Souls of Zen (2012)

Souls of Zen (2012)

Oder: Tradition wird zum Fels in der Brandung

Zuvor

Zuvor

Im März 2011 wurde Japan von einer Katastrophe erschüttert, wobei weite Teile der Küste nicht nur von einem Tsunami überrollt wurden, sondern die anschliessende Katastrophe in Fukushima die bislang als relativ "sicher" geltende Atomenergie in ein ganz anderes Licht rückte. Doch im Schatten der atomaren Katastrophe verloren Tausende ihr Leben und noch mehr ihr Heim. Die westlichen Medien berichteten dabei beinahe ungläubig, wie "stoisch" die Japaner sich sammelten, es zu keinen Plünderungen oder öffentlicher Trauer kam und sie einfach gemeinsam mit dem Aufräumen begannen.

Danach...

Danach...

Doch was für uns als stoisch wirkt, wurzelt tatsächlich tief in der buddhistischen Tradition, welche den japanischen Verhaltenskodex schon seit langem prägt. Souls of Zen erkundet genau diesen Aspekt der japanischen Kultur, der sich zum einen in den uralten Tempeln abspielt, in Millionen von Familien praktiziert wird und zwischen den gewaltigen Wohnburgen Oasen des Friedens von dem hektischen Alltag bietet. Doch was löst eine solche Katastrophe in diesen Geistlichen aus? Wie unterstützt der Zen-Buddhismus die Trauerarbeit, und erschütterte der Tsunami nicht nur ein ganzes Land, sondern auch das religiöse Leben auf der Insel? Eine Reise in ein genauso fremdes wie vielseitiges Land, dessen Bewohner für uns Europäer immer noch schwer zu fassen sind...


Film-Rating

Ursprünglich begann Souls of Zen als Dokumentation über den Zen-Buddhismus, bei dem deren Lehren, das Gewicht in der Gesellschaft und im modernen Japan erkundet werden sollte. Doch als im März 2011 der gewaltige Tsunami ganze Regionen Japans überflutete, nahm der Film eine ganz andere Dimension an. Regisseur Tim Graf konnte plötzlich den Buddhismus nicht nur in der Theorie erkunden, wo primär die Rituale sowie die Philosophien beleuchtet wurden, sondern auch in der Praxis. Die Mönche öffneten ihre Tempel für die obdachlosen Mitbewohner, starteten innerhalb von Wochen Sammelaktionen und zelebrierten das, was in ihrem Glauben im Zentrum steht: Mitgefühl zeigen und helfen.

Dies war auch der Grund, warum Graf trotz der Katastrophe und auch der Gefahr weiter drehte und ihm auch viele Tore geöffnet wurden, die sonst wohl verschlossen geblieben wären. Beinahe exklusiv konnte er die Rituale der Mönche filmen und auch ausführliche Interviews mit den Geistlichen führen. Dabei gewährt er gute Einblicke in den Alltag im Tempel, wobei auch Fakten über den Tagesablauf sowie über die Tätigkeiten und Pflichten hineingeflochten werden, weshalb man sich auch ein gutes Bild über die traditionellen Praktiken des Buddhismus machen kann. Allerdings bleibt dies oberflächlich, und letztendlich erfährt man über den Glauben, dessen Geschichte und Philosophien nur die wichtigsten Eckdaten. Die Rituale werden kaum erklärt und viele Warum- und Wieso-Fragen bleiben in der Luft hängen. Klar ist es interessant zu sehen, wie sich die Traditionen im modernen Japan anpassen und wie sie unter Extrembedingungen wie dieser Katastrophe funktionieren, aber etwas mehr Tiefe hätte nicht geschadet.

Der Film selbst reflektiert an sich seine Entstehungsgeschichte - eine Zufallsproduktion, welche aus einer Situation entstanden ist, die nicht geplant werden konnte. Deshalb gibt es über die Laufzeit deutliche Qualitätsabfälle zwischen einzelnen Szenen, die harten Übergänge zwischen Segmenten fallen negativ auf, und auch das mehrmalige Verwenden derselben Einstellungen ist offensichtlich. So bleibt es - trotz regelmässig eingeblendeter Karte - bei vielen chaotisch zusammengewürfelten Szenen, die mit Newsberichten ergänzt werden, aber einen roten Faden vermissen lassen und denen, welche sich nur rudimentär über die Themen eingelesen haben, kaum etwas Neues bietet.

Fazit: Souls of Zen versucht zwei gigantische Themen - den Tsunami mit dessen Folgen sowie den Buddhismus - unter eine Haube zu bringen. Dabei liefert er grundsätzlich interessante Informationen und gute Einblicke, doch letztendlich bleiben es oberflächliche Eckdaten, die sich zu viel Halbwissen zusammenfügen, das man anschliessend in Eigenregie aufarbeiten muss, denn weder die Katastrophe noch der Buddhismus werden wirklich umfassend beleuchtet. Schade.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

23.09.2012 / db

Community:

Bewertung: 4.0 (4 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

1 Kommentar