Schutzengel (2012)

Schutzengel (2012)

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Filmkritik: Til Rambo

Kratz mich mal am Rücken.
Kratz mich mal am Rücken. © 2012 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Max (Til Schweiger) ist ehemaliger Elitesoldat, der sich nun von der Front zurückgezogen hat und im Zeugenschutzprogramm arbeitet. Doch auch hier ist er noch lange nicht ausser Gefahr, denn der neu gefasste Auftrag wird ihm alles abverlangen, was er in den vielen Jahren gelernt hat. Er erhält nämlich den Auftrag, das junge Mädchen Nina (Luna Schweiger) zu beschützen, das als Vollwaise alleine in der Welt steht und als Kronzeugin in einem wichtigen Prozess aussagen soll.

Sieht doch ganz harmlos aus...
Sieht doch ganz harmlos aus... © 2012 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Deshalb wird Nina von Thomas Backer (Heiner Lauterbach) gejagt, einem gefährlichen Waffenhändler, der verhindern will, dass sie aussagt. Auf der Flucht gewinnt Max als erster Erwachsener in Ninas jungem Leben das Vertrauen des gepeinigten Mädchens, und auch der grimmige Einzelgänger findet in seinem Schützling eine Vertrauensperson. Dieser Teamgeist wird auch dringend benötigt, denn der grosse Showdown kommt noch...

Dass Filme vorab der Presse nicht gezeigt werden, kommt immer mal wieder vor. Meist passiert dies bei Franchisen, die bei der Kritik schon zu Beginn nicht gut ankamen. Die Reihen Saw und Resident Evil sind da zwei Beispiele. Auch Til Schweiger hat es satt, von den Filmrezensionsstellen immer, etwas brutal gesagt, eins auf die Fresse zu kriegen. So zeigt er seine Werke niemanden, und wenn doch, dann nur ausgewählten Journalisten vor dem Kinostart. Bei Schutzengel weiss man auch warum. Ging Schweiger schon bei seinen Ausflügen in die Famlienecke (Keinohrhasen, Kokowääh) wenig Risiko ein, tut er jetzt das Gleiche bei seinem Actiondrama. Er kombiniert einfach die Storylines von Léon und Eraser zu einem überlangen Werk, das nie richtig in die Gänge kommt.

Die Ausgangslage für den Film ist aber auch sehr an den Haaren herbeigezogen. Bei dem alles auslösenden Mord verhalten sich die Opfer dermassen bescheuert, dass die Glaubwürdigkeit schon hier zu bröckeln beginnt. Auch im weiteren Verlaufe gibt es immer wieder solche An-den-Kopf-greif-Szenen - zum Beispiel als das sich immer noch im Zeugenschutzprogramm befindende Mädchen plötzlich mittels Grossfahndung gesucht wird. Dies, obwohl die zuständigen Personen genau wissen, dass es einen Maulwurf gibt, der die Information an seine Henker weitergibt. Die arme Zeugin, gespielt von Schweigers Tochter Luna, ist übrigens eine, die immer mal wieder Insulin braucht, herumschreit und auch noch Platzangst hat. Die vielen Klischees lösen einige Déjà-vus aus, und auch deshalb ist das Werk mehrheitlich vorhersehbar und mündet in einen Showdown, der in Wirklichkeit gar keiner ist.

Regisseur, Co-Autor und Hauptdarsteller Schweiger gibt währenddessen vor der Kamera sein Bestes - vor allem in den Actionszenen. Die vielen Zeitlupen in den Ballereien hätten aber nicht wirklich sein müssen. Die Sequenzen werden durch das stetige Verlangsamen nicht besser, sondern sind irgendwann nur noch unfreiwillig komisch. Dasselbe gilt auch für die Verwendung von englischen Ausdrücken wie "What the fuck", die jedes Mal deplaziert wirken.

Alle weiteren Charaktere sind dann vor allem dafür verantwortlich dafür, die Filmlänge auf 130 Minuten anwachsen zu lassen. Moritz Bleibtreus Figur hat die klassische Kriegsgeschichte intus, und der Bösewicht ist ein Grossindustrieller, der durch einen kleinen Fehler gestürzt werden kann - nichts Neues und auch ziemlich austauschbar, diese Figuren, deren Sorgen viel zu viel Platz einnehmen.

Fazit: Schutzengel mixt Zutaten von verschiedenen Actionfilmen und wird so zum Sammelsurium von Klischees. Es gibt zwar in schöner Regelmässigkeit immer mal ein paar ansehnliche Schusswechsel, aber sonst ist da wenig, das die lange Spielzeit irgendwie rechtfertigen würde. Zu viel Leerlauf stutzt diesem Schutzengel die Flügel, sodass er nie die Chance hat, richtig abzuheben.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Kommentare Total: 6

muri

Blu-ray-Review: Kokohasen oder Keinohrwääh?

yan

Schutzengel wäre wohl in zackigen 80 Minuten richtig in Ordnung gewesen. Doch so ist der Film unnötig in die Länge gezogen, ermüdend, langweilig und leider auch ab und zu ganz schön lächerlich: Ich sag da nur: Szenen in Zeitlupe sind wohl in Mode!
Die Schiessereien wiederholen sich, die Geschichte wiederholt sich usw. Man ist froh, wenn die Sache dann endlich vorbei ist. Monsieur Schweiger ist in herzigen Romanzen ja ganz gut aufgehoben, aber den Badass Motherfu**er kauft man ihm nicht ab. Klar, er trifft alles wie Rambo höchstpersönlich und springt unversehrt wie eine unsichtbare Ballerina durch den Kugelhagel. Wirklich störend ist aber seine Redensart. Er redet mit jeder Person, als wäre sie ein Kind.

Schutzengel ist ein überflüssiges und eindeutig zu langes Thrillerdrama, dass so gut wie keine Höhepunkte aufweist. Einzig Moritz Bleibtreus Szenen bleiben hängen und sorgen auch mal für einen Lacher.

unicron

Ach naja ich finde die Kritik hier etwas zu böse. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass ich mit sehr niedrigen Erwartungen in den Film ging. Also mich hat er unterhalten und darum geb ich ihm auch ein "gut".

Kritikpunkte von mir:
- Er ist tatsächlich etwas in die Länge gezogen
- Til macht hier einen auf Rambo, wie er mit einer Pistole eine ganze Gruppe mit Sturmgewehren bewaffnet auslöscht ist etwas gar übertrieben
- Einzelne Figuren scheinen sich wirklich ein bisschen seltsam zu benehmen

Positiv fiel mir aber auf:
- Til spielte den Kriegsveteranen glaubwürdig, hat mir gefallen
- Bleibtreu spielt den Kriegs-Krüppel witzig aber dennoch irgendwie tragisch
- Die Story an sich ist zwar vorhersehbar aber der Film ist dennoch phasenweise sehr spannend
- Für einen Film von Til Schweiger schon äusserst brutal

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Trailer Deutsch, 02:55