The Path - La senda (2012)

The Path - La senda (2012)

The Path - Dunkle Pfade
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Filmkritik: Papa dreht durch!

Raul (Gustavo Salmerón) ist ein begnadeter Schachspieler, aber auch ein schlechter Vater und Ehemann. Trotzdem kann er seine Frau Ana (Irene Visedo) überzeugen, die Weihnachtsferien gemeinsam mit ihrem Sohn Nico (Ricardo Trenor) in einer abgelegenen Hütte mitten im verschneiten Nirgendwo zu verbringen. Dort angekommen, treffen sie auf den jungen, gutaussehenden Samuel (Ariel Castro), der regelmässig Arbeiten ums Haus verrichtet und sich rasch mit Ana und Nico anfreundet. Raul dagegen ist eifersüchtig und gar nicht begeistert, dass ein anderer Mann seinen Familienurlaub stört.

Rauls Verhalten wird immer merkwürdiger - er träumt wirres Zeug und hat Halluzinationen. Sein Sohn fürchtet sich vor ihm, und das Verhältnis zu seiner Frau bricht langsam in sich zusammen. Die Freundschaft zwischen Ana und Samuel wird dafür immer stärker und inniger. Als Raul Ana eines Nachmittags hinterherspioniert, findet er heraus, dass sie bei Samuel zu Hause war.

Ein einsames Haus am Waldrand, eine verschneite Umgebung und eine düstere, triste Stimmung dienten schon unzählige Male als Setting für gelungene Psychothriller. Nicht erst seit Jack Nicholsons Arbeitsausflug ins Overlook-Hotel weiss man, dass solche Gegenden für den Verstand nicht gerade hilfreich sind. Miguel Ángel Toledo scheint ein grosser Stephen-King-Fan zu sein, denn sein Debüt La Senda sprüht nur so vor Kingscher Ideen. Sein Erstling überzeugt zwar mit einer ruhiger, stimmiger Inszenierung, wirkt aber doch an vielen Stellen zusammengeklaut und durchgekaut.

Die bedrohliche und bitterböse Performance von Gustavo Salmerón als Raul ist beachtenswert und verleiht dem Film Tiefe, sorgt aber auch dafür, dass die übrigen Darsteller etwas untergehen. Vor allem in den dramatischen Szenen können Frau und Sohn nicht wunschgemäss agieren und wirken blass und überfordert. So konzentriert sich der Film aber glücklicherweise auch mehr auf die Psychose der Hauptfigur. Hier sehen die Zuschauer eine von Anfang bis Ende durchdachte Storyline, die Horrorfans zwar nicht völlig unbekannt vorkommen wird, aber am Schluss doch einen ansprechenden und bleibenden Eindruck hinterlässt.

Das Hauptproblem von La Senda ist die fehlende Eigenständigkeit. Die Psychothriller-Déjà-vus tauchen im Minutentakt auf und werden ohne eigene Handschrift kopiert und in den Kontext integriert. Juan Carlos Fresnadillo (28 Weeks Later) hat zwar für den Film an sich eine solide Story geschaffen, die aber zu unspektakulär daherkommt, um im dichtbesiedelten Psychothriller-Genre bestehen zu können. Aufgewertet wird die Geschichte durch die ruhige Erzählsweise. Toledo nimmt sich viel Zeit für schöne Kameraeinstellungen und intensive Bilder, bleibt seinem stimmigen Stil bis zum Ende treu und zieht den Film somit gerade noch so aus dem Durchschnitt.

Fazit: La Senda ist ein atmosphärischer und leise vorgetragener Psychothriller, der sich im ganzen Genre an Ideen bedient hat und zu keiner Zeit eine eigene Schiene fahren kann. Die schöne Inszenierung, die grossartige Leistung des Hauptdarsteller und ein interessantes Ende trösten ein wenig darüber hinweg, dass man sich hier alles zum wiederholten Male zu Gemüte führt.

/ yan