gruselfilm. Nein, er ist viel mehr.

Die Story wird im kaputten Städtchen optimal angesetzt. Dort, wo die Menschen keine Zukunft haben, sich mit Alkohol betäuben und Frauen schlagen, verschwinden Kinder, und die Legende des grossen, schwarzen Mannes ist allgegenwärtig. Dass die Geschichte erstmal auf dieser Schiene fährt, ist legitim: ein bisschen Charaktere einführen und in den Nebelschwaden etwas gruseln. Dann, wenn der Twist kommt und der Zwanziger beim Zuschauer fällt, gewinnt der Film an Dramatik und Intensität. Aus einem Gruselfilm mit Geisterfigur wird ein Drama, dessen Hintergrund absolut interessant und packend ist. Vor allem die Auswirkungen auf einzelne Figuren und Handlungen. Ganz stark!

Schauspielerisch darf Mrs. Timberlake mal wieder zeigen, dass sie eigentlich gut agieren kann und das auch gerne öfters tun sollte. Anfänglich stark, zerbricht die Figur im Lauf der Geschichte immer mehr, und die Bürde, die sie tragen muss, scheint unmenschlich zu sein. Neben Jessica Biel treffen wir auch auf das Faltengesicht von Stephen McHattie (The Watchmen) und den Zigarettenraucher aus The X-Files, William B. Davis. Beide bleiben mit ihren Rollen jedoch im Hintergrund, da vor allem die Story und Frau Biel im Mittelpunkt stehen.

Fazit: The Tall Man ist überraschend. Überraschend gut. Anfänglich als Gruselfilm von der Stange abgetan, entwickelt sich die Geschichte in der zweiten Hälfte unglaublich gut und intensiv. Da ignoriert man auch gerne die langsameren und ruhigeren Momente, ohne die es auch hier nicht geht.

Die Blu-ray von The Tall Man hat etwa 20 Minuten Interviewmaterial mit Cast und Crew zu bieten, in dem verschiedene Personen auf den Film, die Machart und natürlich die interessanten Hintergründe eingehen. In technischer Hinsicht wird ein klares und sauberes Bild geboten sowie ein wuchtiger Ton - auch wenn der Film mitunter etwas dunkel und zeitweise auch sehr still ist.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Kommentare Total: 6

db

jo man wird an der Nase herumgeführt und das tut dem Film auch gut...

yan

Hier hat das Verwirrspiel mit den Genren aber einen wichtigen Wert. Ohne die wohl absichtliche 'als Horrorfilm-Vermarktung' hätten die Twists, vor allem zu Beginn keine Durchschlagskraft. So wird man aber auf eine intelligente Art und Weise ziemlich an der Nase rumgeführt.

db

wieder ein FIlm der in eine ganz andere Richtung gegangen ist, wie der Trailer verkündet hat und am Ende doch deutlich mehr geboten hat, als eine Mutter die ihrem verschwundenen Kind nachrennt. Letztendlich hat es wenig mit Horror zu tun, selbst wenn der Film sich als solcher Verkaufen will, sondern eher ein sehr düsterer Film mit unheimlicher Inszenierung, aber einer vielschichtigen Story, bei der man auch aufpassen muss, um alle Twists and Turns aufzufangen. Als Schocker taugt er jedenfalls nichts, denn dafür ist er zu lahm, dafür ist er grossartig gespielt und fordert den Zuschauer auch auf mitzudenken.

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